Nach Kriminalfall sind Konsequenzen gefordert. FCG-Personalvertreter Bernhard Vorauer will Funktion ruhend legen, für Nemeth (FSG) kein Thema.

Von Philipp Grabner und Christian Feigl. Erstellt am 15. September 2021 (05:39)

Weiterhin hohe Wellen schlägt der Griff einer Rathausmitarbeiterin in die Stadtkassa, die NÖN berichtete exklusiv: Die Frau soll seit 2014 insgesamt 250.000 Euro abgezweigt haben: Indem sie die Gelder vom Gemeindekonto auf jenes der Gewerkschaft, wo sie zeichnungsberechtigt war, und von dort wiederum auf ihr Privatkonto überwies. Mittlerweile gibt es erste Konsequenzen – und das in der Gewerkschaft!

So kündigte FCG-Personalvertreter Bernhard Vorauer an, seine Funktion bis zur Aufklärung des Sachverhalts zur Verfügung stellen zu wollen. Das fordert er nun aber auch von seinem FSG-Pendant und Personalvertreterchef Harald Nemeth. „Was ist mit dem Geld unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter geschehen?“, pocht Vorauer auf „rasche Antworten“, „da wird mutmaßlich jahrelang Geld über das Konto der Personalvertretung geschoben und keiner merkt das?“

Für Nemeth schießt Vorauers Forderung aber über das Ziel hinaus: „Die Funktion ruhend stellen ist für mich kein Thema. Denn das müsste Vorauer dann auch von der Politik verlangen, denn dort sind genauso Fehler passiert. Außerdem kann er leicht seine Funktion ruhend stellen, denn viel hat er ja noch nicht getan und braucht jetzt auch nicht den großen Zampano spielen!“


„Hätte beide Hände für sie ins Feuer gelegt“

Laut Vorauers Ansicht müsse die Kassa doch regelmäßig geprüft werden. „Dass so etwas dem Personalvertretungsvorsitzenden nicht auffallen soll, ist kaum vorstellbar. Ein Vorstand, dessen Konten jahrelang für solche Machenschaften genutzt werden, hat das Vertrauen der Mitarbeiter verwirkt“, geht Vorauer hart ins Gericht. „Meiner Meinung nach braucht dies jetzt eine lückenlose Aufklärung, um die vielen offenen Fragen, welche die Mitarbeiter haben, zu beantworten. Aufgrund dieses Vorfalls ist es dem Vorstand nicht mehr möglich, seine Funktionen auszuüben, weil keiner weiß, welches Ausmaß der Schaden noch annimmt.“

Dass Fehler passiert sind, ist auch für Nemeth klar: „Natürlich hat das Kontrollsystem versagt und es wird hier eine hundertprozentige Aufklärung geben. Das liegt ja auch in unserem Interesse. Aber dieser Frau wurde 30 Jahre vertraut und es hat nie irgendein Problem gegeben. Für sie hätte ich nicht nur eine Hand, sondern beide Hände ins Feuer gelegt. Deshalb bin ich auch maßlos enttäuscht.“

Für Vorauer ist der weitere Weg unterdessen klar: Unabhängige Kassaprüfer sollen die Schadensumme feststellen. Es brauche „auf jeden Fall neue Regeln der Kontrolle“, so Vorauer. Nemeth hat gegenüber der NÖN zugesagt, dass externe Prüfer in der Gewerkschaft die Causa aufarbeiten: „Nur, es ist ja noch gar nicht sicher, dass auch Gewerkschaftsgelder dabei sind. Das wird ja gerade alles ermittelt!“


Causa ist auch Thema im Prüfungsausschuss

Auch politisch hat die brisante Causa nun Fahrt aufgenommen. So fordert die Vorsitzende des Prüfungsausschusses, FPÖ-Gemeinderätin Regina Danov, gegenüber der NÖN „volle Transparenz“: „Wenn das stimmt, was wir bisher glauben zu wissen, dann ist es mir unbegreiflich, dass so etwas über sieben Jahre niemandem auffiel. Meiner beruflichen Erfahrung nach kann so etwas nur dann möglich werden, wenn es schwerwiegende Mängel in der internen Kontrolle gibt oder wenn die Vorgesetzten ihrer Dienstaufsicht nur mangelhaft oder zu selten nachkommen“, so Danov. Als Obfrau habe sie das gegenständliche Thema nun auf die Tagesordnung der Ausschusssitzung heute, Mittwoch, gesetzt.

Bürgermeister Herbert Osterbauer (ÖVP) verspricht gegenüber der Neunkirchner NÖN „volle Transparenz, soweit das möglich ist“, in die Debatte der Personalvertretung will er sich aber nicht einmischen: „Ich kenne die Position von Vorauer, erteile hier aber keine Ratschläge und gebe dazu auch keinen Kommentar ab.“