Günter Moraw: „Keine Fehler gemacht!“. Es sei viel mehr gelungen, als er sich vorgenommen habe: Pittener Günter Moraw sprach mit der NÖN über seine Zeit in der Politik und ob er sich seinen Abschied anders vorgestellt hat.

Von Tanja Barta. Erstellt am 22. September 2020 (04:45)
21 Jahre arbeitete Günter Moraw in der Gemeindepolitik in Pitten mit. Zukünftig möchte er sich allerdings mehr seiner Familie und besonders den neugeborenen Enkelkindern widmen.
Barta

Nach 31 Jahren Gemeindepolitik verabschiedete sich SPÖ-Urgestein Günter Moraw nun endgültig von der Politbühne. Mit der NÖN Neunkirchen sprach der 73-Jährige über Meilensteine und Gemeinderatskollegen.

NÖN: 31 Jahre Gemeindepolitik: Hätten Sie sich einen feierlicheren Abschied ohne Corona gewünscht?

Günter Moraw: Es ist so, wie es jetzt war, in Ordnung. Wir werden das sicherlich noch im Fraktionskreis entsprechend feiern. Es wird auch eine Ehrung der SPÖ geben. Aber ich habe schon so viele Ehrungen und Feiern erhalten, daher habe ich nicht vor, hier etwas großartig zu tun.

Ziehen Sie sich komplett aus der Politik zurück oder stehen Sie weiterhin beratend zur Seite?

Moraw: Ich werde niemanden beraten. Wenn mich jemand fragen sollte, was ich mir denke, dann werde ich das schon sagen, aber ich werde in keiner Weise mehr politisch tätig sein. Ich bin natürlich politisch interessiert und kann meine Meinung äußern, aber irgendwo einbringen möchte ich mich nicht mehr. Da hätte ich auch gleich bleiben können.

Jeder Politiker geht mit einem bestimmten Ziel in die Politik. Haben Sie Ihres für Pitten erreicht?

Moraw: Ich muss sagen, es ist sogar mehr gelungen, als ich mir eigentlich vorgenommen habe. Pitten hat sich in den letzten 20 Jahren ganz toll entwickelt. Ich habe von meinem Vorgänger einen schönen Ort übernommen und ich bin überzeugt, dass ich einen guten Ort an meinen Nachfolger weitergegeben habe. Eine Sache, die nicht gelungen ist, ist der Hochwasserschutz. Da hoffe ich, dass mein Nachfolger gegen alle Widerstände, die es da und dort gibt, es irgendwann zusammenbringt. Das ist für Pitten nämlich ein wichtiges Thema.

Welcher Rücktritt fiel schwerer: Jener als Bürgermeister 2015 oder der jetzige?

Moraw: Gar keiner. Wenn man so lange in der Politik ist, ist irgendwann Schluss. Das Amt des Bürgermeisters ist ein sehr aufreibendes und ich war damals schon knapp 70 Jahre alt und wollte mir das, obwohl es mir sehr gut gefallen hat, nicht mehr antun. Ich wollte aber den Helmut (Berger, SPÖ-Bürgermeister, Anm.) noch ein wenig unterstützen. Aber jetzt ist es Zeit, aufzuhören. Ich habe keine Wehmut.

Wie zufrieden sind Sie mit Ihrem Nachfolger Helmut Berger?

Moraw: Sehr zufrieden. Man weiß ja nie, wie sich ein Nachfolger schlägt. Aber ich finde, er macht das ausgezeichnet. Man sieht das auch an dem Wahlerfolg der letzten Wahl, die Bevölkerung akzeptiert ihn.

Was waren die Meilensteine Ihrer politischen Karriere?

Moraw: Die Meilensteine waren sicher, dass wir Pitten noch lebenswerter gemacht haben, dass Pitten dadurch auch sehr viele Auszeichnungen von Land und Bund bekommen hat und dass sehr viele Leute nach Pitten gezogen sind. Das ist sicher das Entscheidende, was passiert ist. Natürlich sind auch viele andere Sachen passiert, wir haben ein neues Gemeindeamt gebaut, wir haben die Straßen und die Infrastruktur verbessert. Aber in Wirklichkeit ist es das Wichtigste, dass sich die Leute hier wohlfühlen und hier ihren Lebensmittelpunkt haben möchten.

Jeder macht einmal Fehler: Gibt es einen, den Sie besonders bereuen?

Moraw: Gott sei Dank ist mir nichts passiert in meiner Zeit. Was mich besonders freut, ist, dass es in meiner ersten Periode als Bürgermeister nur einstimmige Beschlüsse gab. Danach gab es immer wieder Gemeinderäte, die eben anderer Meinung waren. Aber die Zusammenarbeit im Gemeinderat war gut und Gott sei Dank sind mir keine Fehler passiert.

Hatten Sie jemals Angst, dass die SPÖ in Pitten die absolute Mehrheit verliert?

Moraw: Das Ziel war immer, die absolute Mehrheit zu halten und das ist gelungen. Angst hat man immer, wenn man in der Politik ist, denn ein Mandat ist schnell verloren, aber auch wieder schnell gewonnen. Als ich Bürgermeister wurde, habe ich ein Mandat dazugewonnen und das hätte ich damals auch nicht erwartet.

Wird Ihnen Ihr Gemeinderatskollege Oliver Strametz von der Bürgerliste fehlen?

Moraw: Der wird mir insofern nicht fehlen, weil ich mit ihm ja noch einen Gerichtsprozess habe. Da wurde er in erster Instanz verurteilt und ich nehme an, das wird in zweiter Instanz auch so sein. Fehlen wird er mir nicht (lacht).