Loch unter Haus: Historiker erinnert sich. Nach dem dem Auftauchen eines mysteriösen zwei Meter breiten und acht Meter tiefen Lochs in direkter Umgebung eines Hauses in Neunkirchen, wurde auch Lokalhistoriker Wolfgang Haider-Berky zu Rate gezogen. Er erinnert sich:

Von Christian Feigl. Erstellt am 11. September 2020 (10:08)
Lokalhistoriker Wolfgang Haider-Berky glaubt, dass das Loch aufgrund alter unterirdischer Keller einer ehemaligen Firma entstanden ist.
Johannes Authried

,,Da ich mit meinem fast 70 Jahren wohl schon zu den Veteranen dieser Stadt gehöre, wurde ich von fachlicher Seite zugezogen, um das 'Loch' zu interpretieren. Natürlich wusste ich, dass sich dort jahrzehntelang ein großer holzverarbeitender Betrieb befand, der auch entsprechende unterirdische Räume hatte. Von 1956 bis 1959 hatte ich die Ehre, die Mühlfeldvolksschule zu besuchen. Am Weg dorthin kam ich täglich an diesem Grundstück vorbei. Besonders fürchtete ich mich vor den Ruinen des Sägewerkes, die dort zu sehen waren. Am Gründonnerstag 1945 erlebte Neunkirchen einen Angriff von Jagdflugzeugen der Roten Armee. Dabei wurde unter anderem dieses Werk getroffen und zerstört.

Direkt neben der Eingangstür klaffte das Loch aus dem Boden.
privat

Dazu gibt es eine beklemmende Geschichte aus dieser Zeit. Der Besitzer des Sägewerkes und Holzhandels war mit meinem Großvater eng befreundet Schützengesellschaft. Mein Großvater hatte zwei Töchter, damals 25 und 21 Jahre alt. Es wurde die Flucht nach Westen vorbereitet. Gemeinsam flüchtete man mit einem der letzten privaten Fahrzeuge am Karfreitag. Vorher jedoch wurde das komplette Warenlager der Firma Juwelier Berky in einem dieser Keller gebracht und in einem der dort lagernden Holzfässer versteckt. Die Aktion war so geheim, dass meine Mutter nie erfahren hat, dass die Ware dort versteckt war. Sie hat immer angenommen, dass die Russen das Geschäft geplündert hätten. Das im Fass deponierte gesamte Warenlager wurde nicht entdeckt bzw. Die Soldaten der Roten Armee hatten es nur auf volle Fässer abgesehen ....:

Nach der Rückkehr im Mai oder Juni wurde der Betrieb sofort wieder aufgenommen. Meine Tante starb im Herbst 45 an einer Lungenentzündung, weil im sowjetischen Sektor kein Penicillin vorhanden war...