Der Mailverkehr mit dem Amokläufer. Jener 43-jährige Mann, der in Deutschland in der Nacht auf Donnerstag aus rassistischen Motiven zehn Personen erschossen, hat sich Wochen vor der Tat an ein Ternitzer Institut um Hilfe gewandt. Jedoch vergeblich. Das schreibt er in seinem wirren Manifest. das der NÖN vorliegt. Doch wer ist jener ominöse Mann, von dem er sich Hilfe versprochen hat? Die NÖN begab sich auf Spurensuche und konnte mit ihm reden.

Von Christian Feigl. Erstellt am 20. Februar 2020 (13:09)
In der Ternitzer ,Remote Viewing School" suchte der Amokläufer vor seiner Tat Hilfe.
Christian Feigl

Von außen ist nur die gelbe Farbe des Hauses auffällig, in dem sich in der Ternitzer Ruedlstraße die ,,Remote Viewing School" von Bernd Gloggnitzer befindet. Kein Türschild, keine große Werbetafel an der Fassade. Am Schreibtisch steht ein Teller Spaghetti, als die NÖN zu Mittag das Büro betritt, doch zum Essen kommt der 37-jährige Pottschacher im Moment ohnehin nicht: ,,Das Telefon läutet im Minutentakt, jeder will etwas zu dem Fall wissen!"

Bernd Gloggnitzer hatte sofort erkannt, dass es sich bei dem Mailschreiber um einen "Typ handelte, der nicht alle Tassen im Schrank hat!"
Christian Feigl

Als er zum ersten Mal in aller Früh von einem deutschen Journalisten mit dem Inhalt des Manifests kontaktiert worden war, ist er aus allen Wolken gefallen: ,,Da habe ich von der Tragödie noch gar nichts gewusst", erzählt der stattliche Intuitionstrainer mit  seinem runden Gesicht, sanften Gemüt und einer offenen Art. Eigentlich sei er ja zu der Geschichte wie sprichwörtlich die Jungfrau zum Kind gekommen.

,,Offenbar hat ein Detektiv, der unsere Methoden kennt, uns weiterempfohlen", glaubt Gloggnitzer. Die Methoden, die er seit der Übernahme des Institutes im Jahr 2015 lehrt, befassen sich im Grunde damit, die richtige Entscheidung zu treffen, mehr aus der Intuition, also aus dem Bauch, und nicht dem Kopf heraus, wie er erklärt. ,,Viele nutzen das für wirtschaftliche Belange, andere für andere Dinge, darunter sind auch leider immer wieder Anfragen von Verwirrten!" So wie jene aus Deutschland.

Bei der Gloggnitzer sofort von Anfang an erkannt hat, ,,dass dieser Typ nicht alle Tassen im Schrank hat. Ich habe mich deshalb dann auch per Mail sehr kurz gehalten, ihm gesagt, dass ich nicht helfen kann und hatte auch weder telefonischen noch persönlichen Kontakt", bekräftigt er beim Besuch der NÖN und legt als Beweis den Mailverkehr vor, siehe unterhalb. Den letzten Kontakt gab es am 6. Jänner: ,,Seitdem habe ich zum Glück nichts mehr gehört." Bis, ja bis zur Schreckensnachricht von heute morgen.

Der Mailverkehr

Erste Mail:

"Hallo, ich habe von einem Privatdetektiv in Deutschland die Empfehlung erhalten sich mit meinem Anliegen an Sie zu wenden.
Bitte melden Sie sich telefonisch oder per E-Mail! 

Hinweis: Meine Mobilnummer ist logischerweise eine deutsche Rufnummer und die entsprechende Vorwahl nach Deutschland muss gewählt werden. 

Vielen Dank!

Freundliche Grüße

Tobias R."

Der Ternitzer Institutsleiter ließ die Mail unbeantwortet.

Zweite Mail
:

Guten Abend Herr Glognitzer,


hiermit möchte ich kurz nachfragen, ob Sie meine E-Mail mit dem Inhalt meiner Strafanzeige erhalten haben? 

Vorab vielen Dank für die Rückmeldung!

Freundliche Grüße 


Tobias R.

Die  Antwort:

Hallo Herr R.,

nein ich habe die Email nicht bekommen. 

Schöne Grüße 

Dritte Mail:  (beigefügt war dieses Mal eine seitenlange Anzeige an den Bundesstaatsanwalt mit den wildesten Verschwörung- und Rassentheorien).

Guten Abend Herr Gloggnitzer,

anbei finden Sie in der Anlage nochmal die Datei … 

Freundliche Grüße


Tobias R.

Der Ternitzer Institutsleiter ließ die Mail unbeantwortet.
 

Vierte Mail
:

Hallo Herr Gloggnitzer,

ich möchte dass Sie diese E-Mail nicht falsch verstehen, denn ich habe Ihnen letzten Freitag bereits eine Nachricht mit meinem „Tablet“ gesendet, allerdings wurde verschiedene Accounts (seit dem ich die Strafanzeige gestellt habe) – wie z.B. bei Amazon, Facebook, Booking.com, Paypal etc… – gehackt, so dass ich an einigen Tagen von meiner Telekom E-Mail Adresse keine eigenen E-Mails mehr versenden kann.

Dies war auch der Grund, weshalb Sie den Inhalt meiner Strafanzeige im ersten Anlauf nicht erhielten. 

Somit möchte ich mit dieser erneuten Nachricht nur sicherstellen, dass Sie meine Nachricht erhalten haben und zur Kenntnis nehmen, dass ich nochmal mit Ihnen Kontakt aufnehmen möchte.

Ich gehe davon aus, dass Sie den Inhalt meiner Strafanzeige nun kennen. 
 

Freundliche Grüße

Tobias R.


Die letzte Antwort:



Hallo Herr R.,

leider können wir ihnen nicht helfen. Der Fall ist unglaublich komplex und eine Ausfindigmachung der betreffenden Personen fast unmöglich. 

Vielen Dank für ihr Verständnis.

Schöne Grüße