Wirbel um Fehler im Jubiläumsbuch. Vertauschte Jahreszahlen sorgen für Aufregung bei Lesern und Politik. Autor Rene Harather ist um Schadensbegrenzung bemüht.

Von Christian Feigl. Erstellt am 08. Januar 2020 (05:12)
Erst bei der Präsentation konnte Bgm. Herbert Osterbauer einen prüfenden Blick auf das Gesamtwerk von Rene Harather werfen.
Auhtried

,,Dem äußerst harten Winter 2016/17 ging eine Kartoffelmissernte voran, sodass in größeren Mengen nur mehr Steckrüben zur Verfügung waren.“ „Im September 2015 beschloss der Gemeinderat den Bau einer Entlausungsstation im Krankenhaus, um der Ungeziefersituation vor allem unter den Soldaten Herr zu werden.“ „Im Winter 2017/18 wiederholten sich die Probleme des Vorjahres. Die Gemeindeverwaltung war permanent auf der Suche nach Lebensmitteln im großen Stil.“

Dem „äußerst harten Winter 2016/17 ging eine Kartoffelmissernte voran.“ Im Jubiläumsbuch der Stadtgemeinde...
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Es sind Sätze wie diese, die im brandneuen und im Dezember präsentierten Jubiläumsbuch der Stadtgemeinde derzeit für Aufregung sorgen. Dass auch noch der Einzug der Grünen in den Gemeinderat um fünf Jahre falsch nach hinten verlegt wurde oder am Titelbild bei „100“ das Wort „Jahre“ fehle, ist da für Grüne-Vizebürgermeister Martin Fasan noch am ehesten verschmerzbar: „Natürlich sind diese inhaltlichen Mängel sehr enttäuschend, aber ich muss auch sagen, dass ich sehr viele positive Reaktionen zu dem Werk gehört habe“, ist Fasan um Imageschadensbegrenzung für die Gemeinde bemüht.

Verfasst wurde es vom renommierten Wimpassinger Autor und Historiker Rene Harather, an sich ein Spezialist auf dem Gebiet dieser Fachbücher.

„Ist mir unangenehm und tut mir sehr leid!“

...wurden einige Jahreszahlen vertauscht.
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„Natürlich ist das sehr unangenehm, es tut mir auch leid und hätte nicht passieren dürfen. Aber wir hatten kein Lektorat, haben die Texte selber gelesen und sind da leider drüber gestolpert. Warum das so passiert ist, weiß ich nicht. Ich glaube aber, dass es für die meisten Leser kein großes Problem ist, da sich aus der Logik ohnehin die richtige Jahreszahl ergibt“, erklärt er im Gespräch mit der NÖN. Konkret sei achtmal die Jahreszahl vertauscht worden:

„Das erkennt halt leider auch kein Rechtschreibprogramm und bei der Masse an Zahlen und Zitaten, die in dem Buch vorkommen, ist es dann leider passiert.“ Auch der inhaltliche Fehler („Das ist aber der Einzige!“) mit dem Gemeinderatseinzug der Grünen wurmt Harather, die Titelseite sei hingegen vom Grafiker bewusst so gestaltet worden. „Grundsätzlich bin ich aber mit dem Buch sehr zufrieden.“

„Das ist mehr als ein Schönheitsfehler und schade um die Arbeit und Idee.“ÖVP-Stadtchef Herbert Osterbauer ist enttäuscht.

Jedenfalls hat es mit ÖVP-Stadtchef Herbert Osterbauer und Vizebürgermeister Martin Fasan noch am 23. Dezember eine Nachbesprechung mit deutlichen Worten gegeben: „Dabei habe ich deutlich meine Emotionen mitgeteilt“, zeigte sich Osterbauer verärgert. „Fehler können natürlich immer passieren, aber in dieser Häufung und bei diesem historisch einzigartigen Werk hätte man schon besser aufpassen müssen. Das ist mehr als ein Schönheitsfehler und schade um die Arbeit und Idee.“ Er selbst habe zwar Auszüge vor dem Erscheinen des Werks per Mail erhalten, das druckfertige Buch allerdings erst eine halbe Stunde vor der Präsentation erstmals gesehen.

Bislang sind rund 300 Bücher in den Verkauf gelangt. Ein Großteil der Auflage (1.300 Stück) soll allerdings ohnehin erst heuer, also im eigentlichen Jubiläumsjahr, über die Ladentische gehen. Da wird es dann möglicherweise auch einen beigelegten Korrekturzettel, der über die Fehler informiert, geben: „Ich habe kein Problem damit und wahrscheinlich ist es auch sinnvoll, die Leser darauf hinzuweisen“, so Harather. Allerdings ist diesbezüglich noch nicht das letzte Wort gesprochen, wie Osterbauer erklärt: „Wir haben darüber diskutiert, sind aber geteilter Meinung, ob wir das machen sollen. Noch ist keine Entscheidung gefallen.“