Anrainer fällte fremde Bäume. Die Stadt Neunkirchen wurde vorher nicht informiert, Veranlasser argumentieren mit einer mündlichen Zusage und Gefahr im Verzug.

Von Christian Feigl. Erstellt am 03. Februar 2021 (05:55)
Diese gefällten Bäume am Ufer, das der Stadtgemeinde Neunkirchen gehört, sorgen für Aufregung: Sie wurden, ohne die Eigentümer zu fragen, von einem Anrainer gefällt.
Johannes Authried

Ein skurriler Vorfall wurde in der Vorwoche nach Protesten wegen einer Baumfällung am Kanalufer in der Au bekannt: Dort hatten Anrainer ein paar Eschen fällen lassen – die gehörten allerdings der Stadtgemeinde. Und die wusste nichts von der Aktion. Im Rathaus ist man dementsprechend sauer.

Nach Beschwerden Baumfällerei eingestellt

Zur Vorgeschichte: Bereits 2017 startete die Gemeinde Begehungen und Aufzeichnungen, um die Beschaffenheit der Bäume entlang des Kanalufers zu evaluieren. „Es wurde dann auch begonnen, einige kranke und kaputte Bäume zu fällen, aber das wurde dann eingestellt, weil es zu massiven Protesten und Beschwerden von Anrainern gekommen ist“, weiß Baudirektor Christian Humhal.

Einem Anrainer dürften die verbleibenden Bäume im Bereich nach der Koschatbrücke aber weiterhin ein Dorn im Auge gewesen sein. Denn er ließ die Bäume im Uferbereich, die auf Gemeindegrund stehen, nun ohne Information an den Eigentümer selbst entfernen. Was im Gespräch mit der NÖN auch bestätigt wird: „Wir haben die Bäume aus Sicherheitsgründen umschneiden lassen, weil sie eine echte Gefahr waren, die Stadt nichts gemacht hat und bereits ein Baum im Nachbargarten gelandet war. Die Bäume waren ja auch schon für den Umschnitt blau markiert. Betonen möchten wir aber, dass wir vor zwei Jahren die mündliche Zusage seitens der Gemeinde hatten, dass wir das machen dürfen. Es stimmt aber, dass wir die Gemeinde jetzt nicht im Vorfeld explizit darüber informiert haben, weil für uns alles klar war“, erklären die Betroffenen im Gespräch mit der NÖN.

„Ich gehe ja auch nicht ohne Information in ein fremdes Kuchlgartl und schneide mir dort den Salat herunter.“ Stadtchef Herbert Osterbauer.

Bürgermeister Herbert Osterbauer: Stadt hätte vorher informiert werden müssen.
Feigl/
ÖVP/Archiv

Und genau über diesen Umstand herrscht Unmut im Rathaus: „Das funktioniert so sicher nicht. Ich gehe ja auch nicht ohne Information in ein fremdes Kuchlgartl und schneide mir dort den Salat herunter“, ist ÖVP-Stadtchef Herbert Osterbauer verärgert. „Die Bäume sind weg, daran können wir jetzt ohnehin nichts mehr ändern, aber wir werden sicher zu einem klärenden Gespräch laden!“

Baudirektor Humhal bestätigt, dass die Bäume aufgrund ihres Zustands ohnehin demnächst ungeschnitten hätten werden müssen: „Aber so ist das nicht der richtige Weg, man wird uns das erklären müssen.“

„Sogar auf eigene Kosten erledigt!“

Aussagen, die wiederum bei den „Baumfällern“ für Unverständnis sorgen: „Die Gemeinde soll doch froh sein, dass wir das sogar auf unsere eigenen Kosten erledigt und ihr die Arbeit abgenommen haben. Es war gar nicht einfach, eine Firma dafür zu finden, die das übernimmt!“

Vizebürgermeister Johann Gansterer: Anrainer wussten von Aktion nichts.
Archiv

Wenig Verständnis für die Eigeninitiative hat auch Grüne-Vizebürgermeister Johann Gansterer: „Auch, wenn die Bäume weggekommen wären, habe ich keine große Freude damit. Denn der übliche Weg bei solchen Vorhaben von unserer Seite ist es, zumindest im Vorfeld die Anrainer darüber zu informieren, was in diesem Fall natürlich auch nicht geschehen ist!“