Prozess: Pfarrer schloss Dieb in der Kirche ein

Mann machte sich an Opferstöcken in der Kirche zu schaffen, Pfarrer reagierte geistesgegenwärtig. Angeklagter zu 18 Monaten Haft verurteilt.

Erstellt am 12. Oktober 2021 | 11:28
Symbolbild Gerichtssaal
Symbolbild Gerichtssaal
Foto: shutterstock.com/Nirat.pix

Beherzt hatte ein Pfarrer reagiert, als er am 1. September einen Mann in der Kirche in Gloggnitz beobachtete, wie er sich an den zwei Opferstöcken in der Kirche zu schaffen machte. Er versperrte „seine“ Kirche bis zum Eintreffen der Polizei – diese nahm den Mann fest.

In der Vorwoche stand dieser nun vor dem Landesgericht Wiener Neustadt. Vor dem Richter erklärte er, dass er zwar vorgehabt habe, Geld aus dem Opferstock zu nehmen, aber nur mit der Taschenlampe des Handys in die zwei Stöcke geleuchtet habe, um zu sehen, ob überhaupt etwas drinnen sei. Mit einem zurechtgefalteten Lesezeichen hätte er dann vorgehabt, etwaige Geldscheine „herauszufischen“. Ein Feuerzeug habe er in der Hand gehabt, um „eine Kerze anzuzünden“.

Der Pfarrer gab an, dass der Mann keineswegs so gewirkt habe. „Er hat beim Kerzerlständer hantiert und ging dann ganz zielstrebig zum Opferstock bei der Eingangstür und hat dort ebenso agiert.“ Dass er etwas in der Hand hatte, ist sich der Geistliche sicher, was es war, habe er nicht sehen können.

Die Polizisten fanden danach ein Stück doppelseitiges Klebeband im Opferstock (ergibt mit einem Draht oder Stock ein Werkzeug, um Scheine herauszufischen, Anm. d. Red.), wovon der Angeklagte meinte, es sei nicht von ihm, denn „das machen viele Rumänen und Bulgaren“. Der arbeitslose Rumäne ist in Österreich und Deutschland wegen genau solcher Delikte vorbestraft und wurde deshalb zu 18 Monaten Haft verurteilt. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.