Bei der Narren-Wahl gab’s nichts zu Lachen. Mitglieder fühlten sich wegen Wahlvorschlag vor den Kopf gestoßen. Heiße Diskussionen folgten.

Von Christian Feigl. Erstellt am 15. Oktober 2019 (06:03)
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Michael Tanzler ist neuer Obmann der Faschingsgilde und beerbte in dieser Funktion Bettina Stramitzer.

Schluss mit lustig hieß es bei der Generalversammlung samt Neuwahlen des Vorstands der Neunkirchner Faschingsgilde: Einige Mitglieder fühlten sich vom Wahlvorschlag des neuen Obmanns Michael Tanzler überrumpelt und sagten ihm und seinem neuen Team offen die Meinung. Am Ende musste sogar in einer geheimen Wahl abgestimmt werden.

Vorausgegangen war dem Prozedere der geplante Rückzug von Obfrau Bettina Stramitzer, die Mutter wurde und deren ganze Konzentration nun der Familie gilt. Allerdings hatte ihr designierter Nachfolger Michael Tanzler im Vorfeld nicht das Gespräch mit den Mitgliedern gesucht, sondern am Wahlabend einfach seinen Vorschlag für das neue Team präsentiert. Und weil dieser auch noch dazu mit Christine Vorauer und Armin Zwazl zwei ÖVP-Mandatare enthielt, die bislang bei der Gilde nicht einmal mitwirkten, gingen die Wogen hoch. Noch dazu war Zwazl gar nicht anwesend, weil er aus privaten Gründen verhindert war.

„Ich habe Diskussionen erwartet, aber sicher nicht in dieser Intensität.“ Gilden-Neo-Obmann Michael Tanzler.

„Wir haben das nicht richtig empfunden und sind uns überfahren vorgekommen. Deshalb hat es die Diskussion gegeben“, erinnert sich Willi Haberbichler. Dem pflichtet Günther Gsenger bei: „Das war sehr ungeschickt gemacht. Tanzler hätte einfach im Vorfeld mit uns reden sollen. So wurden uns die Informationen an den Kopf geworfen. Das ist nicht gut angekommen und hat für Unmut gesorgt!“ Das Ganze passierte übrigens vor den Augen von ÖVP-Stadtchef Herbert Osterbauer, der auch zu kalmieren versuchte: „Da ist es ganz schön heftig zugegangen, was eigentlich nicht notwendig war!“

Authried
Bettina Stramitzer

Tanzler selbst hat zwar „Diskussionen erwartet, aber sicher nicht in dieser Intensität, aber ich kann damit leben“, wie er im Gespräch mit der NÖN gesteht: „Ich wollte das so nicht und nur das Beste für die Gilde. Aber man hätte ja auch im Vorfeld auf mich zukommen können!“ Er betont auch, dass „mir jedes Mitglied wichtig ist!“ Gleichzeitig zieht er auch Positives aus dem Geschehen: „Wir haben jetzt reinigende Gespräche gehabt, es ist alles vom Tisch und es wurde letztendlich auch kein Porzellan zerschlagen. Demnach werden wir alle zusammen uns jetzt ordentlich ins Zeug legen, zumal wir im nächsten Jahr ja auch wieder Landesnarrenhauptstadt sind!“

Vorauer selbst sah das Ganze nicht dramatisch: „Für mich persönlich war es nicht so schlimm. Ich bin deswegen auch nicht beleidigt, will auch niemandem etwas wegnehmen, sondern ich will nur mitarbeiten und mich einbringen!“ Seit der Generalversammlung seien sie und Zwazl nun auch Mitglieder der Gilde.

Dass sich die Wogen am Ende wieder gelegt hatten, zeigt auch das Abstimmungsergebnis der Neuwahlen: Es gab lediglich vier Streichungen.

Somit wurde der neue Vorstand mit Michael Tanzler an der Spitze, Annemarie Dvorak als Stellvertreterin, Christine Vorauer als Kassierin, Armin Zwazl als deren Stellvertreter und Julia Schimek als Schriftführerin mit großer Mehrheit bestätigt.

Nur SPÖ-Stadtrat Günther Kautz konnte sich einen Seitenhieb nicht verkneifen: Er spricht von einer „Black Box“, die umgefärbt wurde: „Ist das jetzt ein Verein oder eine Partei? Und ja, Annemarie Dvorak war SPÖ-Vizebürgermeisterin. Aber das ist Jahre her und sie ist nicht mehr politisch aktiv.“