Polizeiurgestein tritt ab: „Man ist sofort Feindbild“. Nach 41 Dienstjahren verabschiedet sich Neunkirchens Postenchef Johann Hainfellner in die Pension: Beim NÖN-Besuch erinnert er sich an einige Anekdoten.

Von Christian Feigl. Erstellt am 30. November 2019 (04:45)
Am 28. November wird Johann Hainfellner den Neunkirchner Polizeiposten zum letzten Mal als Kommandant betreten.
Christian Feigl

,,Ich war immer gerne Polizist!“ Wenn Neunkirchens Polizeipostenkommandant Johann Hainfellner am 28. November nach 41 Dienstjahren zum letzten Mal seine Uniform anziehen wird, dann geht auch eine Ära zu Ende. Und er selbst, wie er bei der Verabschiedung der NÖN erzählt, mit einem lachenden und weinenden Auge: „Ich bin froh, dass ich gesund in die Pension gehen darf, bin aber traurig, weil mir die Arbeit immer Spaß gemacht hat und ich den Kontakt zu den Kollegen vermissen werde.“

Gelernt hat der 63-Jährige, der auch das Bürgermeisteramt für die ÖVP in Bürg-Vöstenhof bekleidet, eigentlich etwas ganz anderes – Modelltischler bei der Schoeller Bleckmann. „Als wegen der Stahlkrise dann die Abteilung geschlossen wurde, habe ich nach Alternativen gesucht“, erinnert sich Hainfellner. Über einen Onkel kommt er zur Gendarmerie, wo die Ausbildung am 1. Juli 1978 startet. Danach ist Traiskirchen sein erster Posten: „Eine harte Schule, mitten in der Polenkrise. Die Autos sind kolonnenweise gekommen“, hat er damals bereits erste Erfahrungen mit Flüchtlingskrisen sammeln können.

21 Jahre seiner Polizeikarriere verbringt Hainfellner am Posten Ternitz, 2006 kommt er als erster Stellvertreter nach Neunkirchen, wo er 2011 das Kommando übernimmt und zuletzt 26 Kollegen, darunter zehn Frauen, geführt hat. „Ich war ein fordernder, aber immer menschlicher Chef“, versucht er, sich selbst zu beschreiben.

Der erste Einsatz mit dem Pfefferspray

Gefragt nach den besten Anekdoten seiner 41 Dienstjahre, fallen ihm sofort ein paar Geschichten ein: „Ich war der erste Beamte in Niederösterreich, der den Pfefferspray einsetzen musste. Das war bei einer wilden Rauferei in Ternitz. Da haben sich am Ende vier Männer gegen die Polizei gestellt. Aber der Pfefferspray hat super Wunder gewirkt. Ein gutes Einsatzmittel“, muss er beim Erzählen noch heute schmunzeln.

Auch der erste Mord ist ihm gut in Erinnerung geblieben: „Ein Legionär der französischen Fremdenlegion hat in Traiskirchen seine Frau umgebracht!“ Unvergessen wird ihm auch bleiben, dass er eine Nacht am Flughafen Schwechat die Air Force-One des damaligen US-Präsidenten George Bush jun. bewachen durfte: „Das sind Erlebnisse, die man sonst als Normalsterblicher nicht hat!“

Froh ist Hainfellner hingegen, dass er im Rahmen seines Dienstes nie von der Schusswaffe Gebrauch machen musste. Obwohl er feststellt, dass die Zeiten „anders geworden sind. Früher war man als Polizist eine Respektsperson, heute ist man sofort das Feindbild. Bei der Amtshandlung musst Du jede Sekunde wachsam sein, auch wenn es vielleicht noch so unverfänglich ausschaut!“

Auf die Zeit „danach“ freut er sich jedenfalls schon. So will der einstige Marathonläufer vor allem wieder fitter werden: „Ich möchte gerne wieder intensiver wandern, einen ersten Anfang habe ich bereits im Oktober mit einem Marsch nach Mariazell gemacht!“ Aber auch für die Familie soll mehr Zeit bleiben. Die beiden Enkelkinder im Alter von fünf und neun Jahren freuen sich jedenfalls auf ihre Abenteuer mit dem Opa. Und natürlich...auch die Wiederwahl zum Bürgermeister steht an. Die ist aber bei den politischen Verhältnissen wohl nur Formsache.