Aus Neunkirchner Kult-Disco wird Senioren-Residenz

Erstellt am 08. Dezember 2022 | 05:45
Lesezeit: 3 Min
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Das vom Klagenfurter Architekten Günther Domenig und Eilfried Huth konzipierte Haus in der Eltzgasse.
Foto: Johannes Authried
Einstiger Tanztempel in der Eltzgasse wird um zwölf barrierefreie Appartements erweitert.
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In den 80er und 90er Jahren war das Haus in Sachen Tanztempel im Bezirk eine Institution. Jahrzehnte später spricht und erinnert man sich immer noch an die durchtanzten Nächte im „Top Dancing“ in der Eltzgasse 9, gelegen in einer der ruhigsten Wohngegenden der Bezirkshauptstadt.

Erst Jahre später wurde publik, in welchem Haus man die Abende eigentlich verbracht hat. Und zwar im einzigen vom Klagenfurter Architekten Günther Domenig (1934-2012), in Zusammenarbeit mit seinem Studienkollegen und Fußballfreund Eilfried Huth, konzipierten Einfamilienhaus, das letztendlich nie als solches diente. Die ersten Pläne stammen aus dem Jahr 1964, gebaut wurde es 1973. Der Auftraggeber, die Familie Eigner, ließ das Haus bauen und vermietete es im Laufe der Jahre – ohne je selbst darin zu wohnen.

Das Haus gilt als ein architektonisches Juwel

Kein Besucher von damals kam auf die Idee, dass er sich in einem architektonischen Juwel befindet. Außer vielleicht wenn er im Inneren den groß dimensionierten skulpturalen Betonkamin am Rand der Tanzfläche sah. Nach dem Aus der Disco folgte eine Kindertagesstätte und zum Schluss wurde es als Büro für Suchtgiftbetreuung vom Anton-Proksch-Institut genutzt. Das Haus wirkt heute straßenseitig unauffällig, erst von der Hauptseite vom Garten aus ist das Schmuckstück sichtbar. Seit 2021 heißt der neue Besitzer Architekt Dieter Spath, er arbeitete im Büro Domenig. Er erfuhr vor Jahren von dem einzigartigen Domenig-Huth-Haus in Neunkirchen. Er begann zu recherchieren und bald war für ihn klar: Das Gebäude mit Geschichte und Denkmalstatus muss erhalten bleiben. Geplant ist, das Haus in seinen ursprünglichen Zustand zurückzuführen und wieder im brutalistischen Betonglanz erstrahlen zu lassen. Spath unterrichtet in St. Pölten auf der New Design University. Mit seinen Studenten war er bereits in Neunkirchen und nahm das Projekt im Rahmen einer Semester-Entwurfsarbeit in sein Studium auf.

„Unsere Gesellschaft wird älter. Und wir alle stellen uns früher oder später die Frage: Wie wollen wir in Zukunft wohnen und leben?“, so der Wiener Architekt Dieter Spath, der gemeinsam mit dem Neunkirchner Andreas Lierzer überzeugt ist, eine überzeugende Antwort gefunden zu haben.

Neben dem „Top Dancing“ soll neuer Wohnraum für Menschen ab 60 Jahre geschaffen werden. Zwölf barrierefreie Apartments mit je ca. 55 Quadratmeter Wohnfläche, mit Balkon, Terrasse oder Gartenanteil, werden im hinteren Teil des Gartens gebaut. Das „Stammhaus“ (177 Quadratmeter) selbst wird zum Clubhaus. Für Betreutes Wohnen ist man gerüstet: Mit der „Volkshilfe“ hat man bereits Pflegemodule ausgehandelt. Die Bauzeit beträgt ein Jahr, gestartet wird im Frühjahr 2023. Die Gesamtkosten werden sich auf 2,5 Millionen Euro belaufen.

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