Mayr-Melnhof-Mitarbeiter: ,,Wir sind der letzte Dreck!". Die schwarze Fahne am Eingang zum Mayr-Melnhof Werksgelände wurde eigentlich im Gedenken an das Ableben von Feuerwehrfunktionär Ernst Huber gehisst. „Aber es beschreibt die Stimmung aller Mitarbeiter", bringt es ein Arbeiter gegenüber NÖN.at auf den Punkt. Ein Lokalaugenschein.

Von Red. Neunkirchen. Erstellt am 10. September 2020 (09:00)
Mayr Melnhof Karton

Wie seine Kollegen, erfuhr er am Montag vom Ende der Produktion. „Wir haben am Montag noch Herrn Gschwendtner (Thomas Gschwendter, Managing Director Operations von MM Karton, Anm.) gesehen und keiner wusste um den Grund seines Besuches. Wir haben geglaubt, es gibt vielleicht einen neuen Werksleiter", so einer der Mitarbeiter.

Kurz darauf habe man dann durch die Abteilungsleiter und Betriebsräte erfahren, dass die Kartonmaschine noch im vierten Quartal abgestellt werden soll und bis zu 130 Jobs verloren gehen. „Die Stimmung ist erledigt. Nach dem Brand waren wir alle gut genug. Jeder von uns hat damals sieben Tage die Woche durchgearbeitet, sodass alles geschafft wird. Und jetzt sind wir der letzte Dreck", zeigt man sich innerhalb der Belegschaft mehr als enttäuscht. Auch darüber, dass die schlechten Nachrichten nicht vom Top-Manager selbst verkündet wurde. 

Amazon war Top-Kunde

Und man versteht auch nicht, warum es das Werk jetzt getroffen hat. Kolportiert wird, dass die Auftragslage zuletzt sehr gut gewesen sein soll, es soll  auch keinen Stillstand in der Produktion gegeben haben. Das Gegenteil dürfte der Fall gewesen: Corona-bedingt fuhr man, auch durch den Boom des Onlinehandels, auf Rekordkurs. So zählt etwa der Internetriese „Amazon“ zu einem Top-Kunden des Werkes.

„Wir können jetzt nur den Sozialplan abwarten. Dann sehen wir weiter. Wir haben immer alles für die Firma gemacht und das ist jetzt der Dank. Aber das hilft dir jetzt alles nichts", beschreibt der Mitarbeiter, der schon fast zwei Jahrzehnte in Hirschwang beschäftigt ist, die Situation. Er möchte dabei anonym bleiben. „Die Leute haben nichts gewusst. Anfang September haben sogar noch neue Mitarbeiter begonnen und auch Lehrlinge. Jetzt lassen alle den Kopf hängen, aber es lässt sich leider nicht ändern und wir müssen es so hinnehmen", meint der Mann. Dass die Politik noch etwas ändern könnte, glaubt er nicht. „Was soll die Politik machen? Wir haben auch immer geglaubt, dass Mayr-Melnhof als österreichische Firma auf den Standort im eigenen Land schauen wird", zeigt er sich enttäuscht.

Mit Wehmut an die schöne Zeit

Gemutmaßt wird, dass die Produktion von Frohnleiten und dem Werk im slowenischen Kolicevo übernommen wird. Der Mann blickt mit Wehmut an die „schöne Zeit in Hirschwang“, wie er sagt, zurück. An eine Zeit mit Höhen und Tiefen. „Es war eine gute Firma, es haben sich viele Freundschaften aufgebaut" so der Mitarbeiter.