250.000 Euro weg: Entsetzen nach Griff in Stadtkassa. Stadt verspricht lückenlose Aufklärung. Kontrollmechanismen müssen ebenfalls hinterfragt werden.

Von Christian Feigl. Erstellt am 08. September 2021 (06:01)
Rathaus Neunkirchen
Aufregung herrscht derzeit im Neunkirchner Rathaus. Eine Mitarbeiterin soll jahrelang Gelder veruntreut haben. 
Philipp Grabner

Von einem internen Skandal wird derzeit die Stadtgemeinde erschüttert: Wie NÖN online in der Vorwoche exklusiv berichtete, soll eine langjährige Rathausmitarbeiterin seit 2014 rund 250.000 Euro an Gemeindegeldern in die eigene Tasche abgezweigt haben. Sowohl im Rathaus als auch bei der Politik herrscht großes Entsetzen. Vor allem auch über den Umstand, wie so etwas über so lange Zeit geschehen konnte.

250.000 Euro seit 2014

Möglich wurde das, weil die Mitarbeiterin für Finanz-Transaktionen der Stadt verantwortlich war. Dabei dürfte sie laut ersten Erhebungen sehr geschickt agiert haben. So sollen Überweisungen teilweise vom Konto der Stadtgemeinde auf das Konto der Personalvertretung gegangen sein, auf das sie ebenfalls Zugriff hatte und für das sie zeichnungsberechtigt war. Von dort überwies sie dann Teilbeträge auf ihr Konto. Wenn es eng wurde und fehlende Gelder urgiert wurden, wurden die Löcher immer wieder gestopft. Eine Methode, die offenbar jahrelang gut ging. Bis das Konstrukt in dieser Woche wie ein Kartenhaus zusammenbrach.

Denn die Schulgemeinde hatte ausständige Gelder in der Höhe von knapp 200.000 Euro, die von der Vertragsbediensteten überwiesen hätten werden sollen, bei der Gemeinde gefordert. Die Frau bekam die Aufregung mit und überwies noch rasch einen satten Teil davon an die Schulgemeinde. Dort fiel allerdings auf, dass das Geld vom Konto der Personalvertretung und nicht von jenem der Stadt gekommen war und Nachf orschungen der Verantwortlichen brachten den Stein ins Rollen.

Bis ins Jahr 2014 sollen die Machenschaften zurückreichen. Begonnen hat es mit einer kleinen Summe, die die Frau für den Ankauf eines Autos benötigte. Weil das offenbar so leicht ging, bekam sie Lust auf mehr und setzte die Handlungen fort.

„Jetzt gehören einmal die Ermittlungen abgeschlossen und die Fakten auf den Tisch gelegt. Und danach Kontrollmechanismen eingezogen, damit so etwas in Zukunft nicht mehr passieren kann“ SPÖ-Stadtrat Günther Kautz

ÖVP-Stadtchef Herbert Osterbauer ist erschüttert: ,,Es stimmt, dass es Ermittlungen in diese Richtung gibt. Wir werden alles in unserer Macht stehende zur restlosen Aufklärung des Falles beitragen und auch viele Dinge hinterfragen müssen. Ich hätte der Mitarbeiterin nie im Leben so viel kriminelle Energie zugetraut!“

Auch bei der SPÖ fordert man lückenlose Aufklärung: „Jetzt gehören einmal die Ermittlungen abgeschlossen und die Fakten auf den Tisch gelegt. Und danach Kontrollmechanismen eingezogen, damit so etwas in Zukunft nicht mehr passieren kann“, so Stadtrat Günther Kautz. Auch er ist erschüttert, kannte er doch die Mitarbeiterin persönlich sehr gut - „nie hätte ich mir so etwas von ihr gedacht!“

Für die Frau gilt die Unschuldsvermutung.