Grünbacher Ortschef im Interview: „Ständige Kritik bin ich gewöhnt“

Erstellt am 16. Juni 2022 | 05:59
Lesezeit: 4 Min
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Grünbachs Bürgermeister Peter Steinwender (SPÖ) im Interview mit der NÖN anlässlich seiner etwas mehr als fünf Jahre im Amt. An der ÖVP übt er Kritik, in seiner Fraktion ortet er trotz der vielen Personalrochaden ein „sehr gutes Klima“, wie er sagt.
Foto: Grabner
Grünbachs Ortschef Peter Steinwender zum viel diskutierten Kaffeehaus-Projekt, Kontinuität in der SPÖ und seine Zukunft.
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2016 wurde Peter Steinwender erstmals zum Bürgermeister gewählt, vor etwas mehr als fünf Jahren – nach dem ÖVP-Rücktritt und der damit verbundenen Neuwahl – das zweite Mal. Anlässlich dieses Jubiläums (und viel diskutierter Themen) bat die NÖN den Ortschef zum Gespräch.

NÖN: Sie sind seit 2016 Bürgermeister, wurden 2017 wiedergewählt. Wie oft haben Sie es seitdem bereut, für das Amt zur Verfügung zu stehen?

Peter Steinwender: Nie.

Wie oft wollten Sie den Hut draufhauen?

Steinwender: Es gab mehrere Momente, wo ich gemerkt habe, dass meine Energie am Boden ist. Aber Aufgeben war nie eine Option für mich.

Viel diskutiert wird derzeit über das Kaffeehaus-Projekt. Kritik gibt es da nicht nur von der ÖVP, sondern auch von Ihrem bisherigen „Vize“ Otto Schiel. Gibt es Ihnen zu denken, wenn die Kritik auch aus den eigenen Reihen kommt?

Steinwender: Mir gibt alles zu denken, ich reflektiere sehr viel – und ich bin auch ständige Kritik gewöhnt. Das war ja schon beim Hauptplatz-Projekt so. Aus meiner Sicht sind 99 Prozent der Kritikpunkte aus politischem Kalkül gekommen und nicht aus sachlichen Gründen. Wenn ich an die letzten Projekte denke, was da für Hetze betrieben wurde und was da gelogen wurde. Es ist überraschend, wie wichtig das offenbar ist.

Damit meinen Sie die ÖVP?

Steinwender: Absolut.

Und was die Kritik von Otto Schiel betrifft: Sind Ihnen Fehler passiert?

Steinwender: Wo gehobelt wird, da fallen Späne. Aber nachdem der aufgesetzte Vertrag von beiden Anwälten als in Ordnung erachtet wurde, kann nicht alles falsch gewesen sein. Otto hat sehr viele Umformulierungen erwirkt und aus meiner Sicht waren nicht alle konstruktiv.

Wie zuversichtlich sind Sie, dass der Betrieb heuer starten kann?

Steinwender: Ich bin sehr zuversichtlich, obwohl meine Situation nicht gerade komfortabel ist.

Wie ist Ihre Gesprächsbasis zu Otto Schiel?

Steinwender: Wir haben uns seit seinem Rücktritt an sich nicht mehr gesehen.

In den letzten Jahren gab es bei der SPÖ sehr viele Rücktritte, nach großer Kontinuität sah das nicht aus. War das wirklich der viel zitierte „Generationenwechsel“ oder hakt es innerparteilich?

Steinwender: Zu einem großen Teil waren das eindeutig Generationenwechsel und ich erachte das Klima in der Fraktion als sehr positiv. Andererseits muss man schon auch sagen: Als SPÖ-Gemeinderat in Grünbach hast du nicht immer nur ein schönes Leben.

Ist Ihr Umgang mit der ÖVP immer korrekt?

Steinwender: Absolut.

Die oftmals geforderte Wiedereinführung der Referate ist ein alter Hut – aber wäre sie nicht ein Signal an die ÖVP, dass man einen Schritt auf sie zumacht?

Steinwender: Es gab zig Angebote zur Zusammenarbeit, leider ist das nie angenommen worden. Und was ich nie wollte, ist, dass mit einem Bereich reine Parteipolitik gemacht wird.

Wie geht es beim Projekt Amtshaus weiter? Das wurde vorläufig ja auf Eis gelegt.

Steinwender: Genau. Wir warten jetzt die wirtschaftliche Situation ab und schauen, ab wann man wieder vernünftig planen kann. Im Winter hat sich abgezeichnet, dass das ein sehr turbulentes Jahr werden wird.

Welche Projekte sind abseits in den nächsten Jahren geplant?

Steinwender: Grünbach wurde zur sehr gefragten Gemeinde, Umwidmungen und Aktivierung von Baugrundstücken ermöglichen den derzeitigen Zuzug. Ein ökologischer Straßenbau soll die neuen Grundstücke erschließen. Punkt zwei: Grünbach als familienfreundliche Gemeinde. Neben dem Wohnen der Generationen im Bäckerhaus sollen die Kinderbetreuungsmöglichkeiten deutlich erweitert werden, weiters sind Parks der Generationen in Planung. Und Punkt drei, Energiewende: Mit den Energiegemeinschaften ist der Startschuss für eine schrittweise Energiewende in Grünbach eingeleitet worden.

Wird es wieder eine parteiübergreifende Klausur geben?

Steinwender: Ich habe die ÖVP im Vorjahr dazu eingeladen, sie hat dankend abgesagt.

Werden Sie 2025 noch einmal kandidieren?

Steinwender: Ja, sicher.

Und die volle Periode machen?

Steinwender: Ja. Wir haben viel umgesetzt, sehr vieles ist derzeit im Werden, wir haben aber auch noch einiges vor.

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