Rot-weiß-rote Highlights am Zauberberg. Die Schweizerin Michelle Gisin feierte beim Nachtslalom am Semmering ihren ersten Weltcupsieg vor Kathi Liensberger. Die Niederösterreicherin Katharina Huber belegte Rang zehn.

Von Wolfgang Wallner. Erstellt am 30. Dezember 2020 (07:10)
Die Niederösterreicherin Katharina Huber fuhr bei ihrem Heimrennen unter die Top Ten.
APA/expa/Florian Schrötter

Österreichs Skigirls haben am Zauberberg ein kräftiges Lebenszeichen von sich gegeben. Allen voran Katharina Liensberger, die beim Slalom-Heimspiel am Semmering ihren ersten Weltcupsieg nur hauchdünn verpasste. Um nur elf Hundertstel musste sich die Österreicherin Dienstagabend der Schweizer Premierensiegerin Michelle Gisin geschlagen geben. Die Halbzeitführende Mikaela Shiffrin (USA) wurde Dritte, die Slowakin Petra Vlhova verteidigte als Vierte ihre Führung im Gesamtweltcup erfolgreich. Die St. Georgenerin Kathi Huber fuhr unter die besten Zehn.

Nichts für schwache Nerven

Einen Tag nach den dramatischen Föhnsturm-Szenen im abgebrochenen Riesentorlauf wurde der wieder unter Flutlicht ausgetragene Slalom zu einem sportlichen Thriller. Nur zwei Hundertstel Vorsprung hatte Shiffrin zur Halbzeit auf Gisin, Liensberger und Truppe lagen als Dritte bzw. Vierte hingegen schon deutlicher zurück. Unerwartet kam Platz sechs mit deutlichem Rückstand für Vlhova, die die jüngsten fünf Slaloms vor Semmering gewonnen hatte.

Vlhovas Serie ging zu Ende

In der hochspannenden Entscheidung ging es dann einigen Serien an den Kragen. Positiv vor allem für Siegerin Gisin sowie Liensberger: die Österreicherin carvte dank Laufbestzeit nach fünf dritten Plätzen im Weltcup erstmals auf Platz zwei. Gisin beendete mit ihren ersten Weltcupsieg - exakt acht Jahre nach ihrem Weltcup-Debüt am Semmering - nach über 18 Jahren die lange Negativserie der Schweizerinnen im Slalom. Letzte eidgenössische Slalomsiegerin vor ihr war im Jänner 2002 Marlies Öster in Berchtesgaden gewesen.

Shiffrin (19) und Vlhova (9), die sich die Siege in den letzten 28 Weltcupslaloms davor aufgeteilt hatten, gingen hingegen diesmal leer aus. Für Vlhova fand damit auch die einjährige Ungeschlagenheit in dieser Disziplin ihr Ende.

"Ich bin superhappy über Platz zwei", jubelte Liensberger nach einem wahren Traumlauf. "Es ist zwar kein erster Platz, aber er fühlt sich an wie ein Sieg an", jubelte sie nach fünf dritten über ihren ersten zweiten Platz. Während auch Shiffrin hinter ihr blieb, verhinderte nur Gisin den Sprung der Vorarlbergerin ganz nach oben.

Mit Herz an die Spitze

"Michelle hat das super gemacht. Es war wirklich nicht mehr einfach mit den vielen Spuren, ich musste echt ans Limit gehen", strahlte Liensberger trotzdem und bedankte sich bei ihrem Mentalcoach sowie ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel. "Er hat mir geraten, einfach mit Herz zu fahren. Dann habe ich den Ski einfach gehen lassen und voll gepusht."

Gisin wirkte sichtlich erleichtert, nachdem sie in ihrem 144. Weltcuprennen erstmals ganz oben stand. "Endlich werden wir nicht mehr darauf angesprochen", war sie natürlich auch über das Ende der langen Slalom-Durststrecke glücklich. "Es war ein absolut perfekter Tag."

Truppe war trotz des Rückfalls auf Platz sechs zufrieden, hatte sie das Rennen doch mit ihrer "Angstnummer" 1 bestritten. "Das ist bei der Premiere vor einem Jahr in Lienz dermaßen in die Hose (Platz 18, Anm.) gegangen. Deshalb habe ich diesmal schlecht geschlafen und war sehr nervös", freute sich die erleichterte Kärntnerin über ihr bestes Saisonergebnis nach zwei 7. Plätzen in Levi. "Trotzdem fahre ich noch immer ein bissl mit Handbremse."

Das Gaspedal gefunden

Während die Halbzeit-Siebente Franziska Gritsch in der Entscheidung ausfiel, stieß Katharina Huber vom 20. noch auf den 10. Endrang vor und war damit drittbeste der auch ohne die verletzte Bernadette Schild sechs für das Finale qualifizierten ÖSV-Fahrerinnen. "Ich habe den ersten Durchgang total verbremst. Der zweite war dann um einiges besser", erklärte die NÖ-Lokalmatadorin. Chiara Mair rutschte von Platz 10 auf 12 ab und erklärte das u.a. mit anhaltenden Kopfschmerzen. Die Göstlingerin Katharina Gallhuber verpatzte ihren zweiten Lauf total und wurde nur 26.