Ternitzer Künstlerin: "Durch Malen Virus vergessen". Die Ternitzer Künstlerin Sonja Stickler schaffte schon früh den Durchbruch in der Künstlerszene. Während „Corona“ widmete sie sich einem neuen Thema.

Von Johannes Authried. Erstellt am 13. September 2020 (04:34)
Sonja Stickler vor einem Gemälde aus der Serie „Blumen“.
Authried

Noch bevor Sonja Stickler lesen und schreiben konnte, hat sie gezeichnet. „Alle weißen Flächen wurden von mir vollgekritzelt. Ob Innenkastentüren, die Schornsteinmauer, Hefte, Tische und so weiter. Das ging so weit, dass meine Eltern mir verboten haben zu zeichnen“, erinnert sich die heute erfolgreiche Musikerin, Malerin und designierte Leiterin der Stadtgalerie Ternitz zurück.

Mit 20 hat Stickler heimlich in der Wiener Kunstschule für die Abteilung Malerei und Grafik inskribiert. Die erste Ausstellung im Café Museum wurde gleich ein Erfolg. Professor Ernst Fuchs (1930-2015) mischte sich unter die Vernissage-Gäste und lobte Sticklers Arbeiten – es waren die Linienführungen, die ihm gefielen. Anschließend studierte sie noch zwei Jahre Keramik und zwei Jahre Aktzeichnen bei Professor Adolf Frohner (1934-2007).

Mit 22 Jahren verkaufte sie an einem Vernissage-Abend 19 Aktzeichnungen. „Als schüchterne Künstlerin fiel mir die Überwindung schwer, im Mittelpunkt zu stehen, mich zu präsentieren. Dem Bild eines Künstlers zu entsprechen, fiel mir schwer, da ich damals nicht wusste, dass meine Bilder sowieso authentisch waren und für sich selbst sprachen. Ich musste nicht überzeugen, die Bilder kamen beim Publikum gut an“, so die Ternitzer Künstlerin. Besonders stolz ist sie darauf, dass sich eine Aktzeichnung im Besitz der Grafischen Sammlung der Albertina befindet.

Inspiration auf Reisen gesammelt

Es folgte Ausstellung um Ausstellung und Reisen nach Asien und Lateinamerika, wo sie von den Tropen und von Paul Gauguin inspiriert wurde. Dabei entstand die Tropenserie (farbkräftige Landschaften, gemalt mit Öl auf Leinwand), danach die Raubkatzenporträts (Acryl auf Leinen in Popart).

Sonja Stickler wollte sich nie festlegen, eine bestimmte Richtung beizubehalten. Das war auch nie ihre Ambition. Alles, was sie inspirierte, wollte sie malen. Sie blieb aber im Grunde immer bei der gegenständlichen Malerei.

Immer wieder inspirierte Stickler das Können der alten Meister, der Impressionisten, der Expressionisten und der Maler des Jugendstils. So entstanden Bilder wie „Der Birkenwald“ oder „Das Rosenfeld bei Schloss Halbturn“, in denen Stickler das Flimmern des Lichts darstellte.

Während der Coronakrise im Frühling nützte sie die Gelegenheit für ein neues Thema: Blumen. „Einfach dem Pinsel folgend das Virus vergessen. Ich malte an mehreren Bildern gleichzeitig und konnte nicht mehr aufhören.“ So entstanden heuer 60 Blumenbilder in der Technik Acryl und Aquarell. Zu sehen sind sie im nächsten Jahr in Bad Fischau.