Bezirkshauptfrau Grabner-Fritz: „Facebook und Co nicht objektiv!“

Bezirkshauptfrau Grabner-Fritz über Impfmoral, Inzidenzzahlen und Jubiläen.

Erstellt am 13. Oktober 2021 | 05:59
Alexandra Grabner-Fritz
Bezirkshauptfrau Alexandra Grabner-Fritz in ihrem Büro in der Peischingerstraße in Neunkirchen.
 
Foto: Christian Feigl

NÖN: Darf ich aktuell eigentlich mit einem Anliegen einfach so in die Bezirkshauptmannschaft spazieren?

Alexandra-Grabner-Fritz: Elektronisch und telefonisch war das immer möglich, aktuell kann man aber auch persönlich kommen, wenn es nötig ist.

Aber die bevorzugte Variante ist das nicht?
Nein, bevorzugt wird das nicht. Wo es möglich ist, ersuchen wir im Vorfeld um eine Terminvereinbarung. Das ist für die Mitarbeiter, aber auch die Bürger eine Win-Win-Situation: Es wird immer derjenige, der in der Angelegenheit kompetent und zuständig ist, da sein. Zudem entfallen die Wartezeiten für die Bürgerinnen und Bürger. In Krisensituationen kann man aber natürlich auch so kommen.

Hat sich die neue Sicherheitsschleuse im Eingangsbereich für Sie bewährt?
Ja, auf jeden Fall. Dabei handelt es sich ja um ein landesweit ausgerolltes Projekt aufgrund mehrerer Vorfälle in der Vergangenheit. Letzter Auslöser war ein Fall an der BH in Dornbirn in Vorarlberg, wo ein Mitarbeiter ermordet wurde. Daraufhin hat das Land entschieden, bei öffentlichen Gebäuden diese Sicherheitsmaßnahmen einzuführen. Der Sicherheitsbereich hat sich sehr gut eingespielt und er bietet ja nicht nur für die Mitarbeiter Sicherheit, sondern auch für die Bürger, die im Haus sind.

Was wurde denn mithilfe der Schleuse schon alles gefunden?
Einiges wie Werkzeuge und Messer. Die Leute werden vor dem Betreten gebeten, etwaige Gegenstände in den Schließfächern zu versperren.

Hat auch schon jemand Corona ins Haus gebracht?
Das wäre mir nicht bekannt. Wir haben natürlich auch in diesem Bereich hohe Sicherheitsvorkehrungen – und auch eine erfreulich hohe Impfrate im Haus, die bei rund 75 Prozent liegt.

Ist die Corona-Impfung bei einer Neuanstellung an der BH verpflichtend?
Alle unsere Mitarbeiter sind niederösterreichische Landesbedienstete. Und hier ist für neue Bedienstete in allen Bereichen, auch in den Bezirkshauptmannschaften, die Impfung verpflichtend.

Was sagen Sie jenen 25 Prozent im Haus, die sich nicht impfen lassen wollen? Gibt es da Gespräche?
Gespräche gibt es immer wieder. Man unterhält sich über die Beweggründe, die einen von der Impfung abhalten. Ich kann nur jedem empfehlen, bei Zweifeln seinen behandelnden Arzt aufzusuchen. Facebook und Co sind in dieser Sache sicherlich kein objektives Informationsmittel.

Sie sprechen die Impfung ja auch bei Veranstaltungen an. Wenn Sie dann in Kontakt mit den Menschen stehen – wo liegen denn die Zweifel? Nicht immer sind Nichtgeimpfte ja radikale Gegner, sondern haben einfach nur Sorgen.
Radikale Gegner werden wir nicht erreichen. Bei Menschen mit Zweifeln versuche ich, ein paar Fakten mitzugeben. Mein wirklich großer Rat: Befragen Sie Ihren behandelnden Arzt. Auch unsere Amtsärztinnen stehen in dieser Sache übrigens zur Verfügung.

Konnten Sie selbst schon jemanden für die Impfung gewinnen?

Ich denke schon. Ich erlebe etwa in Familien oft unterschiedliche Haltungen – aber da gibt es oft einen gewissen Gruppendruck. Am Schluss sollte jeder Erwachsene für sich selbst entscheiden.

Bei der Corona-Inzidenz hat man den Eindruck, dass diese auffallend stark sprunghafte Verläufe aufweist.
Im Sommer ist die Inzidenz gestiegen, was sicher auf die Reiserückkehrer zurückzuführen war. Was die sprunghafte Veränderung betrifft, gibt es, glaube ich, keine Patenterklärung. Klar ist, wenn Schultestungen oder Testintervalle stattfinden, dass sich das auch in den Zahlen zeigt. Testet man mehr, kommt man auch auf mehr Fälle drauf.

Gibt es aktuell „Problemschulen“, also Schulen, an denen es besonders viele Fälle gibt?
Nein, und an dieser Stelle möchte ich auch allen Direktoren ausdrücklich für ihren Einsatz danken. Es gibt immer wieder Fälle, aber nicht unbedingt gehäuft.

Das Thema Hochwasserschutz in Pitten ist derzeit sehr aktuell, viele Bewohner haben hier den Eindruck, dass zu wenig weitergeht. Könnte die BH hier beschleunigend tätig werden?
Die BH wird hier erst tätig, wenn es ein konkretes Projekt gibt. Das ist bis dato noch nicht der Fall. Ganz generell wird der Hochwasserschutz bei uns aber absolut vorrangig behandelt.

Um die Flüchtlingsthematik ist es, so hat man den Eindruck, in den letzten Jahren sehr ruhig geworden.
Es stimmt, dass die Flüchtlingszahlen gesunken sind – zuletzt sind sie aber wieder im Steigen. Was den Bezirk betrifft, sind die Zahlen immer mit einer gewissen Verzögerung zu sehen, aber auch hier sehen wir einen kleinen Anstieg, wenn auch im unteren Segment. Wir stehen hier in Kontakt mit der Landesregierung und diese hat auch schon angekündigt, dass ehemalige Quartiere für die Grundversorgung wieder aktiviert werden müssen beziehungsweise neue gefunden werden müssen.

Welche werden das sein?
Da gibt es noch nichts Konkretes.

Sie sind seit etwas mehr als zehn Jahren Bezirkshauptfrau in Neunkirchen. Gab es da auch eine kleine Feier?
Die Überlegungen waren da, aber rund um den 11. Jänner war höchste Lockdown-Phase, daher gab es auch wirklich gar nichts.

Gibt es Ihrerseits eigentlich Wunsch nach Veränderung?
Ich bin sehr gerne Bezirkshauptfrau in Neunkirchen, es gibt also keinen Wunsch nach Veränderung.