Warten auf Berufung belastet Angehörige. Unfallverursacher ist nach 20 Monaten nicht rechtskräftigem Urteil schon wieder mit dem Führerschein unterwegs.

Von Christian Feigl. Erstellt am 14. Februar 2017 (05:00)
NOEN, Erwin Wodicka

Eigentlich wurde jener Mann, der im Vorjahr zu Ostern im alkoholisierten Zustand einen schrecklichen Verkehrsunfall auf der S 6 mit zwei Todesopfern verursacht hatte (die NÖN berichtete ausführlich) zu 20 Monaten Haft verurteilt.

Da die Berufung gegen das Urteil seit dem Herbst noch läuft, ist es aber noch immer nicht rechtskräftig. Im Gegenteil: Der Mann ist bereits wieder mit dem Auto unterwegs. Was bei den Angehörigen der beiden getöteten jungen Menschen auf Unverständnis und große Enttäuschung stößt.

"Fühlen uns von Behörden im Stich gelassen"

Vor allem auch der Umstand, dass sich der Betroffene trotz seiner Ankündigung, sich entschuldigen zu wollen, diesbezüglich noch immer nicht gemeldet hat, schmerzt Margarete Baueregger, die Mutter eines der Opfer.

„Wir als Familie fühlen uns einfach im Stich gelassen von den Behörden. Bis heute hat die Versicherung nur ein Viertel der entstandenen Kosten ersetzt. Da das Berufungsverfahren noch läuft, gibt es auch kein Schmerzensgeld, das in erster Instanz ja bereits zugesprochen wurde. Dieser Herr hat uns nicht nur unseren Sohn genommen, sondern auch den Glauben an den Rechtsstaat“, lässt sie im Gespräch mit der NÖN ihrem Unmut freien Lauf.

Entschuldigung sei aber jederzeit möglich

„Es stimmt, dass wir noch keinen Termin für das Berufungsverfahren beim Oberlandesgericht haben“, bestätigt auch dessen Anwalt Nikolaus Mitrovits. Wann dieses über die Bühne gehen wird, lasse sich zum jetzigen Zeitpunkt nicht sagen. Allerdings kann Mitrovits die Kritik an der fehlenden Entschuldigung nicht nachvollziehen:

„Von unserer Seite sind wir zu einem solchen Gespräch jederzeit bereit. Auf Wunsch kann das bereits morgen erfolgen. Aber man muss sich auch in die Lage meines Mandanten hineinversetzen, für den diese Situation natürlich sehr belastend ist. Noch dazu, wenn das immer alles hochgekocht wird.“

Zur Tatsache, dass sein Mandant wieder mit dem Auto fahren würde, wollte er sich nicht äußern. Allerdings bestätigt die Bezirkshauptmannschaft Neunkirchen eine diesbezügliche Anfrage der NÖN: „Die Person ist nach dem Ablauf der Führerschein-Entzugszeit wieder im Besitz der Lenkerberechtigung“, heißt es. Die Präsidentin des Landesgerichtes, Jutta Buriak, ergänzt: „Er bestreitet den Schuldspruch nicht. Dem Oberlandesgericht wurde die Berufung vorgelegt. Sobald die ihre Entscheidung gefällt haben, kann es zu einem Strafantritt kommen. Bis dahin ist er auf freiem Fuß!“