Kritik an Klinikum: Ärger nach Spinnenbiss. Nach nächtlicher Bissattacke gibt es von Leopoldine Kwas Vorwürfe zu ihrer zweimaligen Behandlung. Im Landesklinikum Neunkirchen sieht man unterdessen keinen Fehler.

Von Christian Feigl. Erstellt am 12. August 2020 (05:58)
Die Spinne biss kurz nach zwei Uhr nachts zu.
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Es war ein plötzlicher und starker Schmerz im Ringfinger, der den Schlaf von Leopoldine Kwas in der Nacht von Donnerstag auf Freitag Ende Juli sekundenschnell beendete. Eine Spinne, wie Kwas sie weder von Art noch Größe je gesehen hatte, war der Verursacher. Viel schlimmer empfand das Bissopfer aber, was danach mit ihr im Rahmen der medizinischen Versorgung passierte. Am Neunkirchner Krankenhaus lässt sie deshalb kein gutes Haar. Sie hat den Vorfall genau protokolliert.

„Nach telefonischer Rücksprache mit dem Notdienst hat mich mein Mann rasch ins Krankenhaus gebracht. Auf der Ambulanz wurden meine Daten in sehr unhöflichem Ton abgefragt, eine Ärztin begutachtete den Biss in drei Sekunden und schickte mich mit dem Hinweis zur Einnahme von Schmerztabletten und zur Rückkehr bei Verschlimmerung der Schmerzen nach Hause“, erinnert sich Kwas an die Behandlung.

Zu Hause war sie dann aber nur kurz: „Der Finger ist angeschwollen, ich habe vor lauter Schmerzen geweint, die Schmerztablette hat mir nicht geholfen und zu meiner großen Beunruhigung habe ich mit einer Lupe im Wundbereich Stacheln entdeckt.“

Deutlich geschwollen war der Finger nach dem Biss.
privat

So machte sie sich abermals auf den Weg ins Krankenhaus: „Obwohl ich augenscheinlich die einzige Patientin in diesem Bereich weit und breit war, hat man sich dann lange nicht um mich gekümmert. Erst nach der morgendlichen Dienstübergabe hat man sich nach Bitten um mich angenommen. Allerdings wieder nur kurz und unfreundlich. Die Bissstelle wurde innerhalb von Sekunden mit der Lupe begutachtet und die Ärztin konnte nichts entdecken.“ Vor lauter Verzagtheit und Schmerzen habe sie dann umgehend das Spital verlassen und ihren Hausarzt Wilfried Seeburger aufgesucht. Dort habe selbst die Assistentin die Stacheln in der Bissstelle erkannt: „Sie wurden vom Herrn Doktor umgehend und fachgerecht entfernt, ich bekam auch noch eine Infusion und langsam besserte sich endlich mein Zustand“, so die Patientin.

„Bin keine Wutbürgerin, sondern tieftraurig!“

Vor allem der Umgang mit ihr im Krankenhaus stößt ihr bei der Nachbetrachtung sauer auf: „Unvorstellbar, wie mit einem im Krankenhaus Neunkirchen umgegangen wird, wenn man dann so wie ich, quasi gezwungen ist, nächtens eine Notambulanz aufzusuchen! Ich will das richtig verstanden wissen: Ich bin keine Wutbürgerin an der Stelle, sondern tieftraurig, verunsichert und überaus besorgt um meine Nächsten, nachdem ich all das hinter mich bringen musste. Und, meine Leiden waren mit größter Wahrscheinlichkeit ein Nepp zu dem, was einem Menschen noch passieren könnte“, schildert sie der NÖN.

Im Klinikum bestätigt man, dass Kwas zweimal die Ambulanz aufgesucht hatte: „Sie klagte über ein brennendes Gefühl. Bei der Begutachtung durch die diensthabende Ärztin war der Finger nicht gerötet, überwärmt oder geschwollen und die Haut intakt. Die Patientin war kreislaufstabil bei keinen bekannten Allergien. Zur Therapie wurde Fenistil Gel verordnet und Frau Kwas verließ unsere Notfallambulanz vor Aushändigung des Berichtes“, heißt es in einer Stellungnahme.

Nach etwa einer Stunde sei Kwas erneut gekommen, „da sie drei Stachel am Finger gesehen habe und diese versorgen lassen möchte. Bei der nochmaligen Untersuchung durch die Ärztin konnte eine geringe Schwellung des Ringfingers diagnostiziert werden, aber auch mit Lupe gab es keinen Hinweis für eine Hautläsion oder Fremdkörper. Frau Kwas wollte kein Rezept für Fenistil Gel in Empfang nehmen und verließ wieder unsere Notfallambulanz.“ Dass sich Kwas an die Ombudsstelle gewandt habe, begrüße man, dass sie sich nicht gut behandelt gefühlt hat, bedaure man unterdessen, heißt es. Kwas selbst hat mittlerweile auch Abgeordneten Hermann Hauer (ÖVP) um Hilfe gebeten. „Der Fall wird genau aufgerollt“, erklärt er. Erste Gespräche habe es bereits gegeben-

Übrigens: Welche Spinne zugebissen hat, ist nicht bekannt: Kwas‘ Gatte hatte das Tier im Schock im WC hinuntergespült...