Hammerstiel verarbeitet sein Leben in Bildern. Robert Hammerstiel verarbeitet in seinen Werken die schrecklichen Leiden seiner Kindheit. Mit den Jahren hat sich auch der Stil seiner Bilder markant verändert.

Von Johannes Authried. Erstellt am 24. Mai 2020 (05:24)
Der Ternitzer Robert Hammerstiel zählt zu den bedeutendsten heimischen Gegenwarts-Künstler. Seine Werke wurden bereits in einigen großen Häusern in Österreich ausgestellt.
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Für Albertina-Direktor Klaus Albrecht Schröder zählt Robert Hammerstiel sicher zu den bedeutendsten heimischen Gegenwarts-Künstlern, wobei seine Werke ohne Problem einem Vergleich mit den ganz Großen der Bildenden Kunst, wie Edvard Munch, Van Gogh, Anselm Kiefer oder Picasso standhalten.

Kunst wurde zur Überlebensstrategie

Kunst ist für Robert Hammerstiel seit jeher eine Überlebensstrategie. Geboren 1933 in Vrsac im Banat, fühlt er sich als „Alt-Österreicher“. Im Alter von elf Jahren wurde er in ein Partisanen-Internierungslager gesteckt. 1947 gelang der Familie die Flucht über Ungarn nach Österreich und schließlich nach Pottschach, wo Hammerstiel zunächst eine Bäckerlehre absolvierte. Anschließend arbeitete er bei Schoeller-Bleckmann und besuchte nebenher mit Unterstützung der Gewerkschaft die Kunstschule in Wien.

In den 1960er Jahren folgten die ersten Ausstellungen, zuerst in Wien, bald auch im Ausland. Noch in den späten 1980er Jahren galt er als „Geheimtipp“. Parallel dazu arbeitet Hammerstiel immer noch in der Fabrik. Nach einem Arbeitsunfall, bei dem er sich die Hände verletzt, wird er ins Büro versetzt und geht 1988 in Pension. Die bis dahin ausschließlich in dunklen Farbtönen gehaltenen Holzschnitte und Gemälde wurden schlagartig farbprächtig. Entscheidend für Hammerstiels neue Werkphase wird 1988 eine Reise nach New York.

Er wendet sich, wenn auch kunsthistorisch verspätet, der Pop-Art zu. Der Aufenthalt in New York wird zur klaren Zäsur. Hammerstiel geht neue künstlerische Wege. Vom schrillen und grellen Manhattan beeindruckt, entdeckt er die Farbe neu und vereinfacht die Formen radikal. Sein Werk ist fortan geprägt von einer lebendigen Farbigkeit und einer radikalen, fast plakativen Reduktion der Form auf das Wesentliche.

„Hammerstiel sucht die Wirklichkeit hinter der scheinbaren Wahrheit.“ René Harather, Hammerstiel-Kenner.

Hammerstiel arbeitet bis heute seine schrecklichen Kindheitserlebnisse in seiner Kunst ab. Der Tod scheint dem Betrachter immer wieder aus den Bildern anzusehen. „In seinem Leben ist das Leid, das er als Kind erfahren hat, immer wieder präsent. Aber es geht ihm nicht um Reminiszenz, sondern um die Menschenwürde, das Menschsein unter widrigsten Umständen, von inneren Ängsten getrieben. Er opponiert vehement gegen das Herrische im Menschen und in der Gesellschaft, er klagt still und zugleich stark Ungerechtigkeit und immerwährende Zustände von Gewalt und Terror an. Hammerstiel sucht die Wirklichkeit hinter der scheinbaren Wahrheit und es sind Hass und Grausamkeit, gegen die er sich stellt“, so Hammerstiel-Kenner René Harather. Nicht nur in seinen Bildern, auch in zwei Autobiografien finden sich seine Schicksalsjahre wieder: „Von Ikonen und Ratten, Eine Banater Kindheit 1939-1949“ (Verlag Brandstätter, 1999) und „Von klaren und von blinden Spiegeln“, erschienen im Armonia Verlag, Gloggnitz (2007).

Musik ist auch eine große Leidenschaft

Hammerstiel hat eine besondere Beziehung zur Musik. Wenn er malt, hört er Musik, meistens von Rachmaninov. Für die CD „Perlen“ von Ludwig Hirsch (1946 - 2011) stellte Hammerstiel zwei seiner Bilder für das Album zur Verfügung. Sein Oeuvre umfasst Tausende Werke. Er fertigte auch Bilder zu Schuberts Winterreise (1998), in denen auch die Erlebnisse der Internierung verarbeitet wurden. Im Alter kamen die Auszeichnungen – Ehrenbürgerschaft in Ternitz (2013), Ehrenbürger seiner Geburtsstadt Werschetz (2009), Träger des „Goldenen Ehrenzeichens der Republik“ (1998), Träger des „Päpstlichen Ritterordens“ (2005) und der NÖN-Leopold (2006).