100 Jahre Niederösterreich: Spindeln und Spulen

Erstellt am 04. Juni 2022 | 05:14
Lesezeit: 3 Min
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Die Neunkirchner Druckfabrik zu Beginn des 20. Jahrhunderts.
Foto: Stadtarchiv Neunkirchen
Die Geschichte der Stadt Neunkirchen war seit dem 19. Jahrhundert eng mit der Textilindustrie verbunden. Das 20. Jahrhundert brachte den Niedergang.
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Auch wenn man die Industrie in Neunkirchen oftmals mit der Schraubenfabrik in Verbindung bringt, liegen die Anfänge der Entwicklung in der Textilindustrie.

Der Wasserreichtum unserer Region führte bereits zu Beginn des 19. Jahrhunderts dazu, dass sich Betriebe ansiedelten, die die Wasserkraft nutzten. Eine dieser frühen Fabriken war die „Cotton-Druckfabrik“, welche sich bereits seit 1802 im Bereich der heutigen Allee- und Stockhammergasse befand. In der rasch expandierenden Firma wurden Baumwollstoffe bedruckt, dies wurde zuerst händisch und später maschinell durchgeführt. Ab 1867 firmierte die Druckfabrik als Aktiengesellschaft und auch die Belegschaft wuchs.

Vor dem Ersten Weltkrieg arbeiteten 600 Menschen hier, doch der Krieg brachte auch das Ende der ältesten Neunkirchner Fabrik. Die Absatzmärkte in Ost- und Südosteuropa waren mit Kriegsende weggebrochen und die Textilindustrie in Österreich in einer großen Krise. Die Führung der Druckfabrik versuchte unter anderem durch Grundstücksverkäufe das Ergebnis zu verbessern, doch die Weltwirtschaftskrise brachte im Sommer 1929 das endgültige Ende.

Eine weitere Textilfabrik in Neunkirchen war die nach der Fabrikantenfamilie Eltz „Eltzfabrik“ genannte Baumwollspinnerei. Dieses Werk, in dessen Überresten sich heute das Autohaus Orthuber befindet, hatte um die Jahrhundertwende 37.000 Spindeln in Betrieb und beschäftigte über 400 Personen. Sowohl die Eltzfabrik als auch die Druckfabrik waren ab 1909 über ein weitverzweigtes Schleppbahnnetz mit dem Lokalbahnhof verbunden, was den Warentransport sehr vereinfachte. Doch das Schicksal dieser Spinnerei gleicht dem der Druckfabrik: Trotz verzweifelter Gegenmaßnahmen war auch hier die Krise in der Textilindustrie nicht zu besiegen und die Weltwirtschaftskrise brachte im April 1930 das endgültige Aus.

Eng mit der Geschichte der Textilindustrie war auch die Entwicklung der „Papierhülsen- und Spulenfabrik Max Pam“ verbunden, da nämlich die Verpackung von Textilien derartige Hülsen und Spulen benötigt. Die unweit des Lokalbahnhofs gelegene Fabrik beschäftigte um 1900 etwa 200 Menschen. Nach dem Tod von Max Pam als „Max Pams Söhne“ firmierend, stellte man im Ersten Weltkrieg auf Rüstungsproduktion um und erzeugte zum Beispiel Leuchtraketen.

Max Pams Söhne hatten nach Kriegsende auch mit den Schwierigkeiten in der Textilindustrie zu kämpfen, konnten jedoch den Betrieb bis 1938 aufrechterhalten. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten wurde der Betrieb „arisiert“, in diesem konkreten Fall um einen Spottpreis an den Industriellen Prinzhorn, den Inhaber der Pittener Papierfabrik, verkauft. Nach schweren Bombentreffern im Frühjahr 1945 wurde dieses Werk nach Kriegsende nicht mehr in Betrieb genommen.

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