Nach Gildensitzung wars mit Spaß vorbei. SPÖ ortet im Auftritt des Wirteduos Osterbauer und Beisteiner eine einseitige politische Betrachtungsweise. Die weisen Kritik zurück.

Von Philipp Grabner und Christian Feigl. Erstellt am 21. Januar 2020 (03:20)
Der Auftritt von Hannes Beisteiner und Thomas Osterbauer als „Alex und Andi“, im Bild mit Gildenpräsident Michael Tanzler, sorgte für Gesprächsstoff.
Authried

Für politische Nachwehen sorgen die Narrensitzungen der Neunkirchner Faschingsgilde unmittelbar vor der Gemeinderatswahl: Im Zentrum der Kritik der SPÖ steht der Auftritt des Wirteduos Thomas Osterbauer (Sohn von ÖVP-Bürgermeister Herbert Osterbauer) und Hannes Beisteiner, die die TV-Kochshow „Alex und Andi“ persiflierten – gewürzt mit einigen politischen Schmähs als Zutaten, siehe Infobox unten.

Die SPÖ spricht dabei von „einseitiger politischer Betrachtungsweise mit einer eindeutigen Tendenz“, so Bundesrätin Andrea Kahofer und Stadtrat Günther Kautz.

„Mich haben schon am Abend der ersten Show einige Menschen angesprochen, am Samstag sind weitere an mich herangetreten und am Sonntag wurde ich sogar angerufen. Vielen war es ein Bedürfnis, ihren Unmut über die negative und vor allem einseitige politische Betrachtungsweise des Beitrags kundzutun, der sich nur gegen eine wahlwerbende Partei gerichtet hat“, erklärt Kahofer im Gespräch mit der NÖN.

Die beiden Wirte sehen das Ganze entspannt: „Es handelt sich primär um eine Faschingssitzung, die sollte man vielleicht nicht zu ernst nehmen. Wir sind zum ersten Mal auf der Bühne gestanden und dass nicht alles gepasst hat, wissen wir. Das haben wir auch versucht, am zweiten Abend zu ändern.“

Kautz ärgert zudem, „dass kein einziges Mal über die ÖVP hergezogen wurde!“ Das wundere ihn auch nicht, denn schließlich seien einige ÖVP-Funktionäre oder –Sympathisanten Teil der Gilde.

Dem widerspricht Thomas Osterbauer: „Ich habe meinen Vater ‚Silberlocke‘ genannt und zu ihm gesagt, dass er zweimal Glück in seinem Leben hatte: Als er zum zweiten Mal geheiratet hat und als er Bürgermeister wurde.“ Und auch die Grünen und Blauen hätten bei den Sagern durchaus ihr Fett abbekommen.

Dass die SPÖ auch mit ihrer Aktion auf die Schaufel genommen wurde, bei der sie nach dem Krampuslauf im Dezember den Hauptplatz säuberte, sorgt bei Kautz für Kopfschütteln: „Wir räumen den Dreck weg und werden dann auch noch verarscht!“ Dass dies nicht gut angekommen sei, haben die Akteure auch erkannt: „Deshalb haben wir die Aktion auch am zweiten Abend aus dem Programm genommen“, so Osterbauer.

„Früher waren die Gags um einiges schärfer!“

Neo-Gildenpräsident Michael Tanzler versteht generell die Aufregung nicht: „Dass man der Gilde deswegen ein politisches Naheverhältnis andichten will, ist lächerlich. Im Kernteam befinden sich mit Annemarie Dvorak und Wilma Samwald die ehemalige Vizebürgermeisterin und Stadträtin der SPÖ.

Im Übrigen waren die Gags früher viel untergriffiger und um einiges schärfer. Und selbst das wurde auch ausgehalten!“ Man solle froh sein, dass sich überhaupt noch jemand bereit erklären würde, bei den Gildensitzungen, die beide ausverkauft waren, mitzumachen.

Ausdrücklich gelobt wurde von der SPÖ übrigens ÖVP-Bürgermeister Herbert Osterbauer, der in seiner Rolle als „Nochtwochta“ in der Bütt nach jahrelanger Absenz ein Comeback feierte: „Das war ein Highlight, aber nicht der Auftritt der Wirte“, so Kautz und Kahofer. Der Stadtchef selbst wollte sich nicht näher dazu äußern, aber als Politiker müsse man eben auch einiges aushalten.

Kautz und Kahofer bekräftigen, dass man durchaus Kritik vertrage, wenn diese pointiert, mit Humor und Witz vorgetragen werden. Und die beiden Wirte bekräftigten, es im nächsten Jahr noch einmal versuchen zu wollen.