Nazi-Gedankengut: Brüderpaar beschmierte Wände. Zwei junge Männer beschmierten Häuser in zwei Bezirken.

Von NÖN Redaktion. Erstellt am 29. März 2019 (06:47)
APA (Symbolbild)

Hakenkreuze eineinhalb mal eineinhalb Meter groß, der „Hitlergruß“ und antisemitische Parolen – all das hat ein Brüderpaar aus dem Bezirk Wiener Neustadt auf zahlreiche Wände geschmiert. Konkret betroffen waren die Bahnhöfe Wiener Neustadt, Urschendorf, Winzendorf und Gutenstein, das Parkdeck und die Unterführung Zehnergasse und eine Billafiliale in Wiener Neustadt, ein Einfamilienhaus, Verteilerkästen und die Schilder eines Wanderwegs am Semmering.

NOEN

Die beiden Männer, 20 und 18 Jahre alt, angeklagt nach dem Verbotsgesetz, zeigten sich geständig. Ihr Verteidiger Andreas Strobl erklärte dann, wie es dazu gekommen war: „Der Ältere hat eine Lippen-Gaumen-Spalte, was ihm viel Spott von Gleichaltrigen eingebracht hat.“ Der junge Mann habe sich daraufhin abgesondert und sei im Internet auf den Nationalsozialismus und Verschwörungsthesen gestoßen. „Mit den Eltern konnte er nicht darüber reden, also sprach er mit dem Bruder. Der war neugierig und ließ sich auch kurzfristig begeistern. Es war bei beiden eine drei oder vier Monate lange Fehlleitung, sie sind Gott sei Dank keine Nationalsozialisten!“

Was die Burschen auch bestätigten. Sie seien mittlerweile freiwillig im ehemaligen Konzentrationslager Mauthausen gewesen und nicht mehr von den Verschwörungstheorien überzeugt. Erschwerend bei beiden kamen Zusatztaten dazu. Der Ältere war auch wegen Körperverletzung angeklagt, weil er mit zwei Burschen in Streit geraten war und sie dabei verletzt haben soll. „Sie haben mich ,Koalabär‘ genannt.“

Er habe mit einer Kopfnuss für den einen „geantwortet“, den zweiten Spötter will er nicht angegriffen haben. Der jüngere Angeklagte wollte sich Waffen besorgen und brach deshalb beim Schießzentrum Mannlicher Europa ein. Zuerst versuchte er, mithilfe von Böllern das Vorhängeschloss bei einem Container aufzusprengen, als das misslang, nahm er Werkzeug zu Hilfe. Die Beute waren über 500 Schuss Munition, in dem Container waren keine Waffen.

Der Ältere wurde zu sechs Monaten bedingt und der Jüngere zu fünf Monaten bedingter Haft verurteilt. Außerdem gab es Weisungen zur Bewährungshilfe und Psychotherapie für beide. Nicht rechtskräftig.