Nach Lunacek-Rücktritt: Intendant fordert Ministerium. Florian Krumpöck, Intendant des "Kultur.Sommer.Semmering", fordert nach dem Rücktritt von Grüne-Politikerin Ulrike Lunacek die Aufwertung des Staatssekretariats zu einem überparteilichen und unabhängigen Expertenministerium für Kunst und Kultur.

Von Philipp Grabner. Erstellt am 16. Mai 2020 (10:33)
Florian Krumpöck
Lukas Beck

Nachdem die Kritik an Kulturstaatssekretärin Ulrike Lunacek (Grüne) zuletzt immer lauter wurde, zog die frühere EU-Parlamentarierin am Freitag die politischen Konsequenzen – sie trat zurück. Eine Nachfolgerin – dass es eine Frau wird, gilt als fix – soll in der kommenden Woche präsentiert werden. 

Florian Krumpöck, Intendant des Kultur.Sommer.Semmering, appelliert nun daran, das Staatssekretariat zu einem überparteilich und unabhängig besetzten Expertenministerium aufzuwerten, wie es in einer Aussendung heißt: „Die vergangenen Wochen haben die immanente Wichtigkeit verdeutlicht, Expertinnen und Experten aus möglichst allen kulturellen Bereichen in die Erarbeitung von Verordnungen mit einzubeziehen und diese zu interdisziplinären Dialogen mit dem Gesundheitsressort einzuladen. Von den angeblich so vielen Experten-Gesprächen, die Frau Lunacek geführt haben soll, ist bezüglich möglicher Inhalte oder gar Beteiligter weitestgehend nichts an die Öffentlichkeit gedrungen“, meint Krumpöck.

Und verweist auf die Übergangsregierung unter der Führung von Kanzlerin Brigitte Bierlein, die „bewiesen hat, dass parteiunabhängige Experten trotz oder vor allem wegen ihrer politischen Außenseiterfunktion in der Lage sind, Ressorts gemäß jeweiliger Kernkompetenzen zu verwalten.“

Krumpöck: "Obergrenze löst Problematik nicht!"

Krumpöck appelliert, dass Kunst und Kultur „kein politischer Spielball einer Partei sein dürfen“, der es „offenbar in diesem Bereich an Hintergrundwissen und Vernetzung fehlt“, wie er weiter ausführt. Die Wiederaufnahme von Veranstaltung mit 29. Mai gehe „in Ermangelung der Beantwortung der ,Gretchenfrage‘ nach der Abstandsregel komplett an der Realität vorbei“, kritisiert er. „Eine Obergrenze von 100, 250, 500 oder gar 1000 Besuchern löst die Problematik der wirtschaftlich sinnvollen Bestuhlung nicht. Eine Übersetzung der geltenden Gastronomieverordnung, die es vier Menschen aus nicht demselben Haushalt ermöglicht, ohne Mund-Nasen-Schutz und ohne Mindestabstand gemeinsam zu tafeln, hätte zwei Minuten dieser einstündigen Pressekonferenz beansprucht und wurde nicht einmal angesprochen."