„Talent“ ist nur eine nette Zutat. Isabella Scherabons Malerei mit den verschiedensten Techniken hat stets den Menschen, die Gesellschaft und den Umgang mit der Welt zum Thema.

Von Johannes Authried. Erstellt am 21. November 2020 (04:13)
Einen Namen hat sich Isabella Scherabon auch in der Textilkunst gemacht. Mit Schafwolle zu arbeiten ist für sie eine Offenbarung.
privat

In ihrem Beruf, in dem Isabella Scherabon zehn Jahre lang Betreuerin einer Kindergruppe war, hat sie erkannt, dass viele Kinder das Bedürfnis hatten, sich auszudrücken – etwas zu zeichnen, zu malen und damit glücklich zu sein.

Sie kennt diese Bedürfnisse aus eigener Erfahrung. „Wie es so schön und kitschig heißt, male und zeichne ich, seit ich einen Stift halten kann, also seit 53 Jahren. Meine Mutter hat mir so viel beigebracht, dass ich in der Schule schon als ‚Talent‘ galt. Zu malen und zu zeichnen war für mich völlig normal“, erinnert sich die gebürtige Wienerin.

Helfen, Künstlerisches in sich zu entdecken

Den Mythos vom Talent bemüht sie sich, in ihren Malkursen radikal zu entkräften. „Talent“ ist eine nette Zutat, Ausdauer, dran bleiben, sich verpflichten, immer weiter zu tun, sind weitaus wichtiger. Wer gerne malen und zeichnen können möchte, wird das erreichen – guter Unterricht vorausgesetzt. Damit setzt sie schon einen Hinweis, was ihr in der Kunst wichtig ist: Menschen dabei zu unterstützen, das Künstlerische in sich zu entdecken und als festen Bestandteil des Lebens zu etablieren.

„Gerade jetzt bemerken wir, wie sehr Kunst fehlen kann und wie verbindend es sein kann, aktiv oder passiv Kunst mit anderen zu erleben.“

Ihre eigene Malerei hat stets den Menschen, die Gesellschaft und den Umgang mit der Welt zum Thema. Isabella Scherabon malt mit verschiedenen Techniken, Acryl, aber noch lieber mit Öl- oder Kaseinfarben. Historische Techniken und das Wissen um Pigmente findet sie wichtig und spannend. Besonders die Geschichte des Blau-Färbens ist für sie ein wahrer Krimi – von Färberwaid über Indigo aus Indien bis zur Entdeckung des synthetischen Farbstoffs. „Motive zu Corona sind schon vage vorhanden in meinem Geist, werden mal-bar werden, wenn sich die Unruhe ein wenig gelegt hat. Die Beziehung zwischen dem Menschen und den ‚kleinen Leuten‘ auszuloten, finde ich spannend.“

Einen Namen hat sich Scherabon auch in der Textilkunst gemacht. Mit Schafwolle zu arbeiten ist für sie eine Offenbarung. Die Fasern sind so vielseitig anwendbar, vom Schmuckstück bis zum Teppich. Hier reizt sie besonders die Malerei mit Wolle, Skulpturen und Gesichter zu schaffen.

Aktuell ist die Künstlerin für ihr Werk „Look! Open Your Eyes“, eine Kombination aus Acrylmalerei, Collage und einer Installation aus Eschenholz, Metallfedern und aus Wolle gearbeiteten Portraits, für den „Art Award“ der Berufsvereinigung bildender Künstler Österreichs nominiert worden. Sie erreichte damit den vierten Platz.