Erstellt am 31. Dezember 2016, 05:00

von NÖN Redaktion

55 Jahre im Glockendienst. Bronzener Stephanusorden für Karoline Dinhobl aus Raglitz, die 55 Jahre lang – bis zu deren Elektrifizierung – die Raglitzer Glocke in der Dorfkapelle geläutet hat.

Ein Bild aus den Zeiten, wo Karoline Dinhobl noch händisch drei Mal am Tag die Glocke in der Dorfkapelle geläutet hat.  |  NOEN

„Gebetläuten“ sagt man auch heute noch in den Dörfern, dort wo eine Glocke die wichtigsten Tageszeiten einläutet. Heue geschieht dies seit 2009 bei der Glocke in der Raglitzer Ortskapelle dank einer Initiative der Lichtmessänger elektrisch. Aber 55 Jahre lang hat Karoline Dinhobl den Dienst des Läutens in der Ortskapelle durchgeführt. Dafür wurde sie nun von der Pfarre und der Diözese geehrt.

Über 60.000 Mal zum Gebet geläutet

Sohn Johann Dinhobl gibt einen kleinen mathematischen Einblick in die Leistung seiner Mutter: „55 Jahre lang, vom 1. März 1954 bis zum 6. Juni 2009 war es Frau Karoline Dinhobl, die mit dem Glockenstrick für die Dauer des Gebetes ,Der Engel des Herrn‘ die Glocke per Hand läutete.“

Und das zu verschlafener Zeit um 5 Uhr in der Früh, sowie um 12 Uhr und um 19 Uhr! Für das Läuten hat Karoline Dinhobl umgerechnet den Weg von Raglitz nach Santiago de Compostela – den Jakobsweg – zurückgelegt. In Zahlen gegossen, hat sie an 20.155 Tagen 60.465 mal geläutet – und 121.000 mal den Kapellenschlüssel umgedreht.

Stephanusorden verliehen

Karoline Dinhobl über das Brauchtum: „Das Gebetläuten hat eine lange Tradition und geht auf das 15. Jahrhundert zurück. Eigentlich eine Leihgabe aus den Tagesgebeten des Islam, die vom Papst Calixt III ins Christentum übergeleitet wurde, um den Tag in einen Gebetsrhythmus einzubetten und zudem mit dem Angelusgebet auch die Türkengefahr abzuwehren.“

Pfarrer Pater Markus Stark dankte im Sonntagsgottesdienst für diese treue Tätigkeit und verlieh im Namen von Kardinal Christoph Schönborn an Karoline Dinhobl den wohlverdienten Stephanusorden. Die gesamte Familie war beim Gottesdienst anwesend, viele Pfarrangehörige gratulierten, ganz besonders auch ÖVP-Gemeinderat Franz Fidler, der namens der gesamten Raglitzer Ortsbevölkerung seinen Dank aussprach.