Anrainer stiegen mit Petition auf Barrikaden. Nach Proteststurm sichert Gemeinde nach Kahlschlag eine umfangreiche Neubepflanzung durch Bäume und Bodendecker zu.

Von Christian Feigl. Erstellt am 01. August 2017 (05:00)
Der Vergleich macht sicher. So sah die Schreckgasse vor den Arbeiten aus...
Christian Feigl

Eine Gruppe von Anrainern stieg in der Schreckgasse auf die Barrikaden: Sie befürchtete nach dem Fällen der Allee (die NÖN berichtete ausführlich) bei der Neugestaltung das Entstehen einer Betonwüste. Ein entsprechender Katalog mit Forderungen wurde deshalb in der Vorwoche auf der Gemeinde deponiert. Mit Erfolg.

Montag, 14 Uhr, High Noon am Rathaus: Nach der Bitte um einen Gesprächstermin trifft sich die Initiative um Unternehmer und Wirtschaftsbundobmann Wolfgang Kessler, Sparkassenmann Uli Wedl oder Architekt Willy Pokorny mit den Polit- und Stadtverantwortlichen zum Gipfelgespräch. Mit im Gepäck: Der Forderungskatalog.

...und so sah sie Ende der Vorwoche aus. Die Bepflanzung erfolgt im Herbst.
Christian Feigl

„Uns war wichtig, dass die Schreckgasse zukünftig nicht zu einer Betonwüste verkommt. Da es diesbezüglich berechtigte Befürchtungen gab, haben wir uns für eine dementsprechende Bepflanzung stark gemacht“, erklärt Wolfgang Kessler die Beweggründe für die Maßnahmen. Umso mehr freut ihn das Ergebnis nach knapp zweistündigen Verhandlungen: „Für uns ist es sehr zufriedenstellend, es kommen vier bis fünf Bäume sogar zusätzlich“, so Kessler. Diese sollen im Bereich der Raiffeisenbank sowie auf der gegenüberliegenden Seite platziert werden. Auch für eine Bodenbepflanzung wird gesorgt, damit die Bäume nicht zu einer „Hundetoilette“ verkommen.

Bgm. Herbert Osterbauer: „Sind froh, dass wir einen für alle zufriedenstellenden Kompromiss erzielt haben!“
NÖN

ÖVP-Bürgermeister Herbert Osterbauer betont die Gesprächsbereitschaft der Stadtgemeinde: „Ich bin mir sicher, dass es so etwas früher nicht gegeben hätte. Bürgermeister Kautz wäre einfach drübergefahren und das war es.“ Andererseits hätte er sich auch eine sensiblere Vorgehensweise der Anrainer gewünscht: „Man muss das nicht alles zuerst in der Öffentlichkeit breittreten!“

Unterstützt wurde die Initiative auch von SPÖ-Umweltstadträtin Andrea Kahofer. Ihr war schon das Fällen der alten Baumallee, die NÖN berichtete ausführlich, sichtlich nicht leicht gefallen: „Aus Sicherheitsgründen war es aber nicht anders möglich. Das belegen auch Gutachten!“

Stadtrat Günther Kautz: „Man hätte die Bürgerbeteiligung von Anfang an ernst nehmen müssen!“
NÖN

Für SPÖ-Infrastrukturstadtrat Günther Kautz, der ebenfalls dem Treffen beiwohnte, wäre die ganze Situation vermeidbar gewesen, „wenn man die Bürgerbeteiligung von Anfang an ernst genommen hätte und nicht erst die Anrainer zu einem Infoabend einlädt, wenn am nächsten Tag die Bäume gefällt werden!“ Mit der angestrebten Lösung zeigt auch er sich zufrieden. Zufriedenheit herrscht bei den Stadtverantwortlichen: „Wir verstehen die Bedenken und sind froh, dass die Kompromisslösung auch die Anrainer zufriedenstellt“, erklären ÖVP-Stadtchef Herbert Osterbauer und Grüne Vizebürgermeister Martin Fasan. „Allerdings möchten wir schon auch betonen, dass wir aufgrund der Untersuchungen der Beschaffenheit des Unterbaus das Bepflanzungskonzept erst relativ spät erstellen konnten.

Fahrbahn asphaltiert

Wolfgang Kessler: „Sind mit der Lösung zufrieden. Protest zahlt sich aus, das sollte anderen auch Mut machen!“
NOEN

Wie geht es nun weiter? In der Vorwoche wurde die Fahrbahn asphaltiert: „Bitte nicht aufregen, die Flächen für die Bäume werden erst jetzt herausgeschnitten, da so das Asphaltieren einfacher ist“, warnt Fasan vor voreiligen Alarmrufen. Und auch bei der rund drei Meter breiten Fläche handelt es sich um einen kombinierten Rad- und Fußweg, wie Fasan betont.

Übrigens: Den restlichen Teil der Schreckgasse wird die Stadt vorerst nicht in Angriff nehmen: „Es gibt wichtigere Straßenzüge, die auch gemacht gehören“, so der Bürgermeister. Initiativensprecher Wolfgang Kessler freut sich über das versöhnliche Ende: „Es zeigt, dass Zusammenschlüsse von Bürgern durchaus etwas bringen und soll auch all jenen Mut machen, die sich das bislang nicht getraut haben!“

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