Neues Kapitel: Langzeit-Buchhändlerin Katharina Lindau in Pension

Buchhändlerin tritt den Ruhestand an, Geschäft bleibt aber weiterhin bestehen.

Erstellt am 08. Januar 2022 | 05:32
Lesezeit: 3 Min
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Katharina Lindau (Mitte) mit ihren Mitarbeiterinnen Birgit Plank und Gabriele Geissler. Die Buchhandlung Reithmeyer am Hauptplatz bleibt bestehen, auch der Name wird nicht verändert.
Foto: Authried

Bei Katharina Lindau von einer Legende zu sprechen, ist wohl kaum übertrieben. Ebenso wenig, wie von einer Ära zu sprechen, die nun – mit ihrem Pensionsantritt – zu Ende ging.

Mit 31. Dezember verabschiedete sich die langjährige Buchhändlerin wie angekündigt von der legendären Buchhandlung Reithmeyer. Für viele ihrer Stammkunden ein Grund, sich mit kleinen Geschenken von der Buchhändlerin ihres Vertrauens zu verabschieden – darunter sogar selbst geschriebene Gedichte.

„Das ist ja wie bei einem Wirt: Nur weil er aufhört, kann er ja noch was trinken. Ich gehe ja nicht vom Buch und vom Lesen weg.“ Katharina Lindau

Lindau selbst geht trotz alldem gelassen in die Pension: „Das ist ja wie bei einem Wirt: Nur weil er aufhört, kann er ja noch was trinken. Ich gehe ja nicht vom Buch und vom Lesen weg. Ich will mir nur den Druck von den ständigen Gedanken wegnehmen: Geht sich das aus? Wie machen wir das? Verkaufen wir das?“ Viele wüssten nicht, wie viel Druck man als Selbstständiger habe, so Lindau: „So schön es oft auch ist.“

Nach Ablegung der Matura begann Lindau, Soziologie zu studieren. Später brach sie das Studium ab, weil sie etwas Praktisches machen wollte. Gelesen hatte sie immer schon gerne: Im Dom-Verlag in Wiener Neustadt bekam Lindau ihre erste Anstellung. „Nachdem ich zwei Jahre dort gearbeitet hatte, hat der Dom-Verlag nach vier Jahren als Inhaber die Filiale Reithmeyer in Neunkirchen verkauft. Diese Chance habe ich 1996 genutzt und die Buchhandlung am Hauptplatz erworben“, erinnert sich die Neo-Pensionistin, die bis heute keine ausgebildete Buchhändlerin ist, zurück. „Ich bin ein abgebrochener Student und ein abgebrochener Buchhändler – dafür ein fertiger Pensionist“, muss Lindau schmunzeln.

Zurückblickend findet sie nichts, was sie enttäuscht hätte: „In dem Beruf kann man was für den Kopf tun. Man muss sich aber auch bewegen, schwer tragen, aber auch nachdenken.“ An einem Schreibtisch zu arbeiten, sei für Lindau nie in Frage gekommen: „Ich habe die richtige Berufswahl getroffen, wobei da auch viel Glück dabei war, wenn man sieht, wie viele Buchhandlungen zusperren.“ Neunkirchen und Umgebung hätten eine „besondere Kundschaft“, auch die Corona-Pandemie und all ihre (bisherigen) Auswirkungen habe man gut überstanden, so Lindau.

Spazieren mit dem Hund, Besuche bei der Mutter

Die „wirklichen Bestseller“ seien übrigens die „stillen Bestseller“, glaubt Lindau: „Wir verkaufen sehr viele Bücher von Mediziner Johannes Huber oder von Sachbuchautor Georg Markus. Da gehen pro Autor schon mal über hundert Bücher über den Ladentisch und das ist für Neunkirchen sehr viel.“ Sehr oft seien Buchvorstellungen von Ö1 dabei ebenso wie anspruchsvolle Literatur. An einem Buch so richtig getäuscht habe sie sich aber nur einmal, meint Lindau: „Da hat es ,Vom Winde verweht – Teil 2‘ gegeben. Das ist so stark beworben worden, weshalb ich mir dachte, dass das Buch unheimlich einschlagen wird. Wir haben die ganze Auslage damit dekoriert – letztendlich haben wir zwei Bücher verkauft!“

In der Pension will Lindau es nun ruhiger angehen – etwa bei Spaziergängen mit dem Hund oder bei Besuchen ihrer Mutter in Oberösterreich. „Mein Mann und ich haben viele ältere Freunde, die heute in einem Alter sind, wo man manchmal Hilfe braucht. Ich will etwas zurückgeben.“ Auch auf dem Segelboot an der Adriaküste Kroatiens wird man sie vermehrt antreffen – selbstverständlich immer im Gepäck: viele Bücher.

Mit Jahresbeginn übernimmt die Scherz-Kogelbauer GmbH die Buchhandlung Reithmeyer samt dem bewährtem Team mit Erika Schwarz, Birgit Plank und Gabriele Geissler.