Bezirksalarmzentrale Neunkirchen: einzigartig im Land. Die NÖN stattete der Bezirksalarmzentrale einen Besuch ab, wo 24 Stunden freiwillig gearbeitet wird.

Von Philipp Grabner. Erstellt am 23. Juli 2019 (03:39)
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Freitagvormittag, gegen halb zehn. Auf den großen Info-Bildschirmen in der Neunkirchner Bezirksalarmzentrale leuchtet dem Betrachter überwiegend grüne Farbe entgegen.

Was gut ist: Denn „grün“ bedeutet in diesem Fall, dass derzeit kein Einsatz für die insgesamt 90 Freiwilligen Feuerwehren im Bezirk Neunkirchen zu leisten ist. Kein Brand, kein Verkehrsunfall, keine Überflutung. Alles ist ruhig.

Dass das nicht immer so ist, zeigt ein Blick in die Statistik: 4.346 alarmierte Einsätze verzeichnete die Bezirksalarmzentrale, untergebracht im Feuerwehrhaus der FF Neunkirchen-Stadt, alleine im Jahr 2018.

"Anlaufstelle für Bevölkerung"

Da verwundert es auch nicht, dass Bezirksfeuerwehrkommandant Sepp Huber die Alarmzentrale, kurz BAZ, als die „erste Anlaufstelle für die hilfesuchende Bevölkerung“ bezeichnet. Denn wann immer jemand im Bezirk den Feuerwehrnotruf 122 wählt, landet er genau hier.

Dabei ist die Neunkirchner BAZ eine außergewöhnliche Einrichtung: Sie ist die einzige Alarmzentrale Niederösterreichs, die 24 Stunden Dienst versieht und all das mit freiwilligen Florianis bewerkstelligt.

„Es ist nicht die Regel, dass das alles freiwillig passiert“, wird der NÖN beim Lokalaugenschein erklärt. In Neunkirchen hingegen wird seit Bestehen der Zentrale – also seit den 90er Jahren – stets freiwillig die Arbeit verrichtet – völlig unentgeltlich.

Bei Unwetter war Zentrale voll besetzt

Aktuell sind es 20 Disponenten, die im 12 Stunden-Wechsel ihren Dienst versehen. Wählt jemand im Bezirk den Notruf 122, nimmt einer dieser 20, dafür extra ausgebildeten Feuerwehrmitglieder, das Gespräch entgegen.

Im Normalfall hat eine Person Dienst, im Katastrophenfall kann das natürlich aufgestockt werden“, erklärt Disponent Stefan Breineder der NÖN. Beim großen Unwetter im Vorjahr sei dies etwa der Fall gewesen, geht er ins Detail.

Der Disponent ist in weiterer Folge nicht nur dafür zuständig, die Rettungskette in Bewegung zu setzen und alle nötigen Stellen über den Notruf zu informieren – er ist oft auch dazu da, den Anrufer zu beruhigen.

Da musst du selbst ruhig bleiben und keinesfalls hektisch werden",Stefan Breineder,Disponent

„Letztens, bei einem Brand in Schlöglmühl, dauerte das Gespräch zum Beispiel 18 Minuten. Eine Dame war in ihrer Wohnung eingeschlossen, das Telefonat wurde geführt, bis der Atemschutztrupp vor Ort war und die Frau befreien konnte“, erzählt Breineder von einem aktuellen Fall. Da gelte es natürlich, Nervenstärke zu beweisen: „Da musst du selbst ruhig bleiben und keinesfalls hektisch werden“, weiß er aus Erfahrung.

Für Sepp Huber steht jedenfalls eines fest: „Als Bezirksfeuerwehrkommandant kann ich stolz sein, dass freiwillig so hochqualitativ gearbeitet wird!“