Neunkirchen

Erstellt am 09. März 2018, 05:00

von Tanja Barta

„Mister Standesamt“ Fritz Fasching geht in Ruhestand. Nach über 2.200 Trauungen geht Neunkirchens „Mister Standesamt“ Fritz Fasching in den Ruhestand. Mit der NÖN spricht er über die Liebe, skurrile Hochzeiten und die Zukunft.

Fasching an seinem letzten Arbeitstag.  |  Tanja Barta

Nach 36 Jahren und 2.247 Trauungen verabschiedet sich der Leiter des Standesamtes- und Staatsbürgerschaftsverbandes, Fritz Fasching, in den Ruhestand. Der NÖN Neunkirchen erzählte der 62-Jährige im persönlichen Interview von der lustigsten Hochzeit, kuriosen Trauungen und welchen Hobbys er sich in der Pension widmen wird.

NÖN: Wollten Sie schon immer Standesbeamter werden?

Fritz Fasching: Ich habe mir, genauso wie fast alle anderen Unbedarften, nichts unter einem Standesbeamten vorstellen können. Mich hat dann einmal eine Frau angesprochen und gemeint, dass sie auf der Bestattung jemanden brauchen würden. Ich habe mir gedacht, dass ich eigentlich eh meinen Job habe und mit dem auch zufrieden bin und ich mich auch nicht verändern will (Fasching war damals KFZ-Mechaniker, Anm.). Monate später wurde ich gefragt, ob ich nicht überhaupt auf der Gemeinde arbeiten will, weil sie würden einen Standesbeamten suchen. Im Juni 1981 bin ich dann eingestiegen und habe alle Prüfungen gemacht.

Was ist für Sie das Schönste an Ihrem Beruf?

Fasching: Man kann für die Menschen da sein. Ob das jetzt für einen Sandler ist, der seine Urkunde nicht mehr findet, dem Rauschgiftsüchtigen, den die Mama rausgeschmissen hat und der jetzt keine Dokumente mehr hat, bis hin zum Heiraten. Und das macht das Ganze spannend und jeden Tag anders.

Ihre lustigste Hochzeit?

Fasching: Hm, da hatte ich viele (lacht). Lustig war es, wenn jemand am Faschingssamstag oder Faschingdienstag beim Fasching heiraten wollte und die dann noch von der Faschingsgilde sind und alle in ihren Kostümen dastehen.

Hat auch schon jemand „Nein“ gesagt?

Fasching: Ich hatte einmal einen Fall, da habe ich schon beim Reingehen bemerkt, dass da etwas nicht ganz passt. Ich habe dann bewusst die große Frage gestellt und auf deren Wichtigkeit hingewiesen. Ich habe dann aber auch bemerkt, dass ganz hinten im Saal jemand zu zählen begonnen hat und dachte mir dann ‚Hoppala‘, da geht es um eine Wette. Und ich hatte recht, es ging um eine Kiste Champagner. Oder ein anderer hat dann einmal statt ‚Ja‘, ‚Na schau ma moi‘ gesagt. Die Eltern der Braut waren darüber nicht amüsiert.

Sind die Ehepaare vor Trauungen sehr nervös?

Fasching: Dem Umstand entsprechend. Wir haben einmal einen Fall gehabt, dass wir von hier weg, also zwei Minuten nach der Trauung, den Notarzt holen mussten und die Geburt dann im Krankenwagen eingeleitet wurde.

Haben Sie selbst auch einmal die ein oder anderen Träne vergießen müssen?

Fasching: Ich war oft knapp daran (lacht). Es ist mir immer gelungen, es zurückzuhalten. Aber ich habe immer wieder mit den Brautpaaren gekämpft, zum Beispiel wenn ein Brautpaar vor dir steht, das drogenabhängig war und sich verspricht, dass sie das schaffen werden. Oder wenn einer spontan die heimlich versteckte Gitarre hervorholt, sich vor die Braut hinkniet und ihr ein selbstgedichtetes Lied vorträgt.

Hat es auch jemals Hoppalas gegeben?

Fasching: Ja, sicherlich. Was mir da jetzt spontan einfällt, ist eine türkische Hochzeit, bei der 150 Leute im Saal stehen und ein kleines Kind vorbeiläuft, die Trauringe nimmt und diese dann einfach durch den Saal schmeißt und dann unter Sessel fallen und 20 Leute nach den Ringen suchen. Manche haben auch den Brautstrauß, die Ringe und sogar auch mal den Opa daheim vergessen (lacht).

Ist auch schon jemand mal nicht zur Hochzeit erschienen?

Fasching: Ja. Es kommt immer wieder vor, dass Leute, die ihren Traumtermin haben wollen, schon eineinhalb Jahre vorher reservieren. Und wenn ich vor der Hochzeit nochmals dort anrufe und nachfrage, war es dann oft so, dass es sich schon wieder erledigt hat.

Was werden Sie an Ihrem Job am meisten vermissen?

Fasching: Die Menschen, die Kollegen, das immer neue Herangehen an neue gesetzliche Bestimmungen. Der Umgang mit den Bürgern und den Kunden. Ja, das wird mir schon fehlen.

Sie haben jetzt Ihre letzte Hochzeit (vergangenen Mittwoch, Anm. d. Red.). Ist diese etwas Besonderes für Sie?

Fasching: Jede Hochzeit ist eine besondere! Ich habe immer versucht, auf das Brautpaar persönlich einzugehen und wirklich für sie die schönste Hochzeit zu machen. Ich habe mit dem Brautpaar meistens auch ein bisschen mitgelebt und mich hineinfühlen können. Aber die heutige Hochzeit ist insbesondere eine schöne, weil das Paar schon vor zig Jahren gesagt hat, wenn sie einmal heiraten, dann heiraten sie bei mir. Und schlussendlich haben sie jetzt wieder einmal angerufen und da habe ich ihnen gesagt, dass ich nur noch bis 28. Februar da bin und dann haben sie gemeint, gut, dann heiraten sie eben am 28.