Kampf um Erhalt von Kindergärten. Um die vier Pfarrkindergärten im Bezirk Neunkirchen doch noch zu retten, wurde von Eltern eine Plattform ins Leben gerufen.

Von Tanja Barta. Erstellt am 27. Juni 2020 (05:23)
Die Erzdiözese Wien will alle restlichen neun Pfarrkindergärten, darunter auch jenen in Wimpassing, abgeben. Das bestätigt auch der Sprecher der Diözese, Michael Prüller.
Barta/Doleschal

Der Schock saß tief, als die Pfarrkindergärten Wimpasssing, St. Valentin, Pottschach und Neunkirchen erfuhren, dass der Betrieb in zwei Jahren vorbei sein könnte. Mit 2022 stellt die Erzdiözese Wien die Finanzierung ein. Betroffene steigen nun auf die Barrikaden – und hoffen auf eine Fortführung der Kindergärten.

Es seien ja nicht nur viele Kinder und deren Eltern betroffen, „da geht es auch um Arbeitsplätze. Alleine in Wimpassing gibt es fünf Angestellte“, ist Pfarrgemeinderätin Doris Spielbichler entsetzt. Sie ist seit vergangener Woche Teil der Plattform „We are Family – gemeinsam für Pfarrkindergärten“. Während zuerst nur die Rede davon gewesen sei, dass man den Pfarrkindergarten in Wimpassing schließen wolle, sind jetzt alle Pfarrkindergärten des Bezirks betroffen. „Man möchte Wimpassing, St. Valentin, Pottschach und Neunkirchen auflassen“, berichtet Spielbichler der NÖN Neunkirchen.

Kräfte bündeln und Lösung finden

Mit der neu geschaffenen Plattform möchte man eine Schließung der Kindergärten verhindern. „Wir haben so viele Rückmeldungen bekommen. Mit der Plattform wollen wir verhindern, dass Eltern möglicherweise Alleingänge machen. Wir wollen unsere Kräfte und Ideen bündeln. Jetzt gilt es, die nächsten zwei Jahre bis 2022 auch sinnvoll zu nützen“, so Spielbichler. Insgesamt gibt es 27 Mitglieder aus jeder betroffenen Pfarre. Gemanaget wird die Plattform übrigens von Günther Schneider vom Schwarzataler Social Club.

Geplante Schließung wegen Wirtschaft

„Uns wurde gesagt, dass die Diözese Wien aus wirtschaftlichen Gründen die Kindergärten nicht mehr weiter finanziert. Ob sie nicht mehr will oder einfach nicht mehr kann, kann ich nicht sagen“, gibt Spielbichler zu. Man wolle jetzt aber auf keinen Fall einen Schuldigen suchen. „Wir geben der Diözese keine Schuld. Es gibt bezüglich der Kindergärten noch Gespräche mit dem Land und auch der Erzdiözese. Dann wird man weitersehen“, so die Pfarrgemeinderätin. Was man allerdings nicht befürworte, sei die Umwandlung in Landeskindergärten. „Es sollen schon noch die kirchlichen Werte übermittelt werden.“

NOEN

Bei der Erzdiözese Wien sieht man die Sorgen der Eltern um ihre Kinder nicht als Widerstand. „Wir sind optimistisch, dass wir alle gemeinsam gute Wege finden werden“, so der Sprecher der Erzdiözese Wien, Michael Prüller. Was man auf keinen Fall wolle, sei, die Kindergärten einfach so zu schließen. Man wolle die Betreuungsstätten „in eine Trägerschaft überführen oder auf andere Weise in eine zukunftsfähige Form bringen“, schreibt Prüller in einem Statement.

Die Gründe für die Schließung der letzten neun Pfarrkindergärten der Diözese ist der finanziellen Situation zuzuschreiben. „Die Pfarrkindergärten in Niederösterreich sind aufgrund der schwierigen Finanzsituation nicht mehr konkurrenzfähig. Schon vor Jahren mussten deshalb die Pfarrkindergärten der Diözese St. Pölten und die Kindergärten der Caritas aufgegeben bzw. an die öffentliche Hand weitergegeben werden“, heißt es in der Aussendung. Die Kosten für die Instandhaltung sind laut Diözese nicht mehr tragbar und „weder den Kirchbeitragszahlern, noch den Eltern zuzumuten“, so Prüller.

In den nächsten zwei Jahren sind deshalb die Pfarren am Zug. Sie sollen Partner oder Nachfolger finden. „Wobei die öffentliche Hand hier an erster Stelle steht“, heißt es seitens der Erzdiözese. „Wir sind optimistisch, dass alle Kinder auch weiterhin einen Kindergartenplatz haben werden“, meint Prüller.