Martha Theresa Kerschhofer: Mit der Kraft der Symbole. Martha Theresa Kerschhofer ist nicht nur in Österreich hochdekoriert. Aktuell beschäftigt sie sich mit einem ihrer Ur-Themen.

Von Johannes Authried. Erstellt am 26. Juni 2020 (08:55)
Neunkirchens erfolgreichste Künstlerin Martha Theresa Kerschhofer mit einem Bild aus dem Japan-Zyklus.
Authried

Meilensteine setzt die Neunkirchner Künstlerin Martha Theresa Kerschhofer (69) immer wieder mit ihren Bildern. Die gebürtige Hartbergerin arbeitet gerne mit der Kraft der Symbole. Am Anfang ihrer Karriere war, und ist es teilweise heute noch, der Baum Schwerpunkt ihrer Arbeiten. „Nicht als Abbild“, wie Kerschhofer betont, „sondern als Symbol des Lebens und Sinnbild der Beharrlichkeit“ möchte sie ihn verstanden wissen.

Im Brotberuf war Martha Theresa Kerschhofer Erzieherin in Baden und lebt seit 1974 in Neunkirchen. Bevor sie 1986 ihr Atelier in Neunkirchen eröffnete, absolvierte sie Studienreisen in die Toskana, Apulien, Zypern, Santorin, Kreta und Nordafrika und tauchte parallel dazu in die Welt des Holzschnittes unter fachkundigen Anweisungen ihres Lehrers Professor Robert Hammerstiel aus Ternitz ein.

Durch die zahlreichen Begegnungen mit verschiedenen Kulturen entsteht der große Zyklus „Wege ins ZEN-TRUM“. Wege, die Menschen verschiedener Kulturen suchen bzw. gehen, um ihre Mitte, ihr Zentrum zu finden. Um diese Gedanken umzusetzen, verwendet Martha Theresa Kerschhofer Jahrtausend Jahre alte Symbole, Formen und Zeichen, die im Unterbewusstsein verankert sind, aber meist durch Evolution oder Alltag verschüttet oder vergessen wurden. Ein Teil dieser Arbeiten sind die Serien „Kraft-Felder und Schutz-Zeichen“, mit Millionen Jahren altem Vulkansand aus erstarrtem Magma entstanden. Ein weiteres Projekt war die Auseinandersetzung mit dem Wort „Frieden“, das sie in verschiedenen Sprachen auf Leinwand und auf Friedens-Schiffe malte.

Seit vielen Jahren entstehen auch Bilder zum Japan-Zyklus, wo sich fernöstliche Weisheit auf griechische Puzzolanerde, die aus Vulkanasche von den Vulkanen Santorinis gewonnen wurden, treffen.

Griechenland wurde zur zweiten Heimat

Griechenland wurde für Martha und Gatte Hans Kerschhofer zur zweiten Heimat. In den Jahren in Santorin, Kreta und Karpathos, wo sie Monate im Jahr lebten, schöpfte sie Kraft und Inspiration. Es entstanden beeindruckende Werke und sie machte sich auch ebendort einen Namen in der Kunstszene.

2004 fanden bei den Olympischen Spielen die „Panathinea – die Olympischen Spiele der Künstler“ in Athen statt, wo Martha Kerschhofer als erste Österreicherin den Diskus von Phaistos in Gold samt Olivenkranz für ihre Arbeit als bildnerische Künstlerin überreicht bekam. Bei der Teilnahme an der 33. „Mini Print International“ 2013 in Barcelona erhielt sie von 710 Künstlern aus 54 Nationen den Kunst-Award. Sowohl die von der Künstlerin entwickelte einzigartige Technik, als auch die Thematik der Bilder „Penelope – Threads of Life“ riefen großes Interesse beim Publikum, bei den Künstlerkollegen und Galeristen hervor. Im selben Jahr erhielt sie in Athen, von der bedeutendsten Künstlervereinigung Griechenlands, den großen Ehrenpreis für Malerei und Grafik von der „Internationalen Society of Greek Writers and Artists“.

In Österreich überreichte 2014 Bundespräsident Heinz Fischer Neunkirchens erfolgreichster Künstlerin das Goldenen Verdienstzeichen der Republik Österreich, von der Stadt Neunkirchen erhielt sie den Ehrenring. Auf die Frage, wie viele Ausstellungen sie bereits hatte, antwortet die Künstlerin: „Ich habe aufgehört zu zählen. Es waren bis dato sehr viele.“

Zurzeit arbeitet Kerschhofer am noch immer in Arbeit befindlichen Zyklus „Stadt in Bewegung“ mit Lebens-Linien und Jahresringen großer, alter, ausgedienter Bäume, die in und um Neunkirchen umgeschnitten wurden.

Diese teilweise über 100 Jahre alten Baumscheiben werden mit Ölfarbe im Handdruck-Verfahren gedruckt, mit Textfragmenten aus chinesischer Tusche überblendet und mit Stadtgrenzen (nach alten Plänen aus dem Neunkirchner Stadtarchiv) übermalt. „Die alten Bäume sind nicht vergessen – sie leben in meinen Bildern weiter“, so das Credo der Künstlerin.