"Mehrere tödliche Treffer" für Tankstellenräuber. Der Tankstellenräuber, der am späten Donnerstagabend in Neunkirchen nach einem Überfall in Wiener Neustadt erschossen worden ist, hat "mehrere tödliche Treffer durch Polizeiprojektile" erlitten.

Erstellt am 04. Juli 2014 (21:38)
NOEN, Christian Feigl
Das hat die Obduktion der Leiche des 21-Jährigen am Freitagabend ergeben, teilte Johann Baumschlager, Sprecher der Landespolizeidirektion NÖ, mit. Blutuntersuchungen hinsichtlich eventuellen Alkohol- oder Suchtgiftkonsums des getöteten Verdächtigen stünden aus. Diesbezügliche Ergebnisse könnten am Montag vorliegen.

Der 21 Jahre alte Arbeiter aus dem Bezirk Wiener Neustadt hatte am Donnerstag gegen 22.00 Uhr eine BP-Tankstelle in der Wiener Straße (B17) in Wiener Neustadt überfallen. Auf der Flucht über etwa 20 Kilometer entzog er sich einem Anhalteversuch der Polizei, ehe er in Neunkirchen gestoppt wurde. Weil er eine "einer realen Waffe sehr ähnliche" Softgun gegen die Beamten gerichtet hatte, was auch noch der Fall gewesen sei, als er aus dem Auto stieg, wurde das Feuer eröffnet. Sechs Polizeistreifen aus den Bezirken WienerNeustadt und Neunkirchen hatten den Mann verfolgt, der mit dem Auto seiner Mutter unterwegs war.


Derzeit noch kein Motiv bekannt

Weil sich die überfallene BP-Angestellte den Fahrzeugtyp und Kennzeichenfragmente gemerkt hatte, waren Beamte im Zuge der Alarmfahndung rasch auf den Wagen aufmerksam geworden. Die Flucht des 21-Jährigen führte zunächst durch Wiener Neustadt und weiter mit hoher Geschwindigkeit auf der B17 in Richtung Neunkirchen. Im dortigen Gemeindegebiet, kaum 100 Meter nach der Ortstafel, wurde der 21-Jährige schließlich gegen 22.25 Uhr zum Anhalten gezwungen. Nach den Schüssen konnte ein Notarzt konnte nur mehr den Tod des 21-Jährigen feststellen. Die Staatsanwaltschaft Wiener Neustadt beantragte eine Obduktion.

In der BP-Tankstelle war der Beschuldigte am Donnerstag gegen 22.00 Uhr aufgetaucht. Er verhielt sich anfangs wie ein Kunde, zog jedoch nach dem Kauf einer Packung Zigaretten eine Faustfeuerwaffe aus einem Rucksack und sagte: "Das ist ein Überfall - Geld her!" Daraufhin flüchtete die Angestellte nach draußen in den Bereich der Zapfsäulen. Auch der Verdächtige verließ den Shop - ohne Beute - und fuhr davon. Er war nicht maskiert. Warum er die Tankstelle berauben hatte wollen, blieb vorerst ungeklärt. Man kenne noch kein Motiv, sagte Baumschlager.

Befragungen der Beamten dauerten bis Freitagabend

"Wir versuchen tunlichst Waffengebräuche zu vermeiden", betonte der Polizeisprecher in Neunkirchen. "In dieser Situation ging jedoch große Gefahr vom Verdächtigen aus. Er hatte die Waffe auf die Polizisten gerichtet." Der 21-Jährige war "nicht vorbestraft". Neben der Softgun, mit der später die Beamten bedroht worden waren, fand sich im Auto auch noch eine revolverähnliche CO2-Waffe. Diese lag unter dem Fahrersitz, so Baumschlager. Außerdem wurde auf dem Beifahrersitz ein Fixiermesser sichergestellt.

Die in den Einsatz involvierten Beamten wurden bzw. werden laut Baumschlager psychologisch betreut. Sie hätten regelmäßig an Einsatzübungen teilgenommen. Die Landespolizeidirektion NÖ erachte ihre Ausbildung als adäquat. Die Befragungen der Beamten der sechs Streifen dauerten am Freitagabend an.
 Mit den laufenden Ermittlungen waren das Bundesamt zur Korruptionsprävention und Korruptionsbekämpfung (BAK) und die Landespolizeidirektion Burgenland hinsichtlich des Schusswaffengebrauchs der Kollegen sowie das Landeskriminalamt NÖ (Raub- und Tatortgruppe) befasst. Nach Abschluss aller Erhebungen ergeht ein Bericht an die Staatsanwaltschaft Wiener Neustadt.