Steinböcke im Visier. Unterschriftenliste / Wieder wird das Problem der Steinbockpopulation auf der Hohen Wand per Listenführung emotional ausgeschlachtet.

Von Clemens Thavonat und Tina Jedlicka. Erstellt am 12. Mai 2014 (11:21)
NOEN, Baldauf
Werner Spinka: »Steinwildschinken schmeckt hervorragend!«
HÖFLEIN / HOHE WAND / Einen Aufschrei aus der Bevölkerung sowie den Reihen der Besucher, die Steinbockpopulation auf der Hohen Wand betreffend, gibt es derzeit wieder.

Der Wirt der Wilhelm Eichert Hütte Wolfgang Teubl hat eine Unterschriftenliste aufgelegt, um der Behörden-Entscheidung, heuer sogar 50 Tiere abzuschießen, entgegenzuwirken. „Warum kann man die Tiere nicht in Ruhe lassen, oder wenn sie stören, absiedeln?“, so der Gastronom. Seine Liste zieren bereits mehr als 200 Unterschriften und es werden immer mehr.

Nachdem im Vorjahr der Abschuss von 30 Tieren für Aufregung gesorgt hat, sorgt die Freigabe von 50 Tieren für Unverständnis bei einem Teil der Bevölkerung.

Wiener Neustadts Bezirksjägermeister und Landesjägermeisterstellvertreter Werner Spinka erklärt im NÖN-Gespräch die Beweggründe. „Wir müssen die Population eindämmen. Mit dem Abschuss der Tiere im Vorjahr wurde dieses Ziel nicht erreicht. Deshalb musste die Zahl, die für Höflein, Maiersdorf, Stollhof und die Randgebiete gilt, erhöht werden“, so Spinka weiter.

Nicht gänzliche  Ausrottung geplant

Gerade in einem Natura 2000-Gebiet sei das ein heikles Thema. 50 Pflanzenarten seien vom Steinwild bereits vernichtet worden. „Wir wollen das Steinwild nicht gänzlich entfernen, sondern eindämmen und dem natürlichen Lebensraum anpassen“, führt Spinka aus.

In den nächsten Jahren werde man mit den Abschusszahlen zurück gehen. Vermehrt werde das weibliche Wild zum Abschuss freigegeben. Seit 1. Mai seien „ein bis zweijährige Stücke“ freigegeben worden, ab erstem August betreffe das auch ältere. „Damit wollen wir die Reduktion fördern und nicht den Trophäenkult bei Jägern“, meint Spinka.

Das Abschießen des Steinwildes sei eine große Herausforderung für die Jäger, in einer touristisch gut besuchten Gegend wie der Hohen Wand. Spinka dazu: „Bei Schönwetter ist es praktisch unmöglich zu jagen, da muss man auf Regentage warten. Wenn Wanderer oder Kletterer unterwegs sind, wäre das zu riskant.“

Was mit den 50 erlegten Tieren passieren wird? „Sie werden erlegt und verkocht wie jedes andere Wildtier. Ich habe jetzt gerade einen Steinwildschinken in meinem Kühlschrank, der schmeckt hervorragend“, erzählt Spinka.



Abschusszahlen

• BH Wr. Neustadt verfügt 2003 Totalabschuss, Tierschützer sammeln 6.500 Unterschriften und verhindern das.
• Neun Tiere werden nach Bescheid 2011 geschossen
• Zwölf Tiere im Jahr 2012
• 2013 waren es 30 Tiere
• 2014 sollen es 50 sein.