Amokläufer suchte in Ternitz um Hilfe. Auch Mentaltrainer Bernd Gloggnitzer aus Ternitz (Bezirk Neunkirchen) wurde vor Amoklauf von Hanau per Mail kontaktiert. Der ließ den Hilfesuchenden aber sofort abblitzen.

Von Christian Feigl. Erstellt am 25. Februar 2020 (05:52)
„Ich habe sofort erkannt, dass mit dem Mann etwas nicht stimmt und den Auftrag höflich abgelehnt“, erzählt Bernd Gloggnitzer.
Christian Feigl

Jener 43-jährige Deutsche, der in der Vorwoche bei einem Amoklauf in Hanau zehn Menschen, seine Mutter und sich selbst getötet hat, suchte vor seiner Tat per Mail Hilfe in Ternitz ( wir hatten berichtet, siehe hier ). Das geht aus seinem wirren Manifest hervor, in dem er Bernd Gloggnitzer, der in der Ruedlstraße seine „Remote Viewing School“ betreibt, auch namentlich nennt. Der verwehrte ihm allerdings die Zusammenarbeit, „weil mir von Anfang an klar war, dass der Mann nicht alle Tassen im Schrank hat“, wie er beim Besuch der NÖN erzählt (hier geht's zum Video auf Facebook).

Von außen ist nur die gelbe Farbe des Hauses auffällig, in dem sich in der Ternitzer Ruedlstraße die „Remote Viewing School“ von Bernd Gloggnitzer befindet. Kein Türschild, keine große Werbetafel an der Fassade. Am Schreibtisch steht ein Teller Spaghetti, als die NÖN zu Mittag das Büro betritt, doch zum Essen kommt der 37-jährige Pottschacher im Moment ohnehin nicht: „Das Telefon läutet im Minutentakt, jeder will etwas zu dem Fall wissen!“

„Mir war von Anfang an klar, dass der Mann nicht alle Tassen im Schrank hat.“Bernd Gloggnitzer ließ den wirren Bittsteller abblitzen.

Als er am Donnerstag zum ersten Mal in aller Früh von einem deutschen Journalisten mit dem Inhalt des Manifests kontaktiert worden war, ist er aus allen Wolken gefallen: „Da habe ich von der Tragödie noch gar nichts gewusst“, erzählt der stattliche Intuitionstrainer mit seinem runden Gesicht, sanften Gemüt und einer offenen Art. Eigentlich sei er ja zu der Geschichte wie sprichwörtlich die Jungfrau zum Kind gekommen.

„Offenbar hat ein Detektiv, der unsere Methoden kennt, uns weiterempfohlen“, glaubt Gloggnitzer. Die Methoden, die er seit der Übernahme des Institutes im Jahr 2015 lehrt, befassen sich im Grunde damit, die richtige Entscheidung zu treffen, mehr aus der Intuition, also aus dem Bauch, und nicht dem Kopf heraus, wie er erklärt. „Viele nutzen das für wirtschaftliche Belange, andere für andere Dinge, darunter sind auch leider immer wieder Anfragen von Verwirrten!“ So wie jene aus Deutschland.

Bei der Gloggnitzer sofort von Anfang an erkannt hat, „dass dieser Typ nicht alle Tassen im Schrank hat. Ich habe mich deshalb dann auch per Mail sehr kurz gehalten, ihm gesagt, dass ich nicht helfen kann und hatte auch weder telefonischen noch persönlichen Kontakt“, bekräftigt er beim Besuch der NÖN und legt als Beweis den Mailverkehr vor, siehe nebenan. Den letzten Kontakt gab es am 6. Jänner: „Seitdem habe ich zum Glück nichts mehr gehört.“ Bis, ja bis zur Schreckensnachricht von Donnerstagmorgen.

Auch Verfassungsschutz ermittelt in der Causa

Der Kontakt zwischen dem deutschen Attentäter und dem Ternitzer ist in der Zwischenzeit auch ein Fall für die Polizei geworden. Denn das niederösterreichische Landesamt für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung hat nach dem Erscheinen des exklusiven NÖN.at-Artikels Ermittlungen aufgenommen.

Die Angaben von Bernd Gloggnitzer im Email-Verkehr werden von den Verfassungsschützern überprüft. Ermittler haben ihn kontaktiert und den Mailverkehr bekommen.