Wo die Weltachse liegt

Durch Mollram soll sie laufen, deshalb wurden die Mollramer auch die „Weltachsenschmierer“ genannt.

Thomas Wohlmuth Erstellt am 29. Mai 2021 | 03:04
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Der „Weltachsenschmierer“ von Johann Gerhartl.
Foto: Wohlmuth, Wohlmuth

Wenn man in Neunkirchen und Umgebung aufgewachsen ist, so hat man höchstwahrscheinlich schon davon gehört, dass einer Legende nach die Weltachse durch die Neunkirchner Katastralgemeinde Mollram führen soll. Doch woher stammt diese Geschichte?

Um es kurz zu machen: Die Herkunft der Legende liegt im Dunkeln, sicher ist nur, dass es sich um eine sehr alte Erzählung handelt, die auf jeden Fall bereits seit Generationen zum Allgemeingut gehört. Der ehemalige Ortsvorsteher von Mollram, Franz Berger, meint dazu: „Wenn man auf der Hohen Wand steht und herunter schaut, liegt Mollram ziemlich in der Mitte, möglicherweise hat das damit was zu tun.“ Weniger wohlmeinende Stimmen vermuten den Ursprung der Legende darin, dass Mollram etwas abseits der Blätterstraße liegt und die Straße von Neunkirchen einst eine Sackgasse war, das Dorf somit mit dem Ende der Welt gleichgesetzt wurde, wo sich natürlich auch die Weltachse befinden muss.

Dies würde auch mit dem heute nicht mehr so geläufigen Brauch der Ortsspitznamen zusammenpassen, dabei gaben sich die Bewohner unterschiedlicher Dörfer mehr oder weniger treffende Spitznamen, die ebenfalls Allgemeingut wurden. Die Mollramer waren daher eben die „Weltachsschmierer“.

Doch die Dorfbewohner haben die Weltachsenlegende zu ihrem positiven Markenzeichen gemacht: Bereits an den Ortstafeln wird die Entfernung zur Weltachse angezeigt und am Dorfrand steht der „Weltachsstadl“, in dem im Sommer das „Weltachsfest“ stattfindet, und früher wurde sogar die „Miss Weltachse“ gekürt.

Heuer im Frühling hatten nun die Mollramer Manfred Pürzel, Erhard Dinhobl und Johann Simon die Idee, dieser Legende ein Denkmal am Ortsplatz zu widmen. Das Denkmal, welches von Johann Gerhartl aus Willendorf hergestellt wurde, besteht aus einem Modell der Weltkugel, das natürlich der Realität entsprechend schräg auf der Weltachse sitzt, und einer Figur des Mollramer „Weltachsschmierers“.