Bezirk Neunkirchen: Automarkt steht auf der Bremse. Ein Viertel weniger Neuzulassungen als 2019. Autohändler bemerken Interesse an Alternativantrieben.

Von Nadine Gasteiner. Erstellt am 27. Januar 2021 (04:45)
Symbolbild
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Wie so viele andere Branchen leidet auch der Automarkt unter den Folgen der Pandemie. Gut ein Viertel weniger Pkw-Neuzulassungen wurden im vergangenen Jahr verzeichnet: 2020 war das schlechteste Jahr für die Autobranche seit 33 Jahren.

Laut Statistik Austria waren es 2019 noch insgesamt 2.546 Neuzulassungen im Bezirk Neunkirchen. Im Vorjahr jedoch wurden – passenderweise – exakt 2.020 registriert. Der stärkste Rückgang zeigt sich bei den Pkws mit Benzin- und Dieselmotoren. Die Neuzulassungen von Autos mit Benzinmotoren gingen von 1.527 auf 1.032 zurück. Auch beim Diesel zeigt sich ein ähnliches Bild: Nur noch 629 statt vormals 842 Neuzulassungen wurden registriert.

Ein gewisser Bereich macht jedoch Hoffnung. Alternativantriebe werden immer beliebter, wobei Umweltministerin Leonore Gewessler (Grüne) gegenüber der APA sogar von einem Rekordjahr sprach. Im Bezirk Neunkirchen wurden insgesamt 77 Elektroautos und 280 Autos mit Hybridantrieb zugelassen. Auch Marketingleiter Michael Stangl vom Autohaus Orthuber bemerkt den Boom: „Was uns ein bisschen aufgefangen hat, waren die Elektromobilitätsangebote. Bei Volkswagen (VW) und Seat sind die neuen Hybridmodelle da und da sind die Leute schon ein bisschen aufgesprungen. Wir sind halt im Homeoffice und beantworten die Fragen im Internet.“

Im Autohaus Griessner merkt man die steigende Beliebtheit bei Alternativantrieben ebenso: „Es ist so, dass die CO2-Emissionswerte im nächsten Schritt nach unten kommen (neue NoVA, Anm.) und langsam Hybrid und dergleichen gepusht werden. Der Unterschied zwischen Elektro und Verbrennung ist nicht mehr so groß, deshalb wird das auch ansteigen“, erzählt Geschäftsführer Ferdinand Griessner. Trotz des Aufschwungs im Bereich der Elektro- und Hybridantriebe wird es das rückläufige Geschäftsjahr 2020 nicht kompensieren können. Die Händler sind sich einig, dass das Erlebnis rund um den Autokauf fehlt. „Ein Auto kauft man nicht so einfach wie einen Kugelschreiber. Die Beratung und dass man das Auto vor Ort anfassen kann – das ist Autokauf!“, erklärt Stangl vom Autohaus Orthuber. Volvo Rath-Verkaufsleiter Andreas Rath sieht das Problem ebenso an der fehlenden Öffnung der Schauräume: „Wer kauft ein Auto per Mail?“

Ob sich die Autobranche dieses Jahr erholen wird, sorgt noch für Skepsis bei den lokalen Autohändlern. Griessner glaubt, dass es 2021 wieder etwas bergauf gehen wird: „Ich glaube, dass es besser wird, weil es viele Kunden ausgesessen haben und jetzt wahrscheinlich auch viele ein Problem haben, wenn das Auto in die Jahre gekommen ist. Ich glaube aber nicht, dass sich der Markt erholen wird.“ Im Autohaus Rath ist man auch optimistischer gestimmt. Rath erzählt davon, dass er gewappnet für dieses Jahr sei und nur darauf warte, dass man wieder richtig verkaufen dürfe: „Ich befürchte, dass es vorerst so bleibt, wie es war und, dass es dann bis zum Sommer wieder besser wird. Eigentlich ist ja jetzt gerade Zeit zum Autokaufen!“ Auch Stangl schmunzelt: „Die Hoffnung stirbt zuletzt!“

Autohändler rechnen mit „Vorziehkäufen“

Ab Jahresmitte wird die neue Normverbrauchsabgabe (NoVA) eingeführt, was den Kauf von Fahrzeugen noch teurer machen wird. Die NÖN wollte dahingehend wissen, ob die Autohändler mit „Vorziehkäufen“ rechnen. Eva Heßler, Geschäftsführerin des Autohauses Peugeot Heßler, geht davon aus, dass es bis Mai noch zu „Vorziehkäufen“ kommen wird. Danach rechnet sie aber wieder mit einem Rückgang. Stangl glaubt auf jeden Fall daran, dass es vor der Änderung der NoVA noch zu Käufen kommen wird: „Nicht nur privat, sondern auch für Unternehmen spielt das eine große Rolle.“ Davon geht auch Rath aus: „Ich glaube, dass es zu ,Vorziehkäufen‘ kommen wird, wenn es genehmigt wird!“

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