Martin Hausmann: "Mir wird sicher nicht fad!“. Martin Hausmann, scheidender ÖVP-Parteichef und frischgebackener Obmann des Tourismusvereines, über seine Corona-Erkrankung, Wahlniederlagen und seine eigene Zukunft.

Von Philipp Grabner. Erstellt am 02. Januar 2021 (03:44)
Philipp Grabner

NÖN: Erlauben Sie mir zu Beginn die persönliche Frage, wie es Ihnen geht – schließlich waren Sie zuletzt an Corona erkrankt.

Martin Hausmann: Ich hätte es anfangs gar nicht bemerkt – aber meine Gattin ist an Corona erkrankt und wurde sogar im Spital behandelt. In diesem Zuge wurde auch ich getestet und dann haben Symptome eingesetzt – Kopfweh, Schnupfen, aber kein Verlust des Geschmackes und kein Fieber.

Hat das Ihr Bild auf die Krankheit verändert?

Hausmann: Mein Bild hat sich nicht wirklich geändert, aber jenes meiner Gattin schon. Da merkt man plötzlich, wie wichtig es ist, einen Spitalplatz zu bekommen und dass wir nicht an die Grenzen unserer Kapazität kommen dürfen.

Zum Politischen: Sie übergeben die Obmannschaft der Orts-ÖVP – ganz offiziell nächstes Jahr bei einem Parteitag – an ihren Nachfolger Hannes Jägersberger, bleiben aber noch im Gemeinderat. Ist das nur ein Rückzug vom Parteivorsitz oder insgesamt ein Rückzug auf Raten aus der Politik?

Hausmann: Ich werde im Jänner 60 Jahre alt und wir haben in der VP zum Glück viele junge, gute und engagierte Leute – ich habe für mich entschieden, mit 65 Jahren nicht noch einmal an vorderster Front zu stehen. Der „Ax“ (Hannes Jägersberger, Anm.) ist etabliert in Partei und Gemeinde und kennt die Vorgänge gut. Ich denke mir: Worauf sollen wir warten? Der Zeitpunkt ist perfekt. Ich selbst habe viele andere Ämter, es wird mir also nicht fad werden.

Wissen Sie schon, ob Sie 2025 noch einmal kandidieren werden?

Hausmann: Das ist im Moment kein Thema. Man wird dann sehen, ob ich noch gebraucht werde und ob ich weiter so fit bin.

Nach der Gemeinderatswahl 2015 wurden Sie in der NÖN mit dem Satz „In der Minderheit kann man einfach nichts durchsetzen“ zitiert. Ist dem so oder war der Sager der Emotion geschuldet?

Hausmann: Fakt ist: Die Hälfte plus eine Stimme ist die Mehrheit, das ist so. Aber es stimmt auch: Man kann schon auch einiges durchsetzen, wenn man in der Minderheit ist – vor allem, wenn man nicht immer nur aufs Gas steigt und auf Frontalopposition macht. Das war auch nie meines. Einiges ist uns, glaube ich, schon gut gelungen.

Der Schein trügt also nicht, dass Sie sich mit der SPÖ grundsätzlich gut verstehen?

Hausmann: Ja, absolut, wir verstehen uns. Aber natürlich sind wir nicht immer einer Meinung und diskutieren hinter verschlossenen Türen auch hart.

Hat sich das Verhältnis mit dem Bürgermeisterwechsel von Knabl zu Diertl verändert?

Hausmann: Natürlich sind die beiden verschiedene Typen. Ich kann gut mit Florian Diertl, konnte aber auch gut mit Michael Knabl.

Der Vergleich mit der Nachbargemeinde Grünbach am Schneeberg ist sehr spannend. Dort sind die Verhältnisse ähnlich eng, trotzdem haben Sie nie – wie Ihre Grünbacher Kollegen – den Posten des Vizebürgermeisters gefordert. Warum?

Hausmann: Es gibt ganz wenige Gemeinden, in denen die Mehrheitspartei einen Vizebürgermeister abgibt, das findet man meist nur in den Städten, wo das auch so geregelt ist. Den Anspruch könnte man natürlich stellen, aber ob es dann tatsächlich möglich wäre, bezweifle ich. Übrigens gab es vor Jahrzehnten einmal einen ÖVP-Vizebürgermeister in Puchberg. Das währte aber nur eine Periode und das war damals auch eine andere Situation.

Wie sehen Sie Ihre Partei aufgestellt – und wie fällt Ihre Bilanz als Obmann aus?

Hausmann: Parteiintern haben wir in den letzten Jahren ein wirklich gutes, engagiertes Team mit einigen neuen Leuten im Gemeinderat aufgebaut. Thematisch hat sich etwa im Bereich des leistbaren Wohnbaus vieles getan.

Ihr großes Ziel im Jänner 2020, Erster zu werden, haben Sie aber nicht erreicht.

Hausmann: Der Unterschied beträgt rund 80 Stimmen, das ist wirklich nicht mehr viel. Da entscheidet oft nur eine Kleinigkeit. Aber man muss schon auch sehen: Wir haben mit der SPÖ eine Partei, die seit dem Zweiten Weltkrieg regiert, alles umsetzen konnte – trotzdem hat sie erstmals nur 49 Prozent. Und wir haben – trotz Opposition – 45 Prozent.

Ist es realistisch, dass die ÖVP 2025 den Ortschef stellt?

Hausmann: Ich glaube, wir können da optimistisch in den Wahlkampf gehen – auch wenn das noch ein paar Jahre dauert.

Wie geht es dem Tourismus in Puchberg in der Coronakrise?

Hausmann: Die Attraktionen waren und sind gut besucht – vor allem im Lockdown merkt man, dass die Menschen rauswollen. Trotzdem waren die Einschränkungen für die Betriebe eine mittlere Katastrophe, auch wenn es Ausgleichszahlungen gibt.

Was ist Ihnen als neuer Tourismus-Obmann besonders wichtig?

Hausmann: Wir werden noch mehr auf Digitalisierung setzen. Ein guter Onlineauftritt ist so wichtig wie ein gutes Plakat.