Gegner bringen fachliche Stellungnahme ein. In Bezug auf den Antrag auf Wiederaufnahme der Genehmigungsverfahren für den Semmering-Basistunnel hat sich die Initiative "Alliance for Nature" (AFN) auf eine fachliche Stellungnahme zu den Verunreinigungen im Göstritz- und Auebach sowie in der Schwarza gestützt.

Von Redaktion, APA. Erstellt am 20. Juli 2019 (10:13)
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Die Expertise wird dem Bundesverwaltungsgericht, der Staatsanwaltschaft Wiener Neustadt und dem Landeskriminalamt übermittelt, hieß es.

Der durch die AFN beauftragte Sachverständige für Ingenieurgeologie, Josef Lueger, kommt in der Stellungnahme zu dem Schluss, dass das "milchige Aussehen" der betroffenen Gewässerabschnitte auf "Gipspartikel mit sehr kleinen Korngrößen" aus der "Schluff- oder Tonfraktion" herrühren könnte. Sinken diese Schwebstoffe zu Boden, verstopfen sie der ingenieurgeologischen Stellungnahme zufolge die Poren der Gewässersohlen.

"Ein massives Absterben von Kleinlebewesen"

"Dadurch werden die dort angesiedelten Lebewesen erstickt und von der Nahrungszufuhr abgeschnitten", hieß es in der der APA vorliegenden Expertise. Eine Folge davon sei massives Absterben von KIeinlebewesen und Pflanzen, das wiederum Fischen die Nahrungsgrundlage entziehe. "Es ist auch davon auszugehen, dass die Schwebstoffe die Kiemen von Fischen verlegen und ihre Sauerstoffversorgung erschweren oder sogar unmöglich machen", wurde betont.

Die Bezirkshauptmannschaft Neunkirchen hat in ihrer jüngsten Stellungnahme am Mittwoch erklärt, dass in den betroffenen Gewässern mineralische Materialien festgestellt wurden. Laut einem chemisch-technischen Amtssachverständigen liegen überhöhte Messergebnisse bei den Trübstoffen bzw. abfiltrierbaren Stoffen vor.

Langfristige Wirkung sei noch nicht bekannt

Diese Trübstoffe seien "als nicht gefährlich anzusehen", wurde hervorgestrichen. Gefährdungen für Mensch und Säugetier bestehen nach Bezirkshauptmannschafts-Angaben nicht, jedoch können bei "längerfristigen Einwirkungen Schädigungen von Wasserlebewesen nicht ausgeschlossen werden". Im Rahmen des durch das Land Niederösterreich angeordneten Gewässermonitorings wurde die Entnahme von weiteren Proben angekündigt.

Lueger nahm auch auf die bei den Bauarbeiten entstandenen Wassereinbrüche an sich Bezug. Seiner Stellungnahme nach sind die Gewässerschutzanlagen am betroffenen Areal "aufgrund der unrichtigen Bergwasser-Prognosen der ÖBB" zu gering dimensioniert. Die Anlagen seien "bei weitem nicht in der Lage", die Wassermengen und die Inhaltsstoffe zu bewältigen. Ähnliches ist laut dem Sachverständigen "auch bei den noch aufzufahrenden Tunnelabschnitten zu erwarten". Lueger forderte daher den Einbau effizienter Tunnelabdichtungen, "um weiteren Schadereignissen entgegenzuwirken". Die AFN bekräftigte in einer Aussendung zudem die Forderung nach einem Baustopp.

Die ÖBB sehen indes "rechtlich keine Grundlage für eine Wiederaufnahme des Genehmigungsverfahrens", wie auf der Website festgehalten wurde. Der entsprechende Antrag der AFN sei dem Unternehmen inhaltlich auch noch nicht bekannt.

"Die Ereignisse rund um die Wasserzutritte und Wassertrübungen" seien "bei "Tunnelbauarbeiten dieser Komplexität nicht unüblich", hieß es. Im Zuge der Planungen sowie im Rahmen der Behördenverfahren seien derartige Szenarien berücksichtigt worden. "In Abstimmung mit der Behörde und ihren Sachverständigen" sei "rasch und umgehend auf die Herausforderungen, die uns der Berg gestellt hat" reagiert worden, hieß es seitens der ÖBB.

Bereits am Mittwoch wurde von der "Alliance for Nature" beim Bundesverwaltungsgericht die Wiederaufnahme der Genehmigungsverfahren für den Semmering-Basistunnel beantragt. Die nun veröffentliche Stellungnahme soll am (heutigen) Samstag übermittelt werden. Die Staatsanwaltschaft Wiener Neustadt prüft in dieser Causa den Anfangsverdacht der fahrlässigen Beeinträchtigung der Umwelt, wie am Freitag mitgeteilt wurde.