Bedürfnis nach Tierliebe im Bezirk Neunkirchen. Im Ternitzer Tierheim ist man vor allem mit Hunden und Kaninchen überlastet. Die Spendenbereitschaft ging während der Krise jedoch in die Höhe.

Von Nadine Gasteiner. Erstellt am 03. Februar 2021 (04:45)
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Die geliebten Haustiere sind, vor allem in Zeiten wie diesen, wahre Wohltäter für Leib und Seele. Normalerweise warten sie nur auf das Nachhausekommen ihres Besitzers. Das hat sich im vergangenen Jahr jedoch massiv verändert – Homeoffice stellte für einen Großteil der Bevölkerung den neuen Alltag dar. Für manche wird die Belastung aber zu hoch und sie fühlen sich mit der zusätzlichen Versorgung der Haustiere überfordert – viele Tiere landen so im Tierheim.

Elisabeth Platzky, Leiterin des Tierheims Ternitz, bemerkt diesen Effekt der Corona-Pandemie bei den Besitzern: „Am Anfang wurden weniger Tiere abgegeben, jetzt ist es aber vermehrt. Manche hatten vielleicht vorher schon eine psychische Belastung und möchten jetzt ihr Tier abgeben.“ Corona macht es Hundebesitzern auch nicht leicht. Denn einmal in Heimquarantäne, geht auch die Möglichkeit des „Gassi-Gehens“ verloren. Diese Schwierigkeiten musste auch der Reichenauer Tierarzt Wolfgang Tritt am eigenen Leibe erfahren. Während seiner schweren Corona-Erkrankung im vergangenen Jahr steckten sich auch seine Frau und seine Tochter mit dem Virus an. „Bei uns sind dann zum Glück die Nachbarn eingesprungen. Das war für uns kein Problem, aber wenn man in einer Wohnung beziehungsweise in der Stadt lebt, schaut das natürlich anders aus“, erklärt Tritt.

Gesteigertes Bedürfnis nach Haustieren

Aktuell sind im Ternitzer Tierheim 16 Hunde, 39 Katzen, 15 Kaninchen, vier Ziegen sowie ein Kamerun-Schaf, zwei Erpel, neun Hühner und sogar ein paar Tauben untergebracht – zu viel, erklärt Platzky, vor allem bei den Hunden und Kaninchen. Tierheime wurden als Dienstleistungsunternehmen gewertet, die nicht körpernah agieren, deshalb dürfen sie geöffnet sein. „Aber wenn nichts vergeben wird, ist irgendwann das Nadelöhr zu“, betont Platzky. Die Türen sind hier für Mensch und Tier geöffnet, jedoch unter Berücksichtigung der Covid-Bestimmungen. Sie schildert, dass trotzdem die Möglichkeit besteht, sich Tiere anzusehen. „Bei einem Hund gibt es zum Beispiel die Lösung, dass man gemeinsam spazieren geht und ansonsten mit FFP2-Maske und Abstand“, erklärt die Tierheim-Leiterin.

Das gesteigerte Bedürfnis nach Haustieren in Zeiten von Corona sieht Platzky jedoch skeptisch, denn man müsse bedenken, wie es langfristig weitergeht. „Wenn die Zeit für die Eingewöhnung durch das Homeoffice da ist, dann ist das super! Die Tiere sind aber auch viel anhänglicher als sonst und gewöhnen sich schnell an die neuen Umstände.“ Auch Tierarzt Tritt sieht diesen „Trend“ eher kritisch. Er betont die Wichtigkeit der Betreuungsmöglichkeiten und, dass man dies „ins Kalkül ziehen muss“ bei der Überlegung, ein Haustier zu „adoptieren“.

Platzky freut sich jedoch über einen positiven Aspekt der Pandemie auf die Tierheime: Die Spendenbereitschaft ist in Ternitz gestiegen. Sie vermutet, dass zum Beispiel aufgrund der ausgefallenen Urlaube im vergangenen Jahr mehr Geld zum Spenden übergeblieben ist.

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