Neunkirchens Mann in Rio. Gottfried Gansterer, Neunkirchner Küchenchef der Tourismusschulen „Modul“ der Wirtschaftskammer Wien, ist der kulinarische Botschafter Österreichs in Rio.

Von Andreas Fussi. Erstellt am 16. September 2016 (05:34)
Foto: ÖPC/Franz Baldauf

Mit Neunkirchner Beteiligung an vorderster Front sind die Paralympics in Rio de Janeiro am 7. September gestartet. Gottfried Gansterer ist allerdings nicht im Bereich der Athleten zu finden, sondern kümmert sich als Chefkoch um die kulinarischen Genüsse im Österreichhaus.

Der Neunkirchner Küchenchef der Tourismusschulen „Modul“ der Wirtschaftskammer Wien – Österreichs traditionsreichste Talenteschmiede für den Tourismusnachwuchs – ist gemeinsam mit 12 Schülern in Rio, um bei den Paralympics bis 18. September groß aufzukochen.

Die NÖN sprach mit Gansterer einen Tag nach der großen Eröffnung, wo er und sein Team die erste Bewährungsprobe bei 250 Gästen hinter sich brachten. „Es ist alles gut gelungen“, zeigt er sich über den kulinarischen Auftakt der Paralympischen Spiele zufrieden. Serviert wurde den Gästen eine breite Palette an typisch österreichischen Gerichten – angefangen von österreichischen Schinken und Käse, Salatbüffet, Wiener Erdäpfelsuppe über Schweinsbraten und Schnitzel bis zu süßen Klassikern wie Kaiserschmarrn und Powidltascherl. „Klassische Schickimicki-Küche ist hier nicht gewünscht, sondern traditionelle Wiener Küche.“ Auch ein Bieranstich durfte nicht fehlen.

Bereits zum siebten Mal als Caterer bei Olympia

Bis alle Gäste durch das tägliche Verkehrschaos in Rio eingetroffen waren, gab es als Überbrückung frischen Kornspitz, in Kooperation mit der gleichlautenden Firma.

Als die NÖN den erfahrenen Koch befragt, ist es gerade acht Uhr Früh in Rio und Gansterer war gerade dabei, die Speisekarte für die nächsten vier Tage zu schreiben. Das könne er erst machen, wenn die Zutaten eingetroffen sind, was in so fernen Ländern immer eine Herausforderung ist. „Ohne Improvisationstalent hat man keine Chance“, weiß er aus Erfahrung.

Und Erfahrung macht Gansterer aus, ist er schließlich zum bereits siebten Mal als Caterer der Österreichhäuser bei Olympischen Spielen verantwortlich. Begonnen hat es mit den Olympischen Winterspielen 1998 in Nagano. Doch nicht nur beim größten Sportereignis, sondern auch bei anderen Anlässen wie den „Wiener Opernbällen“ in zahlreichen Weltstädten ist er Österreichs kulinarischer Botschafter.

Unter seinen Schülern ist eine Absolventin der Modul-Privatuniversität, die selbst aus Rio stammt und sich aufgrund ihrer Sprachkenntnisse perfekt um die diversen Warenbestellungen kümmern kann. „Ich bin jetzt 59 Jahre alt und vor 40 Jahren mit der Lehrzeit im Neunkirchner Bräuhaus fertig geworden – aber Erfahrung nützt nichts, wenn man mit den Leuten nicht reden kann.“ Da sei er froh, eine Einheimische in seinem Team zu haben, sie sich um Bestellung, Lieferung, Lieferschein und die Rechnung kümmern kann.

Von den Modul-Schülern kommen nur die Besten für diese Reisen in Frage. „Die besten vier in jeder Klasse dürfen mit.“ Das sei ein enormer Ansporn – die Vorbereitungen für die nächsten paralympischen Winterspiele in zwei Jahren laufen schon. „Wir sind die, die Österreich repräsentieren“, unterstreicht Gansterer.

Akribisch auf die Zeit in Rio vorbereitet

Sehr froh ist der Küchenchef, dass er und sein Team im Fußballklubhaus am Sportgelände untergebracht ist, also ganz in der Nähe des Österreichhauses. Das Thema Sicherheit sei nämlich wichtig. Ein Oberst aus dem Innenministerium regle alle polizeilichen Abwicklungen. Die Copacabana ist nur einen Kilometer weit entfernt. Den Schülern wird geraten, nur eine Kopie des Reisepasses mit sich zu führen und nur einen kleinen Geldschein.

Gansterer hat sich akribisch auf die Zeit in Rio vorbereitet. Bereits vor drei Monaten hat er etwa 20 scharfe Messer herschicken lassen, „damit ich hier ein gescheites Werkzeug habe, mit dem man schneiden kann.“ Für Aufregung nach seinem Urlaub in den Schweizer Bergen sorgte dann die Nachricht, dass eine Person seines Teams abgesagt hatte. Die Nachbesetzung war schwierig. Gansterer: „Drei Wochen vor Start eine Arbeitserlaubnis zu bekommen, war gar nicht so einfach.“