Ternitz‘ kreative Feder. Bereits vor Jahrzehnten entdeckte Herbert Hirschler sein Talent, wenn es ums Schreiben ging. Neben Musiktexten schrieb der 55-Jährige auch zwei Bücher.

Von Johannes Authried. Erstellt am 07. Februar 2021 (03:23)
Herbert Hirschler
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Wenn Herbert Hirschler jemand fragt, warum er das Musiktexten nicht hauptberuflich mache, dann gibt es nur eine Antwort: „Dann müsste ich Texte schreiben, jetzt darf ich das machen! Das macht einen großen Unterschied aus.“

Für den 55-jährigen Ternitzer hat alles mit heiteren Maschkererbriefen begonnen, die er jahrelang für sämtliche Hochzeiten schrieb. „Damals habe ich bemerkt, dass mir das Geschichtenschreiben und Reimen relativ leicht von der Hand geht.“ Bei einem der legendären Siedinger Volksfeste war Hirschler als Feuerwehrmann hinter der Schnapsbar im Einsatz und kam dort nach dem Auftritt der Klostertaler mit dem Sänger der Gruppe, Markus Wolfahrt, ins Gespräch. „Ich erzählte ihm, dass ich Maschkererbriefe schreibe und es gerne mal mit Songtexten versuchen wollte. ‚Supa, mia brauchn eh grod a poar guate Liada! Schick ma oafoch wos zua‘, meinte Markus in seinem vorarlbergerischen Dialekt. Das war Mitte der 1990er Jahre und ich war hoch motiviert.“

Rasch schickte der Neo-Autor seine Lieder ab, „und zum Glück kam niemals eine Antwort zurück“, erzählt Hirschler. „Denn wenn die Gruppe meinen musikalischen Super-Gau, bei dem ich mich mit meiner Lagerfeuergitarre selbst begleitet hatte, kommentiert hätte, wären meine Ambitionen, als Musiktexter durchzustarten, mit einem Schlag beendet worden. Dass ich 20 Jahre später für die Klostertaler doch noch einige Texte schreiben konnte und der Titel ‚Wenn der Sommer dann da ist‘ sogar für mehrere Wochen Nummer eins der deutschen Schlager-Charts war, hat mich besonders gefreut.“

Damals war Hirschler etwas enttäuscht, dass er keine Rückmeldung erhalten hatte. Aber dann lernte er seinen Mentor Hans Klauser, Chef vom Heimatlandecho, eine der besten Oberkrainergruppen im deutschsprachigen Raum, aus Puchberg kennen. Gleich bei der nächsten Veröffentlichung des Heimatlandechos befanden sich plötzlich zehn Musiktexte „made by Hirschi“ auf der CD.

„Helene Fischer sang Lied von mir!“

Mittlerweile entstanden mehr als 700 Songs für Francine Jordi, Marianne und Michael, die Kastelruther, Jazz Gitti und Pfarrer Brei. „Sogar Helene Fischer sang ein Lied von mir. Die deutsche Übersetzung von ‚Let It Snow‘ war für meinen Freund, ORF-Moderator Tom Schwarzmann gedacht. Dann wurde dieser weihnachtliche Evergreen plötzlich von Andy Borg, Ross Antony und Florian Silbereisen gesungen. Niemals hätte ich 1997 gedacht, dass einmal elf Goldene und fünf Platin-Auszeichnungen in meinem Stiegenhaus hängen.“

Vom Schlagertexter zum Sachbuchautor ist es nicht weit. 2010 marschierte Hirschler, der hauptberuflich in der Firma Voith in Wimpassing tätig ist, den Jakobsweg 1.100 km auf der nordspanischen Küstenvariante von Hendaye (Frankreich) über San Sebastian, Bilbao, Gijon bis Santiago de Compostela und weiter nach Finisterre und Muxia. Und weil es damals über diesen Weg „keine ,g’scheite‘ Pilgerliteratur“ gab, schrieb der Schlagertexter sein erstes Buch. „Drei Monate schrieb ich mir die Finger wund, machte Recherchen und suchte die schönsten Bilder aus den 5.000 am Jakobsweg geschossenen Fotos.“ 2011 erschien bei Leykam „Himmel, Herrgott, Meer, Musik“.

2019 gab es bereits die 4. Auflage. 2016 zog es ihn auf den portugiesischen Küstenweg von Lissabon über Porto nach Santiago de Compostela. Laut dem Internetforum für die portugiesischen Jakobswege war Herbert Hirschler der erste deutschsprachige Pilger, der diese Strecke in einem Zug zur Gänze marschiert ist. Das 2017 veröffentlichte Buch „Himmel, Herrgott, Portugal“ wurde zum Standardwerk für diesen Weg. Erstmals gibt es auch ein passendes Pilgerlied dazu: „Schritt für Schritt am Jakobsweg“ von den Ladinern.

Nach Schlagertexten und Sachbüchern folgt im März ein Roman. In der Corona-Krise nutzte der Autor die Zeit, um seinen ersten Roman „Luftgitarrengott“ fertigzustellen. „Es handelt sich um eine sehr schräge Familiengeschichte, in der der Hauptprotagonist 90 Jahre lang vergeblich versucht, als Rockmusiker durchzustarten – bis er es endlich … aber mehr darf ich noch nicht verraten“, schmunzelt Hirschler.