Ortschef im NÖN-Interview: „Ist eine Herausforderung“. Anlässlich seines 25-Jahr-Jubiläums als Ortschef sprach Engelbert Ringhofer über Höhen und Tiefen, die Entwicklung der Gemeinde – und deren viele Postleitzahlen...

Von Philipp Grabner. Erstellt am 24. August 2018 (04:30)
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NÖN: Ihrer Wahl im Jahr 1993 gingen die „Überredungskünste“ vom damaligen Parteichef Franz Beisteiner und vom damaligen Vizebürgermeister Ludwig Dienbauer voraus. Die mussten Sie, so heißt es, überreden, als Bürgermeister zu kandidieren. Wie war das?

Engelbert Ringhofer: Nötig wurde die Wahl, weil der damalige Bürgermeister sehr plötzlich verstorben ist. In den Parteigremien wurde dann natürlich diskutiert, wer dieses Amt übernehmen könnte. Der damalige Parteiobmann Franz Beisteiner und der damalige Vizebürgermeister Ludwig Dienbauer sind damals an mich herangetreten und haben mich gebeten, das zu machen. Ich kann mich noch erinnern: Wir waren beim Waldfest in Zöbern, als der Franz Beisteiner gesagt hat: ,Du wirst unser nächster Bürgermeister.‘ Ich habe ihn gefragt, wie er auf das kommt, immerhin hat es ja Leute im Gemeinderat gegeben, die dort schon länger Mitglied waren. Schließlich habe ich mich mit der Familie beraten und entschieden, es zu tun. Zuvor waren wir uns innerhalb der Partei nicht einig, denn es gab neben mir noch einen zweiten Kandidaten (Johann Riegler, Anm. d. Red.). Schließlich habe ich dann aber die Mehrheit bekommen und seitdem sind alle hinter mir gestanden. Da gab es dann nie mehr wieder eine Debatte darüber. Auch unsere Gemeindebediensteten machen ihre Arbeit sehr gut und unterstützen mich dadurch.

Das heißt, Sie mussten sich an Ihre neue Funktion schon auch erst gewöhnen, oder?

Ringhofer: Ja, schon, denn ich war ja erst drei Jahre lang im Gemeinderat. Zu Gute gekommen ist mir, dass ich bereits im Prüfungsausschuss mitgearbeitet habe – da lernt man auch sehr viel. Aber klar: Wenn man tagtäglich Entscheidungen treffen muss, ist das was anderes.

Was waren in diesen 25 Jahren die größten Herausforderungen?

Ringhofer: Wir haben schon einiges bewegen können: Da wir keinen Fremdenverkehr haben, haben wir immer auf die Betriebe gesetzt. Außerdem haben wir mit Edlitz einen Kindergarten gebaut, den wir heuer um eine Gruppe erweitern müssen. Durch die Wohnhausbauten haben wir die Abwanderung gestoppt.

Und was waren die schwierigeren Situationen in Ihrer Amtszeit?

Ringhofer: Unangenehm ist es immer dann, wenn man jemandem eine Absage erteilen muss – etwa in Bauangelegenheiten. Einen schwierigen Tag hatte ich, als ein junger Feuerwehrkamerad vor einigen Jahren verunglückt ist. Ich bin ja auch Mitglied der Feuerwehr Königsberg. Das ist nicht schön, aber da muss man durch. Es gab dafür wieder schöne Seiten: Wohnhaus- oder Geschäftseröffnungen oder der Feuerwehrhaus-Neubau.

Die Gemeinde Thomasberg hat schon sehr viele Besonderheiten: Das Gemeindeamt steht in der Nachbargemeinde, das Gemeindegebiet ist weit verstreut, es gibt drei Feuerwehren – das ist schon eine zusätzliche Herausforderung.

Ringhofer: Das stimmt schon. Unsere Schüler gehen in verschiedenste Schulen, es gibt fünf Postleitzahlen und vier Telefonvorwahlen (lacht). Das ist eine kleine Herausforderung, aber wir kooperieren mit allen Gemeinden sehr gut.

Das heißt, die Eigenständigkeit der Gemeinde macht für Sie und die Bürger schon Sinn, oder?

Ringhofer: Unbedingt. Von außen wird das zwar hin und wieder thematisiert, aber aus der Bevölkerung wird das nicht gewünscht. Mit den Betrieben etwa geht es uns schon sehr gut.

Als Bürgermeister ist man ja quasi immer und überall erreichbar und auch am Wochenende viel unterwegs. Wie vereinbaren Sie das mit der Familie?

Ringhofer: Die Familie hat mich da immer unterstützt – und sooft es möglich ist, begleitet mich auch meine Frau zu Veranstaltungen. Im Sommer bleibt quasi kein freier Sonntag, weil immer irgendein Termin anfällt.

Im Jahr 2020 wird ein neuer Gemeinderat gewählt. Haben Sie sich über eine Wiederkandidatur schon Gedanken gemacht?

Ringhofer: Natürlich diskutieren wir intern schon darüber – und da gehen die Meinung schon auseinander. Ich überlasse das mehr oder weniger den Gremien – und die Gesundheit muss schon auch mitspielen.

Sie würden zur Verfügung stehen, wenn es gesundheitlich passt?

Ringhofer: Das kommt drauf an. Wenn es jemanden gibt, der das machen will, habe ich kein Problem, aufzuhören. Ich bin da für alles offen!