St. Egydener Landwirt: „Sind am Boden zerstört!“. Angebliche hygienische Missstände ließen Tierschützer aktiv werden. Doch Betreiber Johann Rumpler verteidigt sich: „Die Amtstierärztin hat keinen Fehler gefunden!“

Von Elfi Hagenbichler. Erstellt am 16. Mai 2020 (05:23)

„Es tut weh!“ Das sagt Landwirt Johann Rumpler, wird er auf die Aktion des Tierschutzvereins „RespekTiere“ und des VGT (Verein gegen Tierfabriken) Niederösterreich angesprochen. Die Tierschutzaktivisten hatten am 27. April eine Aktion vor seinem Hof gestartet und Beiträge dazu über die sozialen Medien veröffentlicht. Am nächsten Tag habe ihm die zuständige Amtstierärztin bei einer unangemeldeten Kontrolle von einer Anzeige gegen ihn erzählt und bald darauf „klingelte das Telefon im Fünf-Minuten-Takt“.

Thomas Putzgruber vom Verein „RespekTiere“ erläutert die Beweggründe für die Aktion des in Salzburg beheimateten Vereins. Ein Informant habe berichtet, dass es in dem Betrieb „schon immer“ Schwierigkeiten bezüglich der hygienischen Zustände gegeben habe. Sie seien daraufhin nach Niederösterreich gefahren, um sich „das selbst anzuschauen“. In Zusammenarbeit mit VGT-Aktivisten aus Wiener Neustadt hätten sie Fotos der Tiere im fraglichen Stall gemacht und die Aktion mit dem Transparent vor dem Haus des Landwirtes gestartet, die Behörde verständigt und eine Anzeige gemacht. Die Kritik der Tierschutzvereine richtete sich einerseits gegen die hygienischen Zustände im Stall, andererseits gegen die Behörde, die eine dauerhafte Anbindehaltung bewilligt hatte.

Mit Landwirt wurde kein Kontakt gehalten

Putzgruber zeigt sich „enttäuscht von der Behörde“. Sie agiere bevormundend, die Amtstierärztin habe sich mehr für die Umstände der Aktion interessiert als für die Tiere. „Es hat nicht zu interessieren, wie man zu den Fotos kommt“, betont er, „das kann ihnen egal sein!“ Man habe sich außerdem erwartet, dass die „Behörde gleich anschauen kommt, man weiß ja, wie solche Sachen funktionieren: Sonst werden die Zustände verändert.“ Mit dem betreffenden Landwirt habe er nicht Kontakt aufgenommen: „Für mich gibt es da nichts zu besprechen, es kommt dabei auf das Delikt an. Wenn man weiß, das geht über Wochen, muss sich der Bauer dazu bekennen und sich den Konsequenzen stellen.“

Besitzer weist jede Schuld von sich

„Ich habe mehrmals unangemeldeten Besuch der Amtstierärztin gehabt in den letzten Wochen, sie hat keinen Fehler im Stall gefunden“, bezog Johann Rumpler der NÖN gegenüber Stellung, die Anbindehaltung sei bewilligt und beträfe nur Tiere in der Endmast. Die Anzeige sei daher fallen gelassen worden. Auch Stefan Fucik, Veterinär in der Landwirtschaftskammer NÖ bestätigt, dass in bestimmten Fällen die Möglichkeit bestehe, wenn etwa keine geeigneten Weide- oder Auslaufflächen zu Verfügung stünden – wie in diesem Fall ordnungsgemäß gemeldet worden wäre –, die Anbindehaltung weiterhin zu betreiben. Früher seien öfters Familien mit Kindern zu ihm in den Stall gekommen, um die Rinder zu besuchen, erzählte Rumpler, aber „jetzt lasse ich niemand mehr in den Stall, außer der Behörde und dem Tierarzt. Die Tierschützer haben keine Ahnung, was sie anrichten, das geht an uns nicht spurlos vorüber. Wir sind am Boden zerstört!“

Bezirkshauptfrau Alexandra Grabner-Fritz bestätigt auf NÖN-Anfrage, dass seitens der Behörde bei mehreren unangemeldeten Überprüfungen nichts zu beanstanden gewesen wäre, was eine Anzeige rechtfertigen würde. Die Behörde unterstütze den Landwirt zudem dabei, Alternativen zur Anbindehaltung zu realisieren.