„Drehen uns nicht nach dem Wind!“. NÖN-Interview Michael Diller-Hnelozub tritt für die Grünen als Spitzenkandidat im Wahlreis an. Er will leistbarere Öffi-Tickets.

Von Mathias Schranz. Erstellt am 13. September 2017 (05:31)
zVg
Michael Diller-Hnelozub, Spitzendkandidat für die Grünen.

NÖN: Eva Glawischnig ist zurückgetreten, mit Peter Pilz haben die Grünen eine Leitfigur verloren, die jetzt zum Bumerang wird. Dazu haben sich die Jungen Grünen der KPÖ zugewandt. Wie soll das bei der Wahl gut gehen?

Michael Diller-Hnelzoub: Eines unserer Plakate sagt, wir drehen uns nicht nach dem Wind. Die Grüne Bewegung setzt sich seit 30 Jahren konsequent gegen Atomstrom, für Frieden, gegen Korruption und für Gleichberechtigung ein. Auch wenn es stürmisch ist, wir zeigen Haltung.

NÖN: Was müssen die Grünen machen, um nicht im Dreikampf SPÖ/ÖVP/FPÖ unterzugehen?

Diller: Ich bin überzeugt, dass wir uns mit starken Forderungen in unseren Kernkompetenzen Klimaschutz, Europa, Gleichberechtigung und Chancengleichheit deutlich abheben. Es geht nicht um eine Slim-Fit-Spaltung, es geht um Zusammenhalt in X-Large!

Mit Tanja Windbüchler-Souschill, die nicht mehr zu Wahl steht, verliert der Bezirk Wiener Neustadt eine grüne Nationalrätin. Was bedeutet das für Stadt und Bezirk Wiener Neustadt?

Diller: Tanja Windbüchler-Souschill wirkt auf vielfältige Weise. Sie hat durch hartnäckige Arbeit in der Stadt und im Nationalrat dazu beigetragen, dass die innovative Krebstherapie von MedAustron für alle Menschen leistbar ist. Ihr Engagement im Sozialbereich wird sie fortsetzen, also Unterstützung des Triebwerks, dem Schwarzataler Social Club oder wie zuletzt dem Krisenzentrum Kidsnest.

NÖN: Wenn Sie in den Nationalrat kommen würden, was wäre das erste Projekt in Stadt oder Bezirk, wofür Sie sich stark machen würden?

Diller: Ganz klar ein leistbares Öffi-Ticket für Studierende. Ein Beispiel: Das Hochschul-Monatsticket von Ternitz nach St. Pölten kostet aktuell 118 Euro. Bei zehn Studienmonaten macht das 1.180 Euro im Jahr, und dabei liegen Start und Ziel im selben Bundesland. Als Grüner will ich ein Studi-Ticket um nur 75 Euro im Jahr. Bei meinem Beispiel wären das satte 1.105 Euro Ersparnis!

NÖN: Gibt es ein bestehendes Projekt in Stadt oder Bezirk, dass Sie hinterfragen würden?

Diller: Im Kampf gegen den Klimawandel ist es zentral, dass Grünflächen erhalten bleiben, dass Bäume und Wälder geschützt sind. Die Verbauungspläne zum Fohlenhof im Akademiepark oder der neue Golfplatz in Lanzenkirchen sind ökologische, aber auch soziale Sündenfälle.

NÖN: Derzeit scheint eine Regierungsbeteiligung der Grünen eher unwahrscheinlich. Trotzdem: Mit wem könnten Sie sich eine Zusammenarbeit in Regierungsform vorstellen?

Diller: Die Grünen stehen seit jeher für ein ganz klares Programm, das Zusammenhalt der Gesellschaft und Umweltschutz in den Mittelpunkt stellt. Wenn sich eine Koalition mit diesen Schwerpunkten ausgeht, werden die Grünen für effektiven Klimaschutz und soziale Absicherung sorgen – ab dem ersten Tag!