Abgeordnete Ungersböck: „Angebot kommt nicht jeden Tag". Die neue ÖVP-Abgeordnete Waltraud Ungersböck über ein überraschendes Angebot, ihren neuen Job und die Gemeindearbeit.

Von Philipp Grabner. Erstellt am 27. Februar 2020 (05:30)
ÖVP-Landtagsabgeordnete Waltraud Ungersböck im Interview in der NÖN-Redaktion in Neunkirchen.
Tanja Barta

Waltraud Ungersböck ist seit wenigen Wochen neue ÖVP-Landtagsabgeordnete. Der Neunkirchner NÖN stand die 43-jährige Seminarbäuerin zu ihrer neuen Aufgabe Rede und Antwort.

NÖN: Wie hat Sie eigentlich die Nachricht erreicht, dass Sie Abgeordnete werden sollen?

Waltraud Ungersböck: Das war am 2. Jänner und ich war zuhause, als mich eine Dame aus dem Büro von Landeshauptfrau-Stellvertreter Pernkopf angerufen hat. Sie hat mich gefragt, ob sie mich zu ihm verbinden kann, ich habe natürlich ,Ja‘ gesagt – und dann ist die Spannung in mir gestiegen. Dann hat sich aber wieder die Dame gemeldet und gesagt, sie ruft in zehn Minuten nochmals an. Dann sitzt man am Küchentisch und man weiß nicht, was los ist. (lacht) Schließlich habe ich aber mit ihm gesprochen und er hat mich gefragt, ob ich das Mandat von Klaudia Tanner übernehmen würde.

Wie lange mussten Sie überlegen, ob Sie das Mandat annehmen?

Bis 5. Jänner hätte ich Zeit gehabt, am 4. Jänner habe ich zugesagt. Und wenn man gar nicht damit rechnet, muss man sich natürlich schon Gedanken machen und sich mit verschiedenen Menschen abstimmen.

„Der ÖVP-Landtagsklub ist ein sehr gut organisierter Klub"

Was hat dafür gesprochen, den Job anzunehmen – und was dagegen?

Dafür hat jedenfalls gesprochen, dass der Bezirk seit Langem auf ein zweites Mandat hofft. Ich habe hier natürlich die Chance erkannt, die sich ergeben hat. Das kommt nicht jeden Tag. Und wir wussten auch, dass das Mandat nicht in unseren Bezirk fällt, wenn ich „Nein“ sage. Dagegen hat wohl gesprochen, dass ich keine so große politische Erfahrung auf Landesebene habe – ich denke mir aber, dass ich vieles lernen kann. Es ist sicher das Beste, „Ja“ zu sagen, als diese Chance verstreichen zu lassen. Ich war mir der großen Verantwortung, auch für den Bezirk, bewusst.

Thematisch sind Sie Frauensprecherin sowie Mitglied im Kulturausschuss. In weiteren Ausschüssen sind Sie Ersatzmitglied. Inwieweit deckt sich das mit Ihren Interessen beziehungsweise muss man da nehmen, was kommt?

Das ging alles so schnell, dass ich nicht wirklich Zeit hatte, darüber nachzudenken. In den nächsten Jahren werde ich versuchen, sattelfest zu werden und dazuzulernen. Und als Abgeordneter hat man ja die Möglichkeit, alle möglichen Themen einzubringen. Ich bin schon auch im Landwirtschaftsausschuss, das war mir als Bäuerin natürlich wichtig. Das Amt der Frauensprecherin ist außerdem eine Ehre.

Wie war die Reaktion Ihrer Vorgängerin Klaudia Tanner?

Sehr positiv. Sie hat gemeint, es werde mir Spaß machen (lacht). Und sie hat sich natürlich gefreut, dass eine Frau nachfolgt.

Ihr erster Eindruck von der Arbeit im Landtag?

Ein sehr guter. Der ÖVP-Landtagsklub ist ein sehr gut organisierter Klub. Ich wurde sehr herzlich aufgenommen – Hermann Hauer hatte Recht, als er meinte, dass der Klub wie eine Familie sei.

Von den Oppositionsparteien gibt es sehr oft Kritik, dass man zu wenig Mitspracherecht im Landtag habe.

Jede Fraktion hat dieselben Rechte und ist nicht schlechter gestellt. Aber natürlich: Eine Mehrheit ist eine Mehrheit. Ich empfinde das als gerecht, schließlich entscheidet der Wähler über die Zusammensetzung des Landtags.

In der Gemeinde werden Sie demnächst als Vizebürgermeisterin mehr Verantwortung übernehmen. Wie geht das alles unter einen Hut?

(lacht) Wichtigster Job ist jetzt jedenfalls die Landtagsabgeordnete, mich hier gut einzufinden. Aber natürlich will ich mich auch in der Gemeinde mehr einsetzen, schließlich wurde das auch vom Wähler bestätigt. Für mich ist die Politik jetzt ein Full Time-Job. Am landwirtschaftlichen Betrieb wird mein Sohn Alexander meinen Platz übernehmen. Das hat es mir auch ermöglicht, „Ja“ zum Landtag zu sagen. Der Dank gilt hier meiner Familie.

Wenn die Zeit es zulässt: Wie verbringen Sie Ihre Freizeit?

Viel Zeit bleibt da oft nicht. Aber als Bäuerin bin ich natürlich sehr gerne in der Natur: Langlaufen, spazieren gehen, auf den Türkensturz – oder im Sommer im Garten sitzen und beim Schwimmteich die Seele baumeln lassen.