Thomas Berger: „Neid ist keine Größe in unserem Leben!“. Der designierte Neunkirchner ÖVP-Stadtrat Thomas Berger über Politik in der Familie, warum er als Sozialexperte nicht bei der SPÖ ist und wo er Kraft tankt.

Von Christian Feigl. Erstellt am 25. Oktober 2020 (04:45)
Thomas Berger gilt innerhalb der ÖVP als Shooting-Star. Kaum dabei, ist er bereits Klubobmann und designierter Stadtrat.
privat

NÖN: Sie sind der Shooting-Star in der Neunkirchner Politszene – wie gefällt Ihnen der Begriff?

Thomas Berger: Damit fange ich gar nichts an! Ich bin Teil einer Mannschaft, die sich neu aufgestellt hat. Nur als Team gelingt es uns, den Aufgaben und Erwartungen gerecht zu werden. Alleingänge führen nicht zum Ziel.

Sie sind erst seit heuer im Gemeinderat, nun schon Klubobmann und designierter Stadtrat – wie ist so ein rascher Aufstieg möglich?

Berger: Als mich Bürgermeister Herbert Osterbauer gefragt hat, ob ich mich für den Gemeinderat zur Verfügung stelle, habe ich gut überlegt und dann meine Bereitschaft bekundet, mich als Kandidat aufstellen zu lassen. Bei der Wahl habe ich dann viele Vorzugsstimmen bekommen und damit einen guten Einstieg in die Fraktion gehabt. Mit der Veränderung von Peter Teix und Armin Zwazl hat niemand gerechnet. Ich wurde gefragt, ob ich die Aufgaben übernehmen möchte und habe mich dazu entschlossen.

Sie kommen ja aus einer sehr politischen Familie, Ihr Vater Franz ist ÖVP-Urgestein, war jahrzehntelang Gemeinderat und auch Stadtrat und Ortsvorsteher in Mollram – wie sehr hat Sie das familiäre Umfeld politisch beeinflusst?

Berger: Natürlich sehr! Zu Hause wurde immer über politische Themen gesprochen und ich konnte sehen, worauf es ankommt, nämlich beim Menschen zu sein. Mein Vater hat sehr viel für die Stadt und Mollram getan, da kann ich mir nur ein Beispiel daran nehmen.

Was sagt der Papa eigentlich zu Ihrem Weg? Ist er ein wenig neidisch?

Berger: Neid ist keine Größe in unserem Leben! Jeder hat seine Aufgaben und es ist gut, wenn Menschen unterschiedlichen Interessen nachgehen. Meine Familie kennt die Rahmenbedingungen der Politik und weiß auch, dass sie kein Selbstzweck ist. Es hat viel mit zuhören und geben zu tun.

Holen Sie auch Rat von Ihrem Vater ein?

Berger: Ich wäre schlecht beraten, wenn nicht! Ich suche das Gespräch mit vielen Menschen, denn dieser Austausch ist mir wichtig! Mein Vater kennt viele Hintergründe und so manche Details, das höre ich mir interessiert an.

Sie gelten nicht zuletzt wegen Ihres Berufes auf der Sozialabteilung der Neunkirchner Bezirkshauptmannschaft als sozialer Mensch. Warum sind Sie deshalb eigentlich nicht bei der SPÖ gelandet?

Berger: Das ist eine witzige Frage! Ja, ich sehe mich natürlich als sozialen Menschen an. Ich habe als Erstes die sozialen Angebote der Stadt Neunkirchen überarbeitet. Für mich und mit mir ist die ÖVP Neunkirchen aber eine soziale Partei mit vielen Angeboten für Familie und Menschen.

Ich gehe davon aus, dass Sie aktuell auch wegen der Corona-Pandemie auf der Bezirkshauptmannschaft alle Hände voll zu tun haben– wie soll sich das alles zeitlich ausgehen?

Berger: Ich bin auf der Bezirkshauptmannschaft durch meine langjährige Arbeit gut eingearbeitet und habe vollen Rückhalt! Die Ressourcen, die ich in die Politik investiere, kommen in erster Linie vom privaten Zeitmanagement. Hier muss ich sicher nachjustieren und das habe ich bereits gemacht.

Wie tanken Sie Kraft für die vielen Aufgaben?

Berger: Seit früher Jugend an bin ich sportlich aktiv. In den letzten Jahren konnte ich mich im Triathlon erproben und bin bis zur Halbdistanz gekommen. In dieser Form kann ich das nicht mehr machen, aber wenn es nicht anders geht, setze ich mich um 21 Uhr auch noch auf den Hometrainer, um etwas runter zu kommen. Meine Frau und meine Familie stützen mich und lassen mir den Raum, der momentan von der Politik gefordert wird.

In welchen thematischen Bereichen möchten Sie als Stadtrat in den nächsten Jahren Akzente setzen?

Berger: Vorerst gilt es, die gute Arbeit von Armin Zwazl fortzusetzen. Mein Ressort umfasst viele Aufgaben, die nach innen ins Rathaus, aber auch nach außen gerichtet sind. Im Digitalisierungsbereich stecken wir sicher noch in den Kinderschuhen. Da müssen wir aufholen! Ich glaube, für die Bevölkerung und die Wirtschaft ist es wichtig, dass Neunkirchen moderne Rahmenbedingungen anbieten kann. Da dran zu bleiben, wird für mich ein zentraler Punkt sein.

Wie würden Sie Ihren politischen Stil beschreiben?

Berger: Ein zentraler Wert in meinem Leben ist Respekt! Diesen Respekt zolle ich jedem Menschen. In der Politik heißt das für mich, dass ich auf jeden zugehe und mit jedem das Gespräch suche, der das auch will. Ob wir dann auf einen gemeinsamen Nenner kommen, sei dahingestellt. Mir gefällt aber die Haltung „we agree to differ“ – so viel wie: „Wir sind einer Meinung, dass wir in diesem Punkt nicht übereinstimmen, gehen wir zum nächsten Tagesordnungspunkt.“ Ich bin nicht nachtragend!

Ist für Sie auch das Amt des Neunkirchner Bürgermeisters einmal vorstellbar?

Berger: Wir haben einen sehr guten Bürgermeister, der dieses Amt noch lange ausüben wird. Mir wurden soeben viele Aufgaben anvertraut, die mich sehr ausfüllen. Diese Frage stellt sich für mich nicht!

Haben Sie ein politisches Vorbild?

Berger: Nein, keine bestimmte Person. Offenheit und Wertschätzung sind mir sehr wichtig. Wer dies in der Politik gut durchhält, ist für mich Vorbild. Jeder, der sich für seine Ideale einsetzt, hat Respekt verdient!