Drei Generationen Ternitzer Rauchfangkehrer im Porträt. "Gschreckt darf ma net sein!": Drei Generationen arbeiten in dem Rauchfangkehrer-Familienbetrieb in Ternitz. Der NÖN erzählten die Herren von ihrem Job.

Von Elfi Hagenbichler. Erstellt am 01. Januar 2021 (03:12)
Mit Freude bei der Arbeit: Die Rauchfangkehrer Hans Karner junior, Hans Karner senior und Thomas Karner.
privat

„Aller guten Dinge sind drei!“, sagt man – und wenn es sich dann auch noch um drei Rauchfangkehrer handelt, dann kann eigentlich nichts mehr schiefgehen.

Gleich drei Generationen der beliebten Glücksbringer sind im Familienbetrieb in der Alpengasse in Ternitz anzutreffen: „Ich wurde schon öfter gebeten, einen Lottoschein auszufüllen“, erzählt Firmeninhaber Hans Karner junior im Gespräch mit der NÖN schmunzelnd – ob er jemandem damit zum Millionengewinn verholfen habe, weiß er aber nicht: „Gehört habe ich zumindest nichts mehr von den Leuten, vielleicht haben sie sich ja schon ihre Träume auf den Bahamas verwirklicht“, muss er lachen.

Seit 20 Jahren bringen sie das Glück auch nach Wien: „Wir machen alle beim jährlichen Silvesterlauf mit, ganz am Schluss vor den Ambulanzen“, verrät der 52-Jährige: „Hinter uns fährt nur mehr die Rettung!“. In der Zwischenzeit gesellt sich auch Hans Karner senior dazu – aktiv tätig ist der 74-jährige zwar nicht mehr, aber seine Montur ist schnell herausgesucht: Auf dem Foto darf er keinesfalls fehlen: „Jetzt kommst in die Zeitung, Opa!“, überredet Enkel Thomas ihn mit einem Augenzwinkern.

Er selbst setzt als frischgebackener Rauchfangkehrermeister die Linie der Karnerschen Kaminkehrer-Dynastie schon in der vierten Generation fort. Besonders um den Jahreswechsel herum kann sich der 25-Jährige nicht über mangelnde Aufmerksamkeit beklagen: „In Neunkirchen sind mir schon öfter Leute um den Hals gefallen“, berichtet er lachend, „besonders zu Silvester freuen sich viele Menschen, wenn der Rauchfangkehrer Glück wünscht.“ Sogar der Kaiserin hätten die Rauchfangkehrer schon Glück gebracht, weiß sein Vater zu erzählen: „In der Zeit Maria Theresias hat einmal ein Kollege – er hat gerade im Kamin gearbeitet – eine Verschwörung belauscht und verhindert. Seit damals gelten wir als Glücksbringer!“

„Stundenlang im Kessel vom Fernheizwerk mit Schutzmaske bei 70 oder 80 Grad – da will keiner mit dir tauschen.“ Thomas Karner, Rauchfangkehrer

Auch heute noch verhüten sie oft das Schlimmste: Ein Kaminbrand könne schnell entstehen, dann sei der Fachmann rund um die Uhr zur Stelle. Glück können die fleißigen Handwerker dabei auch selber gebrauchen, der Job sei manchmal beinhart: „Zeitweise ist schon fast Akrobatik gefragt, wenn man zum Beispiel auf dem nassen Dach herumrutscht und jeder Schritt lebensgefährlich sein kann.“ Thomas Karner wird ernst: „Ein bisschen Respekt gehört halt auch zur Arbeit dazu!“

Sein Beruf biete zahlreiche Herausforderungen: „Stundenlang im Kessel vom Fernheizwerk mit Schutzmaske bei 70 oder 80 Grad – da will keiner mit dir tauschen.“ Auch Silvia Karner – sie ist im Betrieb für Buchhaltung und Büro zuständig – weiß, dass ihre Männer viele gefährliche Situationen meistern müssen: „Schwindelfrei muss man sein und Platzangst darf man auf keinen Fall haben!“

Was denn das Handwerkszeug eines guten Rauchfangkehrers sei? Stoßbürste, Kamintürschlüssel, Schereisen, Besen natürlich aber: „Einen gewissen Schmäh brauchst du genauso“, ergänzt der Firmenchef Hans Karner junior lachend, „früh aufzustehen, darf dir nichts ausmachen: Arbeitsbeginn ist meistens 6 Uhr – oder noch zeitiger, weil die Kundschaft ja selbst zur Arbeit muss.“ Der Aufgabenbereich sei heute breit gefächert: „Es gibt sie schon noch, die „schwarzen Tage“, da bist du komplett rußig aber sonst sind Überprüfen und Umweltschutz die großen Themen.“

Zur Ergänzung des Teams ist die Familie Karner derzeit auf der Suche nach einem neuen Lehrling: „G‘schreckt darf er halt nicht sein“, schmunzelt Karner, „wir suchen jemanden, der auch bleiben will, denn es ist viel wert, wenn jemand in seinem Arbeitsbereich den Hausbrauch bei der Kundschaft kennt.“ Nicht nur ein gutes Betriebsklima und ein abwechslungsreiches Arbeitsgebiet warten auf ihn, sondern auch ein krisensicherer und bereichernder Beruf. „Wenn ein altes Mutterl am 24. Dezember anruft, dass der Ofen nicht geht, kann man nicht Nein sagen“, erinnert sich der Rauchfangkehrermeister lächelnd an das schöne Gefühl, ein gutes Werk getan zu haben...