Bezirk Neunkirchen: 44 Raser gaben heuer Schein ab. Einsatzkräfte begrüßen Novelle - Behörden setzen bereits viele Maßnahmen gegen die Temposünder.

Von Christian Feigl. Erstellt am 08. September 2021 (04:28)
Horst Reingruber
Horst Reingruber vor der Radarbox in der Semmeringstraße in Gloggnitz.
 
Gerhard Brandtner

BEZIRKSüdautobahn, Semmering Schnellstraße, B 17 und B 54 oder das Höllental: Der Neunkirchner Bezirk ist prädestiniert für Freunde des Gaspedals: Dass diese seit 1. September weitaus tiefer als bisher in die Tasche greifen müssen, sollte sich auch positiv auf das Fahrverhalten auf diesen exponierten Strecken auswirken.

Das hoffen zumindest die Einsatzkräfte, die oft die Folgen dieser Raserei hautnah miterleben. Einer von ihnen ist etwa der Gloggnitzer Feuerwehrkommandant Thomas Rauch, der besonders auf der S 6 immer wieder gefährliche Einsätze erlebt: „Wir von der Feuerwehr begrüßen alle Maßnahmen, die zu einer Geschwindigkeitsreduktion beitragen. Nicht nur, dass wir oft die Folgen des Rasens hautnah mitbekommen, sind die Kameraden auch oft selbst bei den Einsätzen in Gefahr, weil Verkehrsteilnehmer zu schnell oder zu knapp an die Unfallstelle fahren.“

Nicht erst einmal kam es dadurch schon zu weiteren Unfällen.
Lange Zeit war auch die Südautobahn im Wechselabschnitt eine gefährliche Strecke für Raser. Mit Einführung der Section Control hat sich aber die Situation merkbar gebessert, wie auch Bezirksfeuerwehrkommandant Sepp Huber bestätigt.
Einer, der die Anhebung der Strafen absolut begrüßt, ist Neunkirchens ÖVP-Bürgermeister Herbert Osterbauer: „Wir haben immer wieder Probleme mit Rasern. So wird die B 17 oft für Beschleunigungsrennen in der Nacht verwendet. Aber auch in jenen Teilen der Stadtviertel, wo Tempo 30 verordnet ist, wird immer wieder zu schnell gefahren.“ Mobile Radargeräte sollen hier Abhilfe schaffen. Und obwohl die Standorte dieser sogar über die Homepage ersichtlich sind, gibt es immer wieder Verkehrsteilnehmer, die geblitzt werden: „Einmal waren es innerhalb von nur einer Woche in der Ramplacherstraße 200 Anzeigen“, weiß Osterbauer.


Verstärkter Einsatz gegen Roadrunner

Mit der von Osterbauer angeschnittenen sogenannten „Roadrunnerszene“ beschäftigt sich die Bezirkshauptmannschaft bereits intensiv: „Hier ist die B 17 besonders exponiert. Ebenso die B 26 im Bereich Höllental bis zum Preiner-Gscheid, die eine für Motorradfahrer besonders beliebte Strecke ist. Hier werden zwar nicht diese extremen Fahrgeschwindigkeiten aufgrund der Fahrbahnverläufe erreicht – die Gefahr der Unfallverursachung ist jedoch immanent“, weiß Bezirkshauptfrau Alexandra Grabner-Fritz.
Gegenmaßnahmen werden von der Bezirksbehörde gemeinsam mit der Exekutive durch verstärkte Überwachungen gesetzt. So gibt es vermehrt Kontrollen und es werden Schwerpunktaktionen gemeinsam mit der Landesverkehrsabteilung durchgeführt. Ebenso kommen verstärkt bei Überwachungen Zivilstreifen zum Einsatz.

„Die Bezirkshauptmannschaft überwacht auch die Straßenverhältnisse, in dem sie Unfallhäufungspunkte überprüft. Anregungen von Anrainern und Gemeinden werden ebenso aufgenommen und im Wege von Verhandlungen vor Ort unter Beiziehung von Verkehrsexperten oder auch von Amtswegen beurteilt. Im Zuge dieser Verfahren werden regelmäßig Geschwindigkeitsmessungen durchgeführt und erforderliche Maßnahmen gesetzt. Dabei kommen selbstverständlich auch verschiedene technische Überwachungseinrichtungen zum Einsatz“, ergänzt die Bezirkschefin. Einer dieser Anrainer ist der Gloggnitzer Horst Reingruber, der seit Jahren gegen Raser und Schwerverkehr auf der Semmeringstraße kämpft.

Aktuell fordert er die Installation eines permanenten Radars in beide Richtungen: „Die Auswertungen verdeutlichen, dass viel zu schnell gefahren wird!“
Allerdings zeigen die gesetzten Maßnahmen auch bei den Strafzahlen mittlerweile ihre Auswirkungen: Denn aktuell betreffen rund zwei Drittel der Verkehrsstrafen Verfahren im Zusammenhang mit Geschwindigkeitsüberschreitungen. Dies ist aber zum Teil auch auf die Überwachung des Wechselabschnittes der A 2 Südautobahn in Fahrtrichtung Wien, wo mit stationärer Section Control Anlage kontrolliert wird, in Zusammenhang stehend.

Auch die Zahl der Führerscheinentzüge durch Raserei spricht eine eindeutige Sprache: Im Jahr 2019 kam es im Bezirk Neunkirchen zu insgesamt 72 Führerscheinentzügen aufgrund von Geschwindigkeitsübertretungen, im Jahr 2020 bereits zu 85. Und heuer gab es bis Ende August allein schon 44 Entzüge wegen Geschwindigkeitsübertretungen. Allerdings ist die Bezirkshauptmannschaft ausschließlich für ihre Hauptwohnsitzer im Führerscheinentzugsverfahren zuständig „So ist es möglich, dass auch Entzüge wegen Schnellfahrens gegenüber Bezirksbürgern ausgesprochen werden, wo die Tat des Schnellfahrens selbst nicht im Bezirk Neunkirchen stattfand“, erklärt Grabner-Fritz.

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