Mit der Polizei auf Vandalensuche in Neunkirchen. Samstagabend, kurz vor 19.30 Uhr: Unter der Führung von Kommandant-Stellvertreter Klaus Degen haben sich vier Mitarbeiter der Stadtpolizei beim Eingang zum Stadtpark in der Talgasse um den Streifenwagen versammelt. Auch Bürgermeister Herbert Osterbauer ist gekommen und lässt sich über das Vorhaben kurz instruieren. Der gesamte Stadtpark soll an diesem Abend in zwei Aktionen von Fußstreifen und dem Polizeiwagen durchforstet werden.

Von Christian Feigl. Erstellt am 13. Januar 2020 (08:00)

„Das Planquadrat passiert in Zusammenarbeit mit der Bezirkspolizei. Wir ziehen sozusagen ein immer enger werdendes Netz im Park und wenn wir Verstärkung benötigen sollten, sind die Kollegen innerhalb einer Minute da“, erklärt Degen den Ablauf.

Silvesternacht machte Aktion notwendig

Notwendig gemacht haben die Aktion die jüngsten Vandalenakte in der Silvesternacht, aber auch die regelmäßigen Sachbeschädigungen in Neunkirchens beliebtem Naherholungsbiet und Grüner Lunge. „Diese Planquadrate werden jetzt in unregelmäßigen Abständen passieren, sodass sich niemand in Sicherheit wiegen kann“, ergänzt der Stadtchef und verweist, dass diese Maßnahme in Absprache und mit der Unterstützung der anderen politischen Fraktionen beschlossen wurde.

Kontrolliert werden Personen, im Verdachtsfall auch mitgeführte Rucksäcke oder Taschen: „Wir nehmen die Personaldaten auf und schauen bei Verdacht, ob irgendwelche Spraydosen oder Knallkörper mitgeführt werden“, nennt Degen  Details der Polizeiaktion.

Die Nacht ist sternenklar, der Vollmond thront über den Bäumen und es ist bitterkalt. Wohl auch deshalb tritt der Einsatzleiter, noch bevor die Aktion startet, auf die Euphoriebremse: „Ich bin mir gar nicht sicher, ob wir überhaupt Personen im Park antreffen werden, denn ich wüsste mir bei diesem Wetter und um diese Zeit etwas besseres anzufangen“, meint er mit sarkastischem Unterton.

Während der Streifenwagen wegfährt, nehmen zwei Kollegen, in dicken Jacken, mit Handschuhen und Hauben gegen die Kälte geschützt und mit leistungsstarken Taschenlampen bewaffnet sowie dem NÖN-Reporter im Schlepptau, die Fußstreife in Angriff.

Die erste Anhaltung nach 200 Metern

Und es dauert keine 200 Meter, da kommen uns auch schon zwei junge Burschen im Bereich des Pflegeheims entgegen. „Guten Abend, Personenkontrolle, Ihren Ausweis bitte“, werden sie höflich ersucht. Schnell stellt sich heraus, dass es sich bei den Teenagern um Neunkirchner handelt. Nicht amtsbekannt. Unverdächtig. Als sie nach dem Grund der Amtshandlung fragen, erklärt ihnen ein Beamter der Stadtpolizei den Grund der Aktion. „Wir haben mit den Zerstörungen nichts zu tun“, versichern die beiden. Sie würden sich lediglich am Heimweg vom McDonalds befinden. „Nachvollziehbar“, so das Urteil der beiden Polizisten. Nach ein paar Minuten Smalltalk und genauerer Überprüfung sowie Aufnahme der Daten dürfen die beiden weitergehen. Wenige Meter später erfasst der Lichtkegel der Taschenlampe die Überreste von Fastfood-Verpackungen, die neben dem Weg verstreut liegen. „Der Beweis dafür, dass sie uns wohl nicht angelogen haben“, wird mit Augenzwinkern gemutmaßt.

Auch beim Patrouillieren im Schutz der Laternen wird immer wieder mit den Taschenlampen die Umgebung ausgeleuchtet. „Hier sind die Lichtverhältnisse ja noch gut, aber drüben hinter dem Hallenbad ist es wegen der hohen Bäume und Sträucher stockdunkel. Deshalb geht dort auch niemand, außer Du hast etwas vor“, erklären die Beamten dem Reporter.

Erneut tauchen aus dem Dunkeln in der Ferne zwei weitere Personen auf. Kurz bleiben sie stehen, gehen dann aber doch in Richtung der Streife weiter. Wieder zwei junge Burschen. Dieses Mal aus Ternitz. Auch sie kommen vom McDonalds und sind am Weg zum Bahnhof. Die Überprüfung verläuft negativ. Als sie weitergehen, werden sie kurze Zeit später vom Streifenwagen, der uns gerade entgegenkommt, erneut angehalten. „Die könnt ihr gehenlassen, die haben wir schon überprüft!“ Auch Klaus Degen und sein Kollege haben in der Zwischenzeit zwei weitere Personen aufgegriffen. „Insgesamt gar nicht so wenig, für dieses Wetter und für diese Uhrzeit. Treffer war aber keiner dabei“, heißt es in einer ersten Kurzbilanz, ehe sich die Wege wieder trennen.

Wir nähern uns in der Zwischenzeit der „totalen Finsternis“, dem Weg beim Hallenbad. Plötzlich – wieder zwei Personen, die  aus dem Dunkel kommen. Dass auch das nicht der ersehnte Erfolg wird, zeigt sich rasch beim Näherkommen. Eng umschlungen grüßt ein junges Pärchen freundlich die beiden Polizisten. Da ist auch keine Überprüfung notwendig.
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Nach einer knappen halben Stunde ist die erste Aktion auch schon wieder beendet und die zweite - ohne dem Beisein der NÖN - wird bei einer kurzen Nachbesprechung vorbereitet.

Zwei Beanstandungen bei 22 Anhaltungen

Insgesamt werden am Ende an diesem Abend 22 Personen im Stadtpark angehalten. Zwei davon mussten beanstandet werden: „Sie haben mit externen Lautsprechern die Ruhe gestört“, bilanziert Degen nicht unzufrieden. Er ist überrascht von der nicht so hoch erwarteten Frequenz. Und von der Disziplin und Freundlichkeit der kontrollierten Jugendlichen: „Das war alles sehr respektvoll, es hat keine Probleme gegeben, auch das gehört betont.“

Vom langfristigen Erfolg sind er und Osterbauer jedenfalls überzeugt: „Diese Kontrollen werden sich herumsprechen. Und da wir sie jetzt auch in unregelmäßigen Abständen machen, kann sich niemand mehr in Sicherheit wiegen.“ Außer – ja außer, man ist vielleicht ein Liebespaar…