Ukrainer auf den Spuren der Vermissten. Ukrainische Familie besuchte Grab des im Krieg gefallenen Großvaters in Pottschach.

Von Tanja Barta. Erstellt am 11. Mai 2019 (03:16)
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Friedrich Brettner (Mitte) half der ukrainischen Familie dabei, die Grabstätte ihres Groß- bzw. Urgroßvaters zu finden.

Die Spuren von über 100 gefallenen Soldaten aus dem Zweiten Weltkrieg konnte Historiker Friedrich Brettner bereits verfolgen. Nun half er auch einer ukrainischen Familie, die auf der Suche nach der Grabstätte ihres Großvaters war. Er ist damals im Semmering-Gebiet gefallen und wurde am Pottschacher Russenfriedhof begraben. In der Vorwoche besuchte die Familie im Beisein von Brettner die letzte Ruhestätte ihres Verwandten.

Ein Skiunfall, der ihn ein halbes Jahr außer Gefecht setzte, brachte den pensionierten Gendarm Friedrich Brettner dazu, sich näher mit dem Thema Zweiter Weltkrieg zu befassen. „Ich hab‘ schon damals mit Freunden immer wieder darüber gesprochen, wie das damals wohl abgelaufen ist“, erzählt er. Ein Erlebnis in Maria Schutz, hier war ebenfalls eine Kampfzone, brachte ihn dann dazu, mehr nachzurecherchieren und sein erstes Buch zu schreiben. „Ich habe mit dem damaligen Pfarrer gesprochen, der mir erzählt hat, dass immer wieder Soldaten herkommen, die damals hier gekämpft haben“, erinnert sich der 84-Jährige an die Anfänge seiner Autoren-Karriere zurück.

„An einer Stelle habe ich einmal eine Steinplatte aufgehoben und darunter eine Schädeldecke entdeckt!“ Friedrich Brettner

Von Ghans bis hin zum Feistritzsattel hat er nach Spuren des Zweiten Weltkrieges gesucht und auch gefunden. „An einer Stelle habe ich einmal eine Steinplatte aufgehoben und darunter eine Schädeldecke entdeckt“, so Brettner über einen seiner Funde.

Ein Thema, mit dem sich der Gloggnitzer ebenfalls immer wieder auseinandersetzte, waren die Russenfriedhöfe der Region. „Die meisten Gefallenen vom Semmeringgebiet wurden nach Pottschach gebracht“, weiß er. Mittlerweile hat Brettner bereits rund 100 Familien geholfen, die Gräber ihrer im Krieg gefallenen Verwandten zu finden.

Das ist aber keine leichte Angelegenheit, denn Namen befinden sich auf den Grabsteinen keine, sondern nur Inschriften. „Jeder Stein hat seine eigene Nummer. Aber es gab nur für Offiziere eigene Gräber. Alle anderen wurden in Massengräbern bestattet“, so Brettner. Jener Familie aus der Ukraine konnte der 84-Jährige aber helfen. „Meine Frau und ich haben die Familie zum Pottschacher Russenfriedhof begleitet und ihnen gezeigt, wo ihr Großvater bzw. Urgroßvater bestattet wurde. Das war schon ein emotionaler Moment“, freut sich Friedrich Brettner, dass er bei der Suche helfen konnte.